Meinung

ARD-Tagesthemen: "Unterwanderung" der Fluthelfer durch "Querdenker-Szene und rechtsradikales Milieu"

Die ARD-"Tagesthemen" behaupten, Hilfskräfte im Katastrophengebiet würden durch "Querdenker und Rechtsradikale" massiv "unterwandert". Diese würden zudem offizielle Helfer "kategorisch ablehnen". Welche "Untaten" genau beklagt werden, bleibt aber eher im Vagen.
ARD-Tagesthemen: "Unterwanderung" der Fluthelfer durch "Querdenker-Szene und rechtsradikales Milieu"Quelle: www.globallookpress.com © P. Nowack / www.imago-images.de

von Falko Looff

Die bequeme Welt der politisch-medialen Klasse gerät offenbar immer stärker unter Druck – zumindest so sehr, dass öffentlich-rechtliche Medien sich einmal mehr bemüßigt fühlten, den tiefen Griff in die Werkzeugkiste der Meinungsmache zu wagen. Und dabei hätte es doch auch einfach nur ein Bericht über die Fluthilfe sein können. Nun, bis Minute sieben der ARD-Tagesthemen vom Dienstag war es das sogar. Doch dann machte Moderator Helge Fuhst den großen Schwenk. Plötzlich blickte er ganz betroffen in die Kamera und eröffnete dem Publikum begleitet von einem kräftigen Kopfschütteln das, was "unfassbar" sei. So gebe es nämlich "einige Bürger in unserem Land", die die Hilfe der Feuerwehr oder des Technischen Hilfswerks "kategorisch ablehnen".

Weit gefehlt, wer hier noch gedacht haben mag, es ginge beim deutschen Staatsfunk nun einmal ernsthaft um die Zustände etwa im Berliner Bezirk Neukölln. Denn Fuhst klärt sogleich auf: "Viele von ihnen" kämen "aus der Querdenker-Szene und dem rechtsradikalen Milieu". Der Klassiker! Mal schnell Querdenker und Rechtsradikale in einen Topf geworfen – wird ja bestimmt irgendwo verfangen.

Diese Bürger würden nämlich ihre Ablehnung gegen "Institutionen und unsere Demokratie insgesamt" verbreiten, und zwar mit "Falschmeldungen". Ach, wie gut, dass es die "Qualitätsmedien" gibt, soll man jetzt wohl denken. Wie peinlich, trifft es wohl eher. Doch Fuhst ist wahrscheinlich zu jung, um sich an Nachrichtensendungen früherer Zeiten zu erinnern – muss er ja auch nicht, die sind von seiner eigenen längst übertroffen.

Wer an dieser Stelle noch nicht ausgeschaltet hatte und sich bereits überlegte, ob er weiter seine Pflichtabgabe für solcherlei "Berichterstattung" zu zahlen bereit ist, wartete vermutlich auf eine Erklärung für diese ganz fürchterlich verstörende Nachricht des Tagesthemen-Moderators. Natürlich brauchte es hier aber noch einen "Experten", um der Sache den Anschein von Seriosität zu verleihen. Der kam dann auch sogleich in Gestalt von Eric Beres vom SWR. Und dann ging es auch schon los: Die Querdenker seien nämlich schuld, "ganz massiv" würden sie "mobilisieren"! Und man kenne sie ja schon: "Das waren die, die auf den Corona-Demos waren, die inzwischen ja auch bundesweit (...) vom Verfassungsschutz beobachtet werden, in der Nähe zu Reichsbürgern und auch Rechtsextremisten", so der "Experte". Einmal mehr also der Klassiker mit der Nazikeule.

Bemerkenswert aber ebenso, dass sich öffentlich-rechtliche Medien anscheinend daran stören, wenn Bürger gegen Regierungsmaßnahmen demonstrieren, weil sie sich in ihren Rechten verletzt sehen. Na gut, dafür hätte man sich aber auch einmal zu diesen Kundgebungen hinbegeben müssen – um von der Rede Kennedys bei der Großdemo in Berlin vor rund einem Jahr zu berichten etwa. Doch so etwas ist für öffentlich-rechtliche Sendeanstalten eben einfach per se etwas Schlechtes, Anstößiges – natürlich nur, solange es nicht zur eigenen Agenda passt, versteht sich.

Doch sei es drum. Wer es bis hierhin ausgehalten hatte, wollte jetzt endlich einmal wissen, was all diese furchtbaren Unterwanderer denn nun eigentlich tun und woran genau sie schuld seien. Und endlich erfuhr man es: Es werde nämlich "massivst in Social Media-Kanälen zu Spenden aufgerufen, aber auch zu Hilfen vor Ort". Oh nein, wie schrecklich! Wie gut, dass die Tagesthemen das aufgedeckt haben. Doch damit nicht genug. Diese Leute organisierten nämlich sogar "Essensausgaben". Unglaublich so etwas! Was sind das nur für Menschen, geben einfach Essen an Bedürftige aus! Eine bereits bestehende Hilfsorganisation soll von diesen hinterhältigen Halunken sogar "massivst unterwandert" worden sein, weiß "Experte" Beres weiter zu berichten. Und was machen die jetzt? Etwa noch mehr Essen verteilen?

Besonders schlimm findet Beres übrigens "polizeiähnliche Fahrzeuge", auf denen "Friedensfahrzeug" zu lesen ist. Aus diesen Fahrzeugen heraus soll es nämlich Lautsprecheransagen gegeben haben, "wonach offizielle Hilfskräfte, Polizei, Feuerwehr jetzt ihre Präsenz zurückfahren würden". Und das könne man, so "Experte" Beres, nur als "perfide" bezeichnen. Recht hat er. Das geht ja nun wirklich nicht. Hier sollte doch wirklich einmal eine rote Linie gezogen werden. Und wer immer noch nicht versteht, dass das alles etwas ganz Schlimmes ist, für den hält der ARD-"Experte" noch folgende Mitteilung bereit: In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde "quasi ein Lager aufgeschlagen", und zwar von einem "bekannten Rechtsextremisten, der auch schon wegen Holocaust-Leugnung verurteilt wurde". Der habe dann von dort "Propaganda-Videos in die Welt gesendet".

Und spätestens damit ist es schließlich amtlich: Alles Rechtsextreme dort, die ganz schlimme Dinge tun. Wollen Flutopfern helfen und so. Aber im Ernst: Mag ja sein, dass es in Deutschland Menschen gibt, deren Vertrauen in den Staat nicht das allerhöchste ist. Doch womöglich haben sie ja ihre Erfahrungen und Gründe dafür. Und wäre es, am Ende des Tages, nicht eigentlich Aufgabe von Medien, sich genau damit auseinanderzusetzen? Die Tagesthemen müssen diese Rolle wohl erst noch finden.

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