Meinung

Hackerangriffe auf Serbien – Hybrider Krieg des Westens?

Gegen Serbien läuft eine hybrider Krieg, der sich unter anderem in Cyberangriffen äußert. Ziel dessen ist es, das Land zu destabilisieren und ausländische Anleger zu verschrecken. Westliche Länder zeigen bisher keine Hilfsbereitschaft – offenbar wegen Serbiens vermeintlich prorussischem Kurs.
Hackerangriffe auf Serbien – Hybrider Krieg des Westens?Quelle: www.globallookpress.com © Silas Stein/dpa

von Marinko Učur

Die Hackerangriffe auf Serbien nehmen kein Ende. Es ist das einzige Land in Europa, das sich weigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Nach unzähligen anonymen Bombendrohungen gegen Flüge von Air Serbia nach Moskau und Sankt Petersburg haben "virtuelle Terroristen" eine neue Form der Vergeltung eingeleitet. Sie geben sich als die Hackergruppe "Anonymous" aus und drohen Serbien in aller Öffentlichkeit. In Hunderten von Schulen und Einkaufszentren sind bereits Drohungen per E-Mail eingegangen. Es wird angenommen, dass diese aus dem Ausland kamen. Glücklicherweise stellten sich alle als falsch heraus.

"Wir sind das einzige Land in Europa, das keine Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt hat, und der Druck wird Tag für Tag immer größer", beschwerte sich die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabić in einer Fernsehsendung. Sie wies darauf hin, dass die Bombenmeldungen aus dem Ausland kamen, was "die Tatsache bestätigt, dass eine Bombenmeldung sogar das Belgrader Tropicarium erreichte, von dem die meisten Bürger nicht einmal wissen, dass es existiert". Polizeiminister Aleksandar Vulin sagte mit Blick auf die Bombendrohungen und Falschmeldungen, dies sei ein "Sonderkrieg gegen Serbien". Der serbische Bildungsminister Branko Ružić bestätigte, bei allen durchsuchten Schulen sei festgestellt worden, dass es falsche Bombenmeldungen waren. 

Die Staatsanwaltschaften für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität und für die Bekämpfung der Hightech-Kriminalität Serbiens schlossen sich sofort den Ermittlungen zu den beunruhigenden Bedrohungen an, analysierten die erhobenen Daten und drückten ihre Zuversicht aus, dass die Öffentlichkeit in naher Zukunft über alle Einzelheiten informiert wird. Die Tatsache, dass die Drohmails gleichzeitig an bis zu 173 Adressen von Grund- und weiterführenden Schulen in Belgrad versendet wurden, zeigt, wie sorgfältig und detailliert die Drohungen geplant wurden. Dies bestätigt die Befürchtung, dass "virtuelle Terroristen" eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe ins Rampenlicht genommen haben, zu der minderjährige Schüler und Kinder gehören.

Einige andere Institutionen blieben ebenfalls nicht verschont, darunter der Zoo in Belgrad sowie der Flughafen "Konstantin der Große" in Niš , einer der größten Städte des Landes. Auch Brücken, der Bahnhof und zahlreiche Restaurants waren Bombendrohungen ausgesetzt, ebenso die Botschaft der Russischen Föderation in Belgrad. Die Polizei stellte bei eingehenden Ermittlungen jedoch fest, dass alle Meldungen falsch waren und dass dies der Preis dafür war, keine Sanktionen gegen Russland verhängt zu haben.

Serbien zahlt "einen hohen Preis", weil es das Wirtschaftswachstum des Landes verlangsamt, denn die Hauptfrage, die sich Investoren stellen, ist, warum Serbien noch keine Sanktionen gegen Russland verhängt hat.  

"Die Angelegenheit ist komplex und geht über die Landesgrenzen hinaus. Wir können den Zeitpunkt nicht abschätzen. Wir werten die bisher erhobenen Daten sorgfältig aus. Wir hoffen, der Öffentlichkeit bald etwas Konkreteres mitteilen zu können", sagte eine der Ermittlung nahe stehende Quelle und fügte hinzu, dass "das Augenmerk nicht nur auf ein, sondern auf mehrere Länder gerichtet ist". In der bisherigen Medienrecherche wurden die Ukraine und Polen mehrfach als Länder genannt, die angeblich in Verbindung mit früheren Bombendrohungen gegen Flüge von Air Serbia in die Russische Föderation gebracht wurden. Solche Informationen wurden jedoch offiziell nie bestätigt.

Es ist klar, dass dies ein hybrider Krieg gegen Serbien ist, mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren, Unruhe zu stiften und jene ausländischen Anleger zu vertreiben, die in Serbien einen fruchtbaren Boden für ihre Geschäftsideen fanden und es zu einem der attraktivsten Länder für Investoren machten.

Inzwischen wurde bekannt gegeben, dass Belgrad um internationale Rechtshilfe bei der Ermittlung jener Anschriften ersuchte, von denen Meldungen zu den angeblich platzierten Bomben versendet wurden. Derzeit gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass eines der Länder mit hochentwickelter Technologie seine Bereitschaft gezeigt hat, Serbien in seiner jetzigen Situation zu unterstützen. Das deutet darauf hin, dass der Druck auf Serbien einigen Machtzentren nahezu gelegen kommt. Nach derzeitigem Stand ist die serbische Regierung jedoch entschlossen, jeglichem Druck standzuhalten, und zeigt keine Absicht, sich den Sanktionen gegen die Russische Föderation anzuschließen. Damit bleibt Serbien das einzige Land in Europa, das prinzipiell und im Einklang mit dem Völkerrecht handelt.

Mehr zum Thema – Belgrad und der "Präzedenzfall" Kosovo – Russische Absichten und serbische Erwartungen

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