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Putin zu möglichen westlichen Nuklear- und Internet-Angriffen: "Wenn sie nachrechnen, lassen sie es"

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich gestern nach seiner vielbeachteten Rede an die Nation mit Vertretern russischer Nachrichtenagenturen und Printmedien getroffen. Er erklärte, dass das Kernwaffenkonzept des Kremls keinen Präventivschlag vorsieht, sondern lediglich als Gegen- Abschreckungsmaßnahmen gegen die Bedrohungen dienen, mit denen Russland sich konfrontiert sieht.
Putin zu möglichen westlichen Nuklear- und Internet-Angriffen: "Wenn sie nachrechnen, lassen sie es"

"Wir haben eine Kernwaffenstrategie oder -konzept, das keine Präventivschläge vorsieht. Wir sprechen hier über die entsprechenden Maßnahmen im Zusammenhang mit den Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, die vor allem in Bezug auf die jeweiligen Zeiträume angemessen sind."

Putin beantwortete die Frage des Chefredakteurs der Nesawissimaja Gaseta, Konstantin Remtschukow: "Was die Ausrichtung auf Entscheidungszentren betrifft, habe ich zwei Klärungsfragen. Erstens, bedeutet das, dass Brüssel und Washington solche Ziele sein können, wenn wir glauben, dass die Entscheidungen dort getroffen werden? Das ist meine erste Frage. Zweitens, bedeutet das, dass Sie heute das Recht erklärt haben, einen Präventivschlag durchzuführen, wenn wir glauben, dass die in unserer Nähe eingesetzten Raketen eine echte Bedrohung darstellen?"

Dem entgegnete Putin, dass Russland niemanden bedrohe. "Unsere Waffen können von U-Booten oder von Überwasserschiffen gestartet werden. Das können wir tun, und aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Reichweite brauchen wir sie nicht in Hoheitsgewässern oder gar in den ausschließlichen Wirtschaftsgewässern eines bestimmten Staates einzusetzen. Wir können sie in neutralen Gewässern, im Ozean der Welt einsetzen. Niemand kann Kriegsschiffen und U-Booten verbieten, in neutralen Gewässern zu navigieren. Außerdem werden sie nicht stationär; sondern mobil sein, was es schwieriger macht, sie zu erkennen. Also, machen Sie Ihre Berechnungen. Mit einer Geschwindigkeit von Mach 9 können diese Raketen ein Ziel treffen, das mehr als 1.000 Kilometer entfernt ist. Nach dem Seerecht ist die ausschließliche Wirtschaftszone auf etwa 400 Kilometer oder 200 Meilen definiert. Das ist einfache Mathematik. Die Entfernung von 1.000 Kilometern bei Mach 9. Wie schnell, in wie vielen Minuten können diese Waffen ihre Ziele erreichen? Das ist es. Das ist es.

Zum Vergleich: Die Flugzeit nach Moskau beträgt zwischen zehn und zwölf Minuten. Wie lange würde es dauern, bis die Entscheidungszentren, die uns bedrohen, erreicht sind? Die Ergebnis ist nicht zu ihren Gunsten, zumindest nicht heute. Das ist offensichtlich. Das ist es, was ich meinte. Lasst sie ihre Berechnungen durchführen. Es ist keine Bedrohung. Wenn sie uns bedrohen, sollten sie sich nur der möglichen Folgen bewusst sein. […] Übrigens haben wir ihnen das schon vor langer Zeit hinter verschlossenen Türen offen gesagt."

Dennoch sei noch lange keine Krisenstadium wie zu Zeiten der Kuba-Krise im Kalten Krieg erreicht, betonte er.

Putin sprach auch über die Bestrebungen, ein souveränes Internet zu schaffen. Der Chefredakteur von Lenta.ru, Wladimir Todorow, fragte: "In letzter Zeit wurde viel von einem Gesetzentwurf über den nachhaltigen Betrieb von Runet gesprochen, und in dieser Hinsicht interessiere ich mich für Ihre Meinung: Besteht wirklich die Gefahr, dass Russland vom globalen Netz abgeschnitten wird, wie man sagt? Tatsächlich wäre das ein Präzedenzfall in der Geschichte."

Putin erklärte dazu: "Wissen Sie, ich kann nicht für unsere Partner sprechen und sagen, was sie vorhaben. Ich denke, dass es ihnen enormen Schaden zufügen würde, politisch wie wirtschaftlich. Aber nicht nur das, es gibt auch die Interessen ihrer Geheimdienste. Es ist ihre Erfindung. Sie können alles sehen, hören und lesen, was du sagst, und sie sammeln Verteidigungsinformationen. Und das wäre dann nicht mehr möglich. Ich denke, sie werden hundertmal nachdenken, bevor sie das tun. Aber theoretisch ist alles möglich. Deshalb müssen wir sicherlich solche Segmente schaffen, die von niemandem abhängig sind. Das ist absolut offensichtlich."

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