Meinung

Schlaglicht: Armin, der Sozialrevolutionär

Die CDU plant eine Rentenreform, die höhere Abschläge beim vorzeitigen Gang in den Ruhestand vorsieht. Wer über sein 67. Lebensjahr hinaus arbeitet, soll mehr Rente bekommen. Oder andersrum: Alle anderen bekommen weniger. Was für ein Gedanke bei 22 Millionen Rentnern vor der Wahl!
Schlaglicht: Armin, der SozialrevolutionärQuelle: www.globallookpress.com © Rolf Vennenbernd/dpa

Ein Schlaglicht von Stephan Fein 

Wer bis 67 arbeitet, soll nach Armin Laschet mehr Rente bekommen, als jener, der wegen des kaputten Rückens schon vorher geht. Genauer gesagt, fordert er höhere Abschläge auf Frührenten. Außerdem verlangt er, dass Geringverdiener mehr Rente bekommen sollten. Und genau das soll nicht der Staat, sondern neuerdings der Firmenchef als Minibetriebsrente übernehmen. Soviel zur Firmenaufbauhilfe nach Corona.

So steht es in einem Programmentwurf des Kanzlerkandidaten der Union. Auch soll der Verkauf von Wertpapieren nach zehn Jahren bis 50.000 Euro steuerfrei bleiben. Der Minijob soll auf 550 Euro steigen. Das reicht, um für später einmal einen Papp-Karton zu finanzieren, wenn schon kein Haus. Und der Steuerfreibetrag soll von 1.000 auf 1.250 Euro steigen. Macht zwar nicht reich, aber hört sich gut an. Der Spitzensteuersatz soll dann mit 42 Prozent irgendwo über 57.919 Euro liegen. Der deutsche Ingenieur wird sich freuen! Genaues sagt Armin nicht. Blöd nur, dass man diesem Sozialrevolutionär aus Nordrhein-Westfalen genau so etwas zugetraut hat. Mehr nicht. Was soll denn an diesen hoch umschwurbelten, geheim gehaltenen Zeilen eigentlich so geheim oder neu oder revolutionär sein?

Das also ist des Pudels Kern? Hört sich an wie das eines fahrigen Skolasten, sehr frei nach Goethe. Damit will Armin Laschet Deutschland nach Corona aufbauen? Das wird interessant. Von der Abschaffung der kalten Progression kein Wort. Auch nichts von der Besteuerung der Großkonzerne, die in Deutschland kaum Steuern zahlen.

Das Ganze wird dann ab September durchquirlt mit einem Baerbockschen CO2-Bepreisungs-Mix von steigenden Energiekosten und einer fraglos von der CO2-Knute heruntergewirtschafteten Bauwirtschaft, gefolgt von der gebeutelten Autoindustrie, die das Autofahren in den Innenstädten nur noch für Millionäre ermöglicht.

Immerhin haben dann wenigstens alle E-Fahrer einen Ladeanschluss. Der Rest der überreichen Bevölkerung kommt mit dem Rad. Auch der Lieferverkehr der Veganläden und des Nobel-Italieners in der Innenstadt wird dann per Rikscha passieren, was das Gurkenkompott und den Wirsing an Wirsing leider weiter um 300 Prozent verteuert, so auch die handgerührte Bionade.

Aber an das Sitzen im Lokal muss man sich eh erst langsam wieder gewöhnen. Bleibt die Krisenstimmung. Die Maske behalten wir vorsichtshalber um, denn vielleicht brauchen wir sie doch noch, um das ausströmende CO2 aus unseren Mündern aufzusammeln. Denn bis 2045 wird Deutschland CO2-neutral, heißt es zumindest auf den 142 Seiten seines Wahlprogramms: Bis dahin muss Schluss sein mit dem lästigen Atmen!

Rentner sollen nach Tipps aus dem Deutschen Institut für Wirtschaft doch besser gleich bis 80 arbeiten – aus Solidarität mit den Jungen. Wieso man dann überhaupt noch von Rente spricht, kann einem Kanzler Armin, der Sozialrevolutionär, bestimmt eines Tages verraten.

Dann spricht Laschet über "Zeitsouveränität über das ganze Berufsleben" Er spricht im digitalfernen Deutschland von Arbeitszeitkonten und der Entlastung in der Rushhour des Lebens. Man soll, vereinfacht gesagt, in jungen Jahren oder wenn die Kinder raus sind, mehr arbeiten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Derartige Planspiele auf Jahre hin bei einem 80-Millionen-Volk zu üben, dass nicht einmal seinen Straßenverkehr in den Griff kriegt, ist schon sehr ambitioniert. Firmenchefs werden sich besonders darüber freuen, wenn sie Leute einstellen, die gerade das zweite Kind bekamen und eigentlich gerade so gar keine Zeit zum Arbeiten haben. Aber vermutlich liegt gerade darin das wirklich Revolutionäre an Armin Laschet: das Unerwartete, leider auch das Utopische.

Derzeit haben nur 60 Prozent der Beschäftigten hier ein Arbeitszeitkonto. Und dabei geht es um klar definierte Arbeitstage, nicht Fehlwochen oder gar Jahre.

Kurz: Wer nicht so lange arbeitet, bekommt weniger. Und wer eh nicht arbeitet , bleibt arm. Ist doch gerecht, oder?

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