Meinung

Der Hüther hütet die Schaf'

Nach einem Jahr "Corona" ist nun die Impfung das große Thema. Und die Kritik an jenen, die sie ablehnen. Politik und Medien fahren bereits schwere Geschütze auf, da meldet sich ein "Trittbrettfahrer" und verdeutlicht das wahre Problem.
Der Hüther hütet die Schaf'Quelle: www.globallookpress.com © Juliane Görsch/dpa

von Jens Zimmer

Zur Durchsetzung der Corona-Maßnahmen greift die Regierung erfolgreich auf alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zurück. Das wahre Ausmaß der Akzeptanz in der Bevölkerung ist dabei nur schwer einzuschätzen. In den etablierten Medien wird stets von einer hohen Zustimmung, teils sogar dem Wunsch nach härteren Maßnahmen berichtet. Einige Umfrageergebnisse ließen sich, zumindest tendenziell, aber auch anders interpretieren. Die Fügsamkeit des Großteils der Menschen sollte ohnehin nicht zwingend als Einverständnis gewertet werden. Viele fürchten den Staat weitaus mehr als das Virus.

Die neue Impfung verspricht, unsere derzeitigen Probleme zu lösen. Glaubt man den Verlautbarungen, so ist sie nicht nur sicher, sondern bedeutet auch ein Ende des Lockdowns. Trotzdem scheint die Impfbereitschaft in der Bevölkerung nicht besonders ausgeprägt zu sein. Die entsprechenden Umfrageergebnisse sind wie gesagt mit Vorsicht zu genießen.

Mit welchen Mitteln um diese Zahlen gerungen wird, demonstrierte dieser Tage die Kanzlerin. Ganz bestimmt "ungewollt" marschierte sie mit ihren Unterlagen unter dem Arm an den hochauflösenden Kameras der Fotografen vorbei. Es passierte, was passieren musste: Umgehend wurde über die Zahlen der Kanzlerin berichtet!
Über das Zustandekommen und die Glaubwürdigkeit dieser Zahlen wurde nicht diskutiert. Wie könnte man auch? Offiziell gibt es diese Zahlen ja gar nicht, auch wenn sie überall in der Zeitung stehen.

Der Medien-Stunt der Kanzlerin deutet darauf hin, dass ihre Zahlen eher Wunschdenken sind. Und doch ist es ihr schadlos gelungen, sie in der Presse zu lancieren. Die ungewöhnliche Art der Verbreitung ist übrigens nicht neu, aber durchaus originell. Und sie hat funktioniert.

Eine tatsächliche Impfpflicht würde die Regierung momentan natürlich lieber vermeiden. Nicht nur wäre sie das Eingeständnis, gegen den Willen großer Teile der Bevölkerung zu agieren. Auch die zeitnahe Durchsetzung einer solchen Pflicht wäre ohne beinahe diktatorische Maßnahmen wohl kaum zu erreichen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung könnte dadurch dramatisch schwinden.

Aus diesem Grunde versucht es die Politik seit geraumer Zeit durch die Hintertür. Man wolle niemanden zur Impfung "zwingen", Geimpfte würden aber gewisse "Privilegien" zurückerlangen. Angesichts der doch erheblichen Einschränkungen kann man das durchaus als "Zwang" interpretieren. Auch wenn die Impfung selber natürlich weiterhin freiwillig bleibt.
Man könnte sagen, die Kanzlerin geht mit der "Impfpflicht" unterm Arm einmal an den Kameras vorbei. Schon steht diese Impfpflicht quasi im Raum, ohne je beschlossen worden zu sein. Die Menschen werden sich tatsächlich genötigt fühlen, obwohl es doch gar keine solche Pflicht gibt.

Der Privatsektor spielt übrigens mit. Die australische Fluglinie Qantas ist Vorreiter und hat angekündigt, auf internationalen Flügen zukünftig nur noch geimpfte Passagiere zuzulassen. Pikanterweise handelt es sich um ein Unternehmen, das unlängst noch erhebliche Zuwendungen von der sehr rigiden australischen Regierung erhielt. Was Qantas nicht davon abhielt, massiv Stellen abzubauen. Die Lufthansa lässt grüßen.

Pandoras Büchse wäre damit geöffnet, die Zweiklassengesellschaft als Modell etabliert. Auch im öffentlichen Nahverkehr, beim Einkaufen oder bei Veranstaltungen könnte schon bald ein Impfnachweis verlangt werden. Private Unternehmen haben laut Vertragsfreiheit durchaus das Recht, nicht geimpfte Personen nicht mehr zu bedienen. Das steht ihnen ebenso frei wie den Bürgern, sich impfen zu lassen. Oder eben nicht. Auch hier gilt: Von Nachteilen abgesehen, besteht zumindest formal für niemanden irgendein "Zwang".

