Meinung

War Biden nur der Köder? – Hälfte der US-Amerikaner zweifelt, wer die Entscheidungen trifft

In den USA glauben genauso viele daran, jemand anderes als der Präsident Joe Biden treffe die wichtigen täglichen Entscheidungen im Weißen Haus, wie daran, dass Biden wirklich der Mann am Steuer sei. Dies besagen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von Rasmussen Reports.
War Biden nur der Köder? – Hälfte der US-Amerikaner zweifelt, wer die Entscheidungen trifftQuelle: AFP © MANDEL NGAN / AFP

Ein Kommentar von Helen Buyniski

Nur 47 Prozent der US-amerikanischen Wähler glauben, dass der neue US-Präsident Joe Biden bezüglich seiner präsidialen Aufgaben auch wirklich das Sagen hat. Dies verraten die Ergebnisse einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen Reports. Und dann ist da noch ein ebenso großer Anteil von Befragten – gleichfalls 47 Prozent – die der Ansicht sind, dass andere Regierungsbeamte, wie etwa die Vizepräsidentin Kamala Harris, diese Entscheidungen hinter den Kulissen treffen.

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Angesichts dieser Umfrageergebnisse dürfte der Eine oder die Andere sicherlich die Stirn runzeln – schlug doch die Diskussion über Bidens Geisteszustand bereits vor der Wahl im November hohe Wellen. Gerüchte, dass der 78-jährige Politiker – der älteste Mann, der in der Geschichte der USA jemals zum Präsidenten gewählt wurde – an Demenz oder einer anderen geistigen Behinderung leide, waren gerade im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im November durchaus weit verbreitet. Damals – wie heute noch immer – wurden sie durch häufige Ausrutscher angeheizt, bei denen Biden wichtige Namen oder Ereignisse vergessen zu haben schien – ebenso wie, wo (und wann) er da oder dort war.

Bei einem besonders ungeheuerlichen Ausrutscher war für ihn der ehemalige Präsident Barack Obama – unter dem er als Vizepräsident diente und auf dessen Ruf er im Wesentlichen seinen Wahlkampf aufbaute – der "Präsident, mein Boss", was er nach einer angespannten Pause in einem Lachen aufzulösen versuchte.

Die Umfrageergebnisse werfen somit auch Fragen über die Rolle von Kamala Harris auf, die bereits als Präsidentschaftskandidatin so unbeliebt war, dass sie – nachdem die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii einige Schandflecke in der Vita der kalifornischen Senatorin in einer Debatte auf offener Bühne ansprach – noch vor Beginn der Bundesstaaten-Abstimmungen direkt während der Vorwahlen bei den Demokraten aus ihrer Kandidatur ausstieg. In jenem Jahr, als ein Wahlkampfthema im Lande an vorderster Stelle die Abrechnung mit polizeilichen Übergriffen war, legen die Fakten aus ihrer Amtszeit als Kaliforniens oberste Staatsanwältin nahe, dass sie gerade die falsche Frau für einen solchen "Job" war – in jeder Hinsicht.

Sie deckte Polizisten und Staatsanwälte mit Dreck am Stecken, befürwortete die Inhaftierung der Mütter von Schulschwänzern, verhinderte die Berücksichtigung entlastender Beweise bei Ermittlungen, ließ Hypothekenbetrüger wieder laufen und ließ dafür Häftlinge, die ihre Strafe für nicht sonderlich gewalttätige Verbrechen über ihr jeweils frühestmögliches Bewährungsdatum hinaus abgesessen hatten, weiter in Haft halten, um sie als billige Arbeitskräfte beim Löschen von Waldbränden einsetzen zu lassen. Kurzum, wenn jemand das Image der "Demokratischen Partei" nach den so von Gabbard eingeschätzten Wünschen der Wähler im Jahr 2020 aufpolieren konnte, dann war es auf keinen Fall Harris.

Dass ausgerechnet Harris – als Bidens quotendiverser Nebencharakter, denn eindeutig wurde sie nur für diese Rolle ausgewählt, nachdem Biden kurzerhand die Nominierung einer "woman of color" als Vizepräsidentschaftskandidatin versprochen hatte – ins Weiße Haus geschmuggelt wurde, ist nichts anderes als ein Schlag in das Gesicht der Wähler – vor allem jener progressiven farbigen Demokraten, die Biden (in der falschen Annahme) wählten, damit eine Chance zum Neuverhandeln ihrer Stellung zur Polizei zu bekommen.

Ebenso macht stutzig, dass das Medien-Establishment, das sonst stets darauf versessen war, noch unter Trump jeden Skandal im Weißen Haus auszugraben, sich in den ersten Tagen von Bidens Präsidentschaft damit begnügte, über Hundebiss-Blessuren und Selbstbeglückwünschungen zu berichten – im Gegenzug jedoch die Berichterstattung über Harris herunterspielte, als die sich anscheinend immer stärker in wichtige präsidiale Aufgaben hineindrängte.

So nahm wieder einmal die Vizepräsidentin Bidens Platz ein, als kürzlich ein Telefonat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu geführt wurde, wie auch schon in den letzten Telefonaten mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dem australischen Premierminister Scott Morrison und dem Chef der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus. Laut CNN  legt Harris großen Wert darauf, ihre Arbeit in den Bereichen Außenpolitik und nationale Sicherheit substanzieller zu gestalten – das sind aber unzweifelhaft zwei Schlüsselbereiche für jeden Kandidaten, der anstrebt, selbst US-Präsident zu werden. Die häufigen "Freud'schen Versprecher" der Vizepräsidentin – als sie nämlich zum Beispiel auf die "Harris-Administration" verwies – und das Schwärmen vieler Medien über alles, was mit ihr zu tun hat, von ihren Schuhen bis hin zu ihren Lieblingsliedern, deuten auf eine maßgeschneiderte Führungspersönlichkeit hin, die den Menschen nun geliefert wird, ohne dass sie darüber wirklich jemals abstimmen durften.

Übersetzt aus dem Englischen

Helen Buyniski ist eine US-amerikanische Journalistin und politische Kommentatorin bei RT.

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