Meinung

Weißhelm-Chef gibt Terror-Verbindung zu – Kanadas Staatsmedien reden von "Russlands Desinformation"

Selbst dann, wenn ein hochrangiger Weißhelm zugibt, dass einige der "Zivilschützer" in Syrien aus den Reihen der Terrormilizen kamen, erntet er ohne Nachfragen von kanadischen Staatssendern Lob und Besorgnis über "russische Desinformation".
Weißhelm-Chef gibt Terror-Verbindung zu – Kanadas Staatsmedien reden von "Russlands Desinformation"Quelle: AFP © Andrew Caballero-Reynolds

von Eva Bartlett

Am 30. März interviewte Carol Off, die Moderatorin der Sendung As it Happens auf Kanadas regierungsfinanziertem Sender CBC, Farouq Habib aus Montreal. Das Gespräch mit dem stellvertretenden Geschäftsführer der Weißhelme drehte sich um die Mitarbeiter der Organisation und deren Familienmitglieder, die vor fast drei Jahren nach Jordanien evakuiert worden waren (und zwar über Israel, mit Kanadas Hilfe).

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Damals hatte Kanada die Aufnahme von 50 Weißhelmen und 200 ihrer Familienmitglieder zugesagt. Der Fokus von Off lag auf 43 Personen der Evakuierten, die immer noch nicht in Kanada angekommen waren. Also fragte sie Habib: "Es gibt einige Andeutungen seitens der kanadischen Sicherheitsbehörden, dass diese verbliebenen Weißhelme eine Verbindung zum bewaffneten Aufstand haben, dass sie also in irgendeiner Weise militant waren. Gibt es dafür Beweise?"

Habib bejahte dies:

"Was diese spezielle Sache betrifft, so leugnen wir es überhaupt nicht. Es wurde so verkündet, und wir sind stolz darauf, dass viele der ehemaligen Kämpfer, die am Anfang des Krieges an ihm beteiligt waren, …ihre Waffen niederlegten und sich den Rettungsteams anschlossen, um andere zu retten. …"

Propaganda-Betrieb mit Verbindung zu Milizen

Die vom Westen finanzierten Weißhelme beschreiben sich selbst als freiwillige Rettungshelfer und behaupten, sie hätten "mehr als 100.000 Leben gerettet". Um ihr angebliches Heldentum zu beweisen – oder besser gesagt, um es zu propagieren – verbreitet die Gruppe professionell produzierte Videos und andere Inhalte über ihre Operationen in diversen sozialen Medien.

Westliche Konzernmedien wiederkäuen dann deren Behauptungen und Inhalte unreflektiert – und gleichzeitig verleumden sie Journalisten, die tatsächlich nach Syrien reisten und Zivilisten zum Thema Weißhelme interviewten. Anstatt, diesen Beispielen folgend, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen, konzentrieren sich diese Medien von weit außerhalb Syriens darauf, diese hochumstrittene Gruppierung mit Verbindungen zu Terrormilizen weißzuwaschen.

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Bei den Weißhelmen hat man es aber beileibe nicht nur mit deren eigener Propaganda zu tun. Ich schrieb bereits über deren Verbindungen zu terroristischen und extremistischen Gruppen. Sie wurden so außerdem an der Seite von Terroristen mit Waffen in den Händen gefilmt. Sie wurden an Schauplätzen von Hinrichtungen gesichtet, über toten syrischen Soldaten stehend, und Berichten zufolge räumten sie nach einer Hinrichtung im Gouvernement Darʿā auch noch den Hinrichtungsplatz auf.

Die Journalisten filmten Zeugenaussagen von Zivilisten, die unter der Herrschaft von Terroristen gelebt hatten. Diese Menschen schilderten, wie eben jene Weißhelme an der Seite von Terroristen arbeiteten, sich auch unter sie mischten und den Menschen, die sie doch angeblich retten sollten, die medizinische Behandlung verweigerten.

Die Weißhelme erklären ihre angebliche Neutralität, doch Beweise, die von den Mainstream-Medien kurzerhand als russische und syrische "Desinformation" abgetan werden, zeigen: In Wirklichkeit sind die Weißhelme sehr wohl parteiisch – und zwar ist ihre Partei die der militanten Gruppierungen.

Kanada unterstützte die Weißhelme mit bisher mindestens 7,5 Millionen US-Dollar und unhinterfragter Medienunterstützung.

Auch deshalb hat man offenbar beim Staatssender CBC ein ganz eigenes Interesse daran, einfach das Skript über die "Helden" der Weißhelme abzulesen, anstatt echten, nämlich kritischen Journalismus zu betreiben.