Und wenn all dies Zuckerbrot nicht reicht, wenn selbst die Sehnsucht nach Erleichterung nicht fruchtet, dann bleibt noch immer die Peitsche. Finstere Visionen eines langen Lockdowns wabern durch die Kanäle und Köpfe. Verängstigte Fernsehzuschauer beißen sich in die Fäuste. Sachsen denkt jetzt darüber nach, ganze Ortschaften abzuriegeln! Und in irgendeinem finsteren Keller lauert noch immer das Impfpflicht-Monster. Den Menschen wird Angst und Bange gemacht!

Auch vollkommen unerwartete Stimmen nutzen die Gelegenheit, melden sich zu Wort und stoßen wilde Drohungen aus. So wie jüngst der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Michael Hüther. Dieser möchte gern prüfen, ob man Impfverweigerern den Versicherungsschutz im Falle einer "Corona-Erkrankung" entziehen kann. Ein gewagter Vorschlag, dessen wahre Hintergründe nicht gleich offenbar werden.

Zunächst drängen sich ein paar einfachere Fragen auf: Gilt das dann auch für die Skifahrer? Was ist mit den Übergewichtigen? Die Liste ließe sich fortsetzen.

Weitaus interessanter aber ist die Frage: Was ist mit der Krankenversicherungspflicht? Wenn zwangsweise Versicherte ihren Versicherungsschutz verlieren, dann verliert die Versicherungspflicht ihre Legitimität. Das wäre ein schwerer Schlag für die gesetzliche Krankenversicherung! Und für die Prinzipien des deutschen Sozialstaats.

Wer Hüther und sein Institut nicht kennt, könnte darin einen nicht beabsichtigten Nebeneffekt vermuten. Tatsächlich aber ist das Institut der deutschen Wirtschaft ein neoliberaler Höllenpfuhl, der gezielt für die Privatisierung sozialer Leistungen trommelt. Hinter markigen Worten wie "Studie", "Forschung" und "Kompetenz" verbergen sich rein finanzielle Interessen. Unter dem Deckmantel der "Wissenschaft" drängt sich das IW zwischen Bevölkerung und Staat, um für die Begehrlichkeiten einiger weniger auf Kosten der breiten Masse einzutreten. Das Ausnutzen der momentanen Lage, der perfide Vorschlag mit verborgenem Langzeitziel demonstriert, wes Geistes Kind die Wissenschaftler dieses Institutes sind.

Und hier schließt sich der Kreis. Die meisten Menschen, die eine Impfung ablehnen, glauben nämlich durchaus an die "Wissenschaft". Sie sind nicht verwirrt, weltfremd oder bedürfen psychologischer Hilfe. Sie haben beobachtet und gelernt. Ihre Erkenntnis lautet:

Diese Welt ist voller "Hüther"!

Voller zynischer Nutznießer in Anzügen, Hosenanzügen und weißen Kitteln. Ob in Politik, Medien, Wirtschaft oder Forschung: Sie alle eint, dass sie nicht den Interessen der Bevölkerung dienen. Wann immer sie den Mund aufmachen, sind die Bürger letzten Endes die Gekniffenen. Und wir sind nun an einem Punkt, an dem ein Teil der Bevölkerung den "Hüthern dieser Welt" jedes Vertrauen entzogen hat. Unabhängig davon, ob es um ein Waschmittel, Löhne, Steuern, Renten, Krieg, Frieden oder eine Pandemie geht. Sie glauben ihnen einfach nicht mehr! Schon gar nicht lassen sie sich eine Substanz in den Körper spritzen, die ihnen von diesen Leuten dargeboten wird. Eine Entscheidung, die man ihnen nach Jahren der immer wieder gleichen Erfahrung nur schwerlich verübeln kann.

Man wird es natürlich trotzdem tun. Man wird sie verleumden und verdammen, während die Medien lange Schlangen vor den Impfzentren zeigen. Beeindruckende Bilder, mit denen es sich ähnlich verhält wie mit Angela Merkels "zufällig" veröffentlichten Zahlen: Wenn diese sich später als falsch herausstellen, dann haben sie ihren Zweck längst erfüllt! Dann interessiert es niemanden mehr. Und niemand hat irgendetwas Falsches getan. Es ging nämlich alles seinen korrekten Gang.

In dieser Geschichte gibt es nur einen ewigen Verlierer: Den Bürger, der orientierungslos im Nebel herumstochert. Stets mit dem diffusen Gefühl, mal wieder irgendwo von irgendwem professionell verschaukelt worden zu sein. Der aus gutem Grund an nichts mehr glaubt und sich auch ganz bestimmt nicht impfen lassen wird. 


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