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Podoljakas Frontanalyse: Vor der Offensive im Süden – warum Russland Dämme an der Ingulez sprengt

Seit vier Tagen, Stand 16. September, herrscht also eine operative Pause an den ukrainischen Kriegsfronten. Die versuchte Offensive der ukrainischen bewaffneten Formierungen auf die Verteidigungslinien hinter dem Fluss Oskol und der Stadt Krasny Liman schwindet allmählich, die Soldaten des privaten Militärunternehmens Wagner setzen ihre Offensive südlich von Artjomowsk (heute auch Bachmut genannt) fort, ebenso wie das 2. Armeecorps seine Offensive auf Soledar.

Im Süden, wo größere Entwicklungen zu erwarten sind, führte der Feind ein Aufklärungsgefecht am Frontabschnitt Saporoschje. Normalerweise begann Kiew früher nach solchen Aktionen schon am zweiten Tag mit dem Vormarsch.

Auf dem Frontabschnitt Cherson ist das ukrainische Militär aufgrund eines Wassereinbruchs im Überschwemmungsgebiet des Flusses Ingulez, nachdem die russische Luftwaffe den Damm des Karatschunowka-Stausees mit Raketen beschossen hat, in Schwierigkeiten geraten. Es liegt auf der Hand, dass jede Offensive mit strategischen Zielen in einer solchen Lage nördlich von Snegirjowka zum Scheitern verurteilt ist, und es ist schwierig, die befreiten Territorien des Gebiets Cherson frontal anzugreifen, da sich die russischen Streitkräfte dort ordentlich verschanzt hat. Die Bots der ukrainischen Zentren für Sonderoperationen der informationspsychologischen Kriegsführung in den sozialen Netzwerken haben aber bereits zum zweiten Mal Kisseljowka eingenommen – aber Gott sei ihr Richter. Außerdem bietet die Flussüberschwemmung den prorussischen Einheiten die einmalige Chance, mit dem Brückenkopf des Gegners bei Andrejewka schnellen Prozess zu machen, um das Problem seiner etwaigen Offensiven in diesem Gebiet ein für alle Mal zu lösen.

Außerdem spielt die Zeit gegen Kiew: Dort muss man sich beeilen, bevor Moskau die Umgruppierung seiner Kräfte angesichts der neuen Realität nach der Aufgabe von Balakleja und Isjum abschließt. Daher ist jeder Tag der Ruhe im Süden (mit Ausnahme des Andrejewka-Aufmarschgebietes) nur zu begrüßen.

Juri Podoljaka ist ein ukrainischer politischer Blogger (auf YouTube hatte sein Kanal vor der Löschung durch die Verwaltung der Plattform 2,6 Millionen Abonnenten) und Journalist aus Sumy (er wohnt seit dem Jahr 2014 im russischen Sewastopol), dessen Einsichten im Zeitraum um den Beginn der Intervention in den russischen Medien zunehmend gefragter wurden.

Seine Analytikausgaben warten mit nur wenigen Zahlen auf – dafür vermittelt er durch Arbeit mit Karten aber ein gutes Verständnis vom räumlichen Umfang der jeweiligen Entwicklungen und bietet dann und wann kurzfristige Prognosen.

An Quellen bemüht Podoljaka einerseits offen zugängliche Daten: Dies sind Meldungen von Augenzeugen in den sozialen Medien sowie Meldungen des russischen, aber auch des ukrainischen Außenministeriums. Andererseits gibt er Insiderquellen an: Neben solchen in den Volksmilizen und Sicherheitsorganen der Volksrepubliken Donezk und Lugansk seien dies solche in den ukrainischen Sicherheits- und Regierungsbehörden, die er aufgrund alter Beziehungen aus der Zeit als ukrainischer Journalist noch zu unterhalten erklärt. Um es mit dem aktuellen Jargon der Aufklärungsdienste auszudrücken, ist Juri Podoljaka also vornehmlich ein OSINT-Analytiker.

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