Meinung

Finanzexperte Max Keiser: So wie wir ihn kannten, wird der Ölmarkt nie wieder zurückkehren

Überall sprudelt Öl, das gerade nicht gebraucht wird. Und der Koloss des korrupten Vetternkapitalismus ist darauf derart ausgerutscht, dass er nie wieder aufstehen wird. Um in dieser Neuen Welt zu gedeihen, muss man seine "The winner takes it all"-Mentalität aufgeben.
Finanzexperte Max Keiser: So wie wir ihn kannten, wird der Ölmarkt nie wieder zurückkehrenQuelle: www.globallookpress.com © Jim West

von Max Keiser

Das gegenwärtige Chaos hat zunehmend offenbart, dass das gesamte strukturelle Kunstgebilde des globalen Ölmarktes unwiederbringlich zerstört ist – und daher auch bedeutungslos hinsichtlich der Erstellung dienlicher Prognosen.

Eine sinnvolle Preisfindung auf dem Ölmarkt wird es nie wieder geben. Die gesamte Industrie dieses physischen Rohstoffs ist durch Ersatzderivate und Finanzchimären ersetzt worden, die nur deshalb existieren, um die Bankiers zu bereichern. Und kein Regularium der Welt hat die Macht, diesen überhöhten Finanzierungswahnsinn zu stoppen.

Tatsächlich sind die gegenwärtigen negativen Ölpreise eine direkte Folge des unkontrollierten Gelddruckens. Er hat ein schwarzes Schuldenloch geschaffen, das nun riesige Teile der globalen Wirtschaftsleistung (BIP) aufsaugt.

Wir sind jetzt in eine neue postglobalistische Postvetternwirtschaft, eine kapitalistische Ära des Hyperlokalismus eingetreten. Regionen der Selbstgenügsamkeit ersetzen das System der Just-in-time-Globalisierung – aufgebaut mit künstlich billigen Krediten unter dem Kommando von supranationalen Bürokraten und käuflichen Plutokraten.

Letzten Endes werden die Gewinner in dieser Neuen Welt diejenigen sein, welche die geringsten Erwartungen daran haben, wie viel Reichtum sie ihrer Gemeinschaft auf illegitime Weise entziehen könnten. Jene, die sich um jeden Preis an das orthodoxe Erbe des "The winner takes all"-Mottos klammern, werden die Verlierer darin sein.

Der Rohölpreis für die Sorte Brent fiel diese Woche zum ersten Mal seit 1999 auf unter 16 US-Dollar pro Barrel. Doch auch schon vor der Coronakrise war man bereits in einen globalen Preiskrieg mit den Saudis verwickelt. Ziel war es, die US-Schieferölindustrie zu zerstören, indem die Welt mit Öl im Wert von 5 US-Dollar pro Barrel überschwemmt wurde.

Noch geht ihr Plan auf. Das globale BIP stürzt ab, und die Überschuldung der Vereinigten Staaten wird als eine schreckliche, existenzielle Belastung entlarvt. Einige könnten argumentieren, dies sei die zweite Phase des saudischen Angriffsplans.

Die Krise wird nicht enden, sie wird sich wandeln. Wenn wir von dem unhaltbaren Modell eines durch billige Kredite angeheizten Globalismus übergehen zu einem neuen Lokalismus, der auf hartem Geld wie Gold und Bitcoin basiert, würde dies unser Leben, unsere Werte, unsere Institutionen und unser Selbstverständnis tiefgreifend verändern.

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