Meinung

Egal wie sehr Mark Zuckerberg versucht, "meta" zu sein, man wird ihn weiterhin belästigen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg reagiert auf einen politischen Angriff auf sein Unternehmen mit einer strategischen Entscheidung und benennt seinen Silicon-Valley-Giganten in "Meta" um. Doch das wird die Wachhunde der Justiz nicht abschrecken: Unsere Demokratie fordert seine totale Unterwerfung.
Egal wie sehr Mark Zuckerberg versucht, "meta" zu sein, man wird ihn weiterhin belästigenQuelle: www.globallookpress.com © ERIN SCHAFF/imago stock&people

Ein Kommentar von Nebojša Malić

Mark Zuckerberg kündigte am vergangenen Donnerstag die Neubenennung seines Unternehmens an und gab ein PR-Skript über "die Entwicklung von Technologie, die verbindet" und die Notwendigkeit zum Besten, "die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen", um damit eine "Ökonomie der Schöpfer zu erschließen". Während dieses Salbadern über das eigene Unternehmen auf eine breite Öffentlichkeit eine Wirkung gehabt haben mag, war der medial-politische Komplex, der seit Wochen gegen Facebook seine Messer wetzt, nicht so leicht zu beeindrucken.

Die Washington Post, die dem Technologie-Oligarchen Jeff Bezos gehört, wies darauf hin, dass der Schritt von Facebook "im Rahmen eines umfassenderen Versuchs erfolgte, die Aufmerksamkeit von Enthüllungen abzulenken, gemäß derer man wusste, dass die Plattform eine endlose Litanei sozialer Schäden verursacht hat". Man beachte die Sprachregelung, in der eine Schuld vorausgesetzt und daraus eine Prämisse gebastelt wird. Ein verräterisches Anzeichen für Propaganda.

Nur einen Tag zuvor hatte AP – angeblich eine Nachrichtenagentur, die lange Zeit als Bastion des objektiven Journalismus galt – auf Facebook etwas veröffentlicht, das man nur als rechten Kinnhaken gegen Facebook bezeichnen kann. Laut AP waren es nicht die Randalierer von Black Lives Matter, die Ende Mai 2020 die halben Vereinigten Staaten in Brand gesteckt hatten, sondern der damalige US-Präsident Donald Trump mit einem Post auf Social Media, in dem er vor Plünderungen und Gewalt gewarnt hatte und der von Twitter bekanntermaßen zensiert worden war – nicht aber von Facebook.

"Trumps Social-Media-Beiträge haben noch mehr Wut in einem bereits tief gespaltenen Land entfacht, das schließlich durch Berichte über Hassreden und Gewalt auf der gesamten Plattform gewissermaßen in Brand gesetzt wurde", schrieb AP.

Was spielt es für eine Rolle, dass Trump unter anderem wortwörtlich "Strolche, die das Andenken an George Floyd entehren" geschrieben hatte? In der großen rückwirkenden Kontinuität von 2020 müssen die Unruhen, die von den Demokraten als Weg beschritten worden waren, um Trump aus dem Amt zu drängen – und die unmittelbar nach der Wahl gestoppt wurden – in irgendeiner Form seine Schuld sein. Twitters Zensur eines amtierenden Präsidenten gilt als vorbildliches Verhalten, während die Weigerung von Facebook, sich dieser Zensur zu fügen, praktisch als Verbrechen gewertet wird.

Anfang der vergangenen Woche beschwerte sich Zuckerberg über "ein koordiniertes Bemühen, selektiv durchgesickerte Dokumente zu verwenden, um ein falsches Bild von unserem Unternehmen zu zeichnen". Sowohl im technischen Sinne – da Konzernmedien buchstäblich ein "Konsortium" gebildet haben, um ihre Berichterstattung über die "Facebook-Dokumente" zu koordinieren – als auch im weiteren Sinne hat Zuckerberg Recht. Doch dieser Vorstoß ist bloß der jüngste Versuch des medial-politischen Komplexes, eine Kampagne gegen ein soziales Netzwerk zu reiten und es zu zensieren und zu besiegen.

Das öffentliche Gesicht dieses Versuches ist Frances Haugen, eine "Insiderin", die westlichen Gesetzgebern interne Papiere von Facebook zur Verfügung gestellt hat, die wiederum bestrebt sind, Zuckerberg einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die ehemalige Zuständige für "Spionageabwehr" bei Facebook wurde über Nacht von der Dunkelheit ins Licht des öffentlichen Ruhms gezerrt und sicherte sich ein Interview bei der CBS-Sendung 60 Minutes sowie zwei Zeugenaussagen vor dem US-Kongress, gefolgt von einem Ausflug nach Großbritannien. Vielleicht auch deshalb, weil sie Anwälte und PR-Spezialisten im Rücken hat, die mit der Demokratischen Partei verbunden sind – sowie einen anderen Technologie-Oligarchen, Pierre Omidyar.

