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Trump, Iran und die Illusion des "schnellen Sieges"

Morgens ein wenig bombardieren, Iran schlägt nicht zurück, am Nachmittag bombastisch den Sieg verkünden – das waren Trumps Vorstellungen vom nächsten Iran-Krieg. Das Problem: Iran weigert sich mitzuspielen. Damit hat sich Trump in eine Ecke manövriert, aus der er ohne Schaden nur schwer herauskommt.
Trump, Iran und die Illusion des "schnellen Sieges"Quelle: Gettyimages.ru © Aaron Schwartz/Getty Images

Von Rainer Rupp

Seit Jahrzehnten wird in Washington, in der Politik, aber vor allem in den Medien, die Vorstellung gepflegt, militärische Macht wie einen Schalter ein- und ausschalten zu können: einschalten, entscheidend zuschlagen und