Meinung

Krieg gegen den Terror: Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und die Verantwortlichen zu richten

Der Krieg gegen den Terror 20 Jahre später: Ein Gerichtsprozess gegen Blair und Bush wäre ein passendes Abschiedsgeschenk für Afghanistan. Leider wissen wir alle, dass dies nie passieren wird, aber Träumen schadet nie.
Krieg gegen den Terror: Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und die Verantwortlichen zu richtenQuelle: AFP © Saul Loeb

Ein Kommentar von Damian Wilson

Als George W. Bush und Tony Blair, auf der Jagd nach Osama bin Laden, in Afghanistan einfielen, begannen zwei Jahrzehnte des Blutvergießens. Auf der Grundlage von Lügen und Irreführung führte dies zu unzähligen Todesopfern und einer ungestraften Doppelzüngigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Jubiläen wird niemand, der bei klarem Verstand ist, die Tatsache feiern, dass die USA heute vor 20 Jahren, mit voller Unterstützung der britischen Regierung, illegal in Afghanistan einmarschiert sind. Dies läutete den Beginn von zwei Jahrzehnten des Elends ein, die am Ende nichts gebracht haben.

Diese bösartigen, schwer bewaffneten, mit Turbanen bekleideten Tölpel, die jetzt wieder diese verzweifelte Nation regieren, sind gerade dabei, die Flucht der gesamten gebildeten Mittelschicht Afghanistans in Gang zu setzen. Sie teilen tausende Ausreisevisa und Pässe an jeden aus, der im Passamt erfolgreich die Bürokratie und die bewaffneten Wachen umgehen kann. Ausgerechnet jene Menschen, die eine Chance haben, etwas zu bewirken oder die Taliban zur Rechenschaft zu ziehen, fliehen derzeit um ihr Leben.

Man muss sich fragen, ob die Männer, die für dieses Trauerspiel maßgeblich verantwortlich sind, jemals über die Katastrophe nachdenken, die sie über das afghanische Volk gebracht haben. Und ich meine damit nicht die Anführer von Al-Qaida, ISIS oder gar jene der Taliban. Ich spreche von Tony Blair und George W. Bush.

Die beiden späteren Waffenbrüder verfolgten in den Wochen nach den Schrecken des 11. Septembers so sehr den politischen Imperativ, den Feind zu identifizieren und zu vernichten, dass es zu ihrem einzigen und wichtigsten Ziel wurde, Osama bin Laden aus seinem afghanischen Versteck zu vertreiben.

Als Premierminister sagte Blair damals vor dem Unterhaus: "Das afghanische Volk ist nicht unser Feind, denn es hat unser Mitgefühl und wird unsere Unterstützung erhalten. Wir handeln im Namen der Gerechtigkeit. Wir handeln mit der Unterstützung der Weltgemeinschaft im Rücken. Und wir sind fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird und dieses Übel des internationalen Terrorismus konfrontiert und besiegt wird."

Wie hohl diese Worte 20 Jahre später klingen, nach dem Verlust von 174.000 Menschenleben im darauffolgenden Krieg. Und wie unbegründet. Denn der Terror und das Chaos, von dem Afghanistan erfasst wurde, aus dem sich die USA und ihre Verbündeten vor wenigen Wochen hastig zurückziehen mussten, sind das Erbe von Blair und Bush. Die verlassenen Militärfahrzeuge, die jetzt von gewalttätigen Taliban-Gangstern durch Kabul gefahren werden, um jene Afghanen zu jagen, die mit den ausländischen Truppen kollaboriert hatten, sind mit freundlicher Genehmigung der amerikanischen Steuerzahler zurückgelassen worden.

Natürlich trägt nicht nur Afghanistan die Narben, die von den beiden ehemaligen Staatschefs der USA und Großbritanniens hinterlassen wurden. Denn Afghanistan war nur die Startrampe für den Kampf gegen Al-Qaida und der Fokus richtete sich bald auf den Irak, wo Blair und Bush im Jahr 2003 auf der Grundlage von fabrizierten Beweisen entschieden haben, dass die Terrororganisation Taliban dort einen Sitz hat und Pläne gegen den Westen schmiedet.

Der Missbrauch von Geheimdienstinformationen, um einen Krieg zu rechtfertigen, war so offenkundig, dass die Kriegsverbrecherkommission von Kuala Lumpur Bush und Blair einstimmig der Verbrechen gegen den Frieden, gegen die Menschlichkeit und des Völkermords für schuldig befunden hat. Als direkte Folge der Doppelzüngigkeit der beiden verloren Hunderttausende Iraker in diesem schlecht durchdachten Krieg ihr Leben.

Am Ende ihrer jeweiligen Amtszeit verließen beide Männer jedoch einfach ihre Ämter, ließen zahllose Leichen hinter sich – ohne dass dies für beide je echte Konsequenzen hatte. Beide häuften danach private Vermögen an – nicht, dass Bush nicht schon wohlhabend gewesen wäre – während Blair weiterhin als Redner durch die Dunstkreise der Eliten tourt, bei denen er lächerliche Vorträge über Demokratie zum Besten gibt und über sein Institut für globalen Wandel Hof hält, um über die Probleme der Welt zu predigen. Keinerlei Reue. Keinerlei Rechenschaftspflicht. Absolut Nichts.

Aber vielleicht gibt es eine Gelegenheit, Wiedergutmachung anzubieten, indem wir dem Datum gedenken, an dem die Jahre der Bombardierung und der Morde auf der ganzen Welt begannen. Wie passend wäre es, wenn Tony Blair und George W. Bush wegen der Einleitung dieser Kriege vor Gericht gestellt würden. Es würde einen Schlussstrich unter zwei Jahrzehnte der Hölle für Millionen unschuldiger Zivilisten ziehen und zeigen, dass wichtige Lektionen gelernt wurden.

Leider wissen wir alle, dass dies nie passieren wird, aber Träumen schadet nie. Fragt die Afghanen, die nach dem schmachvollen Rückzug der USA und ihrer Verbündeten zurückgeblieben sind. Träume sind alles, was diese Menschen noch haben.

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Übersetzt aus dem Englischen.

Damian Wilson ist ein britischer Journalist, ehemaliger Herausgeber in der Fleet Street, Berater der Finanzbranche und Sonderberater für politische Kommunikation in Großbritannien sowie der EU.

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