Eine weitere Ex-Mitarbeiterin von Facebook, Sophie Zhang, die ebenfalls aus dem Nichts mit Vorwürfen aufgetaucht ist, dass der Internet-Gigant den "Hass" und die politischen Bots in jedem Land der Welt nicht hart genug zensiert hat. Aber sie hat nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit erhalten wie Haugen.

So wie Haugen auch, will Zhang nicht, dass Facebook aufgesplittert wird, oh nein. Beide fordern mehr "Mäßigung" und weniger "Fehlinformationen". Übersetzung: Zensiert alles, was das Establishment, das an der Macht ist, nicht gern hat. Meinungsfreiheit? Was für ein kurioses Konzept, passend für die alte Republik, die seit Langem durch etwas namens "Unsere Demokratie" ersetzt wurde. Komm schon, Mann! Bleib am Ball!

Nie war das kompromisslose Bemühen, alle Mittel der narrativen Kontrolle zu ergreifen und gegen alle Alternativen vorzugehen, so offensichtlich. Die Geschichte legt nahe, dass dies nicht praktikabel ist, aber historische Amnesie ist eher ein Merkmal der gegenwärtigen herrschenden Klasse im Westen und nicht eine Fehlprogrammierung.

Was diesmal jedoch anders ist: Big Tech will sich fügen. Bei einer weiteren Anhörung vor dem Kongress in der vergangenen Woche fielen Führungskräfte von YouTube, TikTok und Snapchat regelrecht übereinander her, um zu beweisen, dass sie sich völlig von Facebook/Meta unterscheiden und alles tun, um "Kinder zu schützen", "Hass zu bekämpfen", "unsere Demokratie" zu beschützen und so weiter.

Zuckerberg selbst hat sich daran gehalten, und wie! Es ist mittlerweile in Vergessenheit geraten, dass der milliardenschwere Globalist und demokratische Mega-Spender George Soros Anfang 2020 einen Dschihad gegen Facebook eröffnet, die Plattform beschuldigt hatte, Trump bei seiner Wiederwahl behilflich zu sein und den Kopf sowohl von Zuckerberg als auch jenen seines Leutnants Sheryl Sandberg gefordert hatte. Dann begannen die Unruhen, und Soros ließ das Thema fallen – obwohl Zuckerberg über 400 Millionen Dollar seines eigenen Geldes ausgab, um die Wahlen für die Demokraten zu "festigen", was natürlich völliger Zufall gewesen sein muss.

Darüber hinaus war Facebooks Schattenverbannung (Shadowban) der Geschichte in der New York Post über Hunter Bidens Laptop der Schande – die perfekte "Oktober-Überraschung" des Jahres 2020 – weitaus effektiver darin, diese Geschichte zu unterdrücken, als Twitter, das kurzerhand den User-Account der Zeitung sperrte, um nur ein Beispiel zu nennen.

Zweifellos dachte Zuckerberg, dass er sich mit beidem bei "Unserer Demokratie" einschmeicheln kann und die Angriffe auf ihn dadurch gestoppt werden. Die Sache mit Bestechungsgeldern ist jedoch, dass die Beträge immer höher werden müssen. Obwohl er ein sehr intelligenter Mann ist, scheinen weder Zuckerberg noch seine Leutnants erkannt zu haben, dass es nicht ausreicht, das eine oder andere Thema anzusprechen, um die Hetzjagd zu beenden.

Im Jahr 2016 war es die "russische Einmischung in die Wahlen", eine Verschwörungstheorie, die verwendet wurde, um zu begründen, warum Hillary Clinton die Wahl an Trump verloren hatte, obwohl 96 Prozent aller alten Medien Clinton offen unterstützt hatten. Das war der erste Vorwand, das Silicon Valley auf den glitschigen Abgrund zu treiben, weg von der Meinungsfreiheit und hin zur Zensur. Seitdem geht der Abwärtstrend in Richtung "Fehlinformationen", "Hassrede" und "Schutz der Kinder".

All dies sind jedoch Vorwände und Ausreden. Das Endziel ist absolute Macht. Ein Regime, das auf Wahrnehmungsmanagement aufbaut, muss unbedingt die totale narrative Kontrolle behalten und kann einfach niemandem vertrauen, der auch nur im Entferntesten in der Lage ist, dieses Narrativ in Frage zu stellen. Man wird Zuckerberg weiterhin belästigen, egal wie "meta" er zu sein versucht, denn das ist alles, was sie noch übrig haben.

Mehr zum Thema - Wie viel wissen wir wirklich über die Facebook-Insiderin Frances Haugen?

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Übersetzt aus dem Englischen.

Nebojša Malić ist ein serbisch-amerikanischer Journalist, Blogger und Übersetzer, der von 2000 bis 2015 eine regelmäßige Kolumne für Antiwar.com schrieb und heute Senior Autor bei RT ist. Man kann ihm auf Telegram @TheNebulator und auf Twitter @NebojsaMalic folgen.

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