Fragen unnötig

Eingedenk des oben Gesagten sollte es niemanden überraschen, dass Carol Off tatsächlich  kein einziges Mal von ihrem vorbereiteten Skript abwich. An Habibs Behauptungen, dass alle mit den Milizen verbundenen Weißhelme ihre Waffen wirklich "niedergelegt" hätten, äußerte sie nicht ein Fitzelchen an Zweifeln. Ganz zu schweigen von zahlreichen anderen Fragen, die ein verantwortungsvoller Journalist hätte stellen können, als da wären:

- Wie viele Mitglieder der Weißhelme kämpften früher (*hüstel*… "früher") bei bewaffneten Gruppierungen mit?

- Welchen Fraktionen gehörten diese an?

- Haben manche von ihnen Blut an ihren Händen?

- Tragen manche von ihnen auch derzeit noch Waffen?

- Wie können Sie sicherstellen, dass sie ihren extremistischen Weg verlassen haben und nun wirklich unparteiisch sind und sich der Aufgabe widmen, allen syrischen Zivilisten Hilfe zu leisten?

Off hätte jede dieser Fragen nach ihrer eigenen Auswahl stellen können – oder auch alle. Stattdessen fuhr sie folgendermaßen fort:

"Wir wollen an dieser Stelle die Menschen daran erinnern, dass die Weißhelme vermutlich Zehntausende von Leben gerettet haben. Sie wurden für den Friedensnobelpreis nominiert. Doch gleichzeitig wissen wir, dass russische und syrische Agenten eine Desinformations- und Verleumdungskampagne gegen die Weißhelme durchgeführt haben. Es gab eine Menge Propaganda, die suggerierte, dass sie keine echten Retter sind, dass sie Militante sind. Glauben Sie, dass die kanadischen Beamten dieser Propaganda ausgesetzt gewesen sein könnten?"

Man hätte fast glauben können, dass Off das Eingeständnis nicht gehört hätte, in dem Habib kurz zuvor explizit damit geprahlt hat, dass es "ehemalige" Kämpfer unter den Weißhelmen gibt – eine Tatsache übrigens, die zumindest bei denjenigen, die dafür verantwortlich sind, dass solche "Evakuierten" die kanadische Grenze überqueren durften, durchaus Misstrauen erregen sollte.

Und einfach so – ohne eine einzige harte Frage gestellt zu haben – ging die Interviewende dazu über, die Propaganda der Weißhelme über eine angebliche "russisch-syrische Desinformationskampagne" ihrerseits herauszuposaunen.

"Ein paar" schwarze Schafe?

Und nun noch etwas zu dem Gast bei Carol Off: Wie neutral ist Farouq al-Habib überhaupt?

Er führte den Aufstand in Homs gegen die syrische Regierung mit an und war ein Gründungsmitglied des 'Homs Revolutionary Council'. Als der dschihadistische Feldkommandeur und Fußballer Abdul Baset Al-Sarout im Juni 2019 in einem türkischen Krankenhaus an Verwundungen verstarb, die er im Kampf gegen die Truppen der rechtmäßigen Regierung Syriens und verbündete russische Truppen im Norden der syrischen Provinz Hama davontrug, trauerte Habib um ihn und beweinte seinen "Heldenmut" und seine "Ehre." Sarout vertrat nicht nur extremistische und sektiererische Ansichten, sondern war Mitglied einer terroristischen Gruppierung, er bekannte sich zur Terrormiliz "Islamischer Staat".

Es ist nicht überraschend, dass Carol Off sich lieber dafür entschied, nicht in Habibs Biographie herumzustochern. Ebensowenig überraschend ist, dass sie sich auch dafür entschied, selbst sein Eingeständnis der angeblich "ehemaligen" militanten Zugehörigkeit von Weißhelmen zu ignorieren.

Wie vor Ort meine eigenen Recherchen und die Recherchen anderer Journalisten dort in Syrien zeigen, sind viele Weißhelm-Mitglieder militanten oder terroristischen Gruppierungen zugetan. Sie jubelten sogar an der Seite von al-Qaida und für al-Qaida in Syrien. In den seltenen Fällen, in denen die Mainstream-Medien das zugeben, spielen sie solche als nur "ein paar schwarze Schafe" herunter.

Das aber ist nicht der Fall. Wir haben es bei den Weißhelmen keineswegs nur mit ein paar schwarzen Schafen zu tun – sondern mit vielen Wölfen im Schafspelz. Und dasselbe gilt auch für die Mainstream-Medien mit ihrer Berichterstattung darüber.

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Übersetzt aus dem Englischen

Eva Bartlett ist eine unabhängige kanadische Journalistin und Aktivistin. Sie war jahrelang vor Ort über Konfliktzonen im Nahen Osten berichtet, insbesondere in Syrien und Palästina (wo sie fast vier Jahre lang lebte).

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