Meinung

Gottschalk nennt Staatsmedien "einfach katastrophal"

In einer Audio-App hat Top-Entertainer Thomas Gottschalk (70) gegen die öffentlich-rechtlichen Medien ausgeteilt. Verwunderlich, denn er kam mit diesen Medien groß raus.
Gottschalk nennt Staatsmedien "einfach katastrophal"Quelle: www.globallookpress.com © Jens Kalaene/ZB

Ein Meinungsbeitrag von Stephan Fein

Er war Mr. Wetten, dass..? – auch wenn er Deutschlands beliebteste Fernsehshow nach Dalli Dalli gar nicht selber erfunden hat. Mit Günther Jauch war er "der" Radiomoderator mit Pop nach Acht im Bayerischen Rundfunk, der immer in die Songs reinquatschte, die man in den späten 1970er Jahren noch per Hand mit dem Kassettenrekorder aufnehmen musste und ihn danach auf jeder Party beim Schieber verfluchte. Als Moderator liebte er es, mit seinem Kirchenlatein aus seiner Ministrantenzeit Journalisten der schreibenden Zunft zu beeindrucken. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle Stationen des gelernten Kulmbacher Dorfschullehrers etwas gemeinsam: Meist finanzierten der Staat oder/und der Gebührenzahler seine Karriere. Wer hätte gedacht, dass dieser Thomas Gottschalk plötzlich über diesen Staatsfunk herfällt?

Am Sonntagabend in einem Talk in der Audio-App Clubhouse passierte es. Knapp drei Minuten dauerte die Suada gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Mediendienst des Netz-Journalisten Peter Turi, turi2, berichtete.

Von Anne Will, Maybrit Illner bis hin zu Markus Lanz bürstete er die Kollegen über einen Kamm. Gottschalk bezeichnete den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als "einfach katastrophal." Er, der durch reichlich Staatsgeld Gedemütigte, sei "voll heiligem Zorn", wenn er daran denke, was für Chancen der Öffentlich-Rechtliche habe und wie wenig der daraus mache. Als Adressatin hatte er gleich die Richtige vor sich: Patricia Schlesinger, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), gerade mit mehr als 62 Millionen in der Kreide mit ihrem Jahresbudget und trotzdem mit dem Neubau eines digitalen Glasbeton-Neubaus in Berlin befasst. Gottschalk feuerte, ohne ein paar unliebsame Wahrheiten zu nennen, die der Flurfunk im rbb seit Jahren trällert: Wetten, dass die Nicht-mehr-dort-Arbeitenden mehr Geld verdienen als die Dort-Beschäftigten? Oder wetten, dass sich Frau Intendantin neulich noch unverhohlen den Corona-Effekt mit einem zweistelligen Quotenplus für ihre laue Abendschau an die Brust heftete, ohne zu erwähnen, dass andere TV-Sender ähnliche Zuwächse verzeichneten?

Das wären Fakten gewesen! Das verbale Florett. Doch Gottschalk nahm den Säbel: "Wir senden uns hier in einem Verwaltungsmoloch zugrunde, wo die Anstalten sich gegenseitig nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnen." Er sei der Meinung, dass es jetzt Corona-Stäbe gibt, die schon Angst davor haben, dass die Seuche in den Griff zu kriegen ist, weil dann sämtliche Krisenstäbe eingestampft werden. So was können sie. Kurz und knapp: Corona gibt den Affen Zucker, beidseits der Kamera. Und Gottschalk legt nach: Die öffentlich-rechtlichen Sender seien nicht einmal in der Lage, ihre eigenen Programme zu promoten, weil sie sich dann gegenseitig Konkurrenz machen würden. Was sie allerdings kurioserweise auch tun. Gottschalk: "Die treten sich gegenseitig auf die Füße, da ist kein Gesamtmanagement dahinter."

Doch der Showmaster wäre kein Showmaster, würde er alle staatlich finanzierten Brücken hinter sich abreißen. Seine Zukunft sieht er im Radio. Vielleicht hört man den 70-Jährigen lieber, als dass man sich an seiner bunten Garderobe erfreuen könnte? Dort ortete er "größere Hörernähe" und -achtung: "Teilweise geniale Beiträge. Auf den Kulturwellen gibt es unglaublich tolle Features." Das sei der wahre öffentlich-rechtliche Auftrag, an dem er gerne wieder partizipiere. Schließlich weiß man ja, wie schlecht der Öffentliche seine ehemaligen Stars im Alter behandelt.

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