Meinung

Vor allem Häme: Reaktionen der deutschen Mainstream-Medien auf die YouTube-Sperre von RT DE

Nachdem bekannt wurde, dass die YouTube-Kanäle von RT DE gelöscht worden waren, ist es wenig überraschend, dass in den deutschsprachigen Mainstream-Medien vor allem Spott und Häme überwiegen. Nur wenige Medien betrachten die Geschehnisse einigermaßen reflektiert.
Vor allem Häme: Reaktionen der deutschen Mainstream-Medien auf die YouTube-Sperre von RT DEQuelle: Gettyimages.ru © megaflopp / iStock / Getty Images Plus

Von Daniel Schrawen

Nachdem die Löschung der YouTube-Kanäle von RT DE bekannt wurde, ist es nicht überraschend, dass in den deutschsprachigen Mainstream-Medien die Häme überwog: In einem Kommentar der WirtschaftsWoche mit dem Titel "Senderchefin schwadroniert vom Medienkrieg: YouTube löscht Russia Today Deutschland" [sic!] erklärt der Autor Peter Steinkirchner beispielsweise, er halte es für richtig, dass YouTube beide Kanäle löschte. Die Plattform habe auf ihren Seiten immerhin das "Hausrecht".

Zudem habe Steinkirchner den Eindruck, dass RT DE "sehr bewusst provoziert" und "in voller Absicht einen Streit vom Zaun bricht". Dessen Ziel sei es natürlich – wie könnte es auch anders sein –, das "Misstrauen gegen den demokratischen Staat" weiter zu schüren.

In der taz werden die Vorwürfe der russischen Seite abfällig als "Tinnef" bezeichnet. Bei der Entwicklung der taz in den letzten Jahren verwundert es dann auch nicht mehr, dass das Blatt zur Vorsicht aufruft, wenn die "russische Staatspropaganda" den "ollen Karl Marx" aus dem Schrank holt. Den Vogel schießt jedoch Patrick Gensing – oberster "Faktenfinder" der ARD – ab. In einem News-Podcast des SRF erklärte er:

"Informiere ich mich nur über RT über Deutschland, dann würde ich den Eindruck gewinnen, ich würde in einem Land leben, dass komplett zerrissen ist und wirklich nur von Problemen und Konflikten dominiert wird."

Vermutlich sollte Gensing gelegentlich einmal seine Filterblase aus Hauptstadtjournalisten verlassen. Zudem sind es nicht die Berichte von RT DE, die die Gesellschaft spalten, das schafft die Politik in Deutschland bereits allein. Dass man auch über diese Spaltung berichtet, sollte zum journalistischen Selbstverständnis gehören.

Der Deutschlandfunk stellt zumindest ansatzweise kritische Fragen: Auch diese greifen im Artikel zwar die Behauptungen der "Desinformation" auf und bezeichnen die Vorwürfe von russischer Seite als "absurd". Aber zumindest am Ende des Artikels wird ein hinter der Löschung stehendes grundlegendes Problem angesprochen: dass internationale Digitalkonzerne allein entscheiden dürfen, welche Videos gelöscht werden und welche nicht. Daher müssen von der Politik klare Regeln durchgesetzt werden.

Bei Telepolis findet sich ein Beitrag, der die Geschehnisse einigermaßen rational reflektiert: Zu Recht weist Claudia Wangerin beispielsweise darauf hin, dass die Abbildung von Position und Demos der "Querdenker"-Bewegung durch RT DE nicht so verstanden werden kann, dass sich der Sender deren Aussagen komplett zu eigen mache. Zudem ist diese Art der Berichterstattung keine "Erfindung" von RT: Auch die deutschen Medien interessieren sich erst einmal für alle Gruppen und Personen, die in Russland gegen Wladimir Putin und die Regierungspartei sind. Wangerin weist außerdem darauf hin, dass eine "Manipulation" durch Medienschaffende bereits durch die Themenauswahl erfolgt, um "Fake News" oder Desinformation handele es sich dabei noch lange nicht.

Abgesehen davon sollte es den Vertretern der Mainstream-Medien zu denken geben, dass bereits selbst der australische Sender Sky News von einer einwöchigen Sperre durch YouTube betroffen war. Begründet wurde dies vom Konzern ebenfalls mit angeblicher medizinischer Desinformation. Durch die Monopolstellung von YouTube kann es praktisch jeden treffen.

Mehr zum Thema - Mit "Bücherverbrennung" ins digitale Mittelalter – Zur Löschung der YouTube-Kanäle von RT DE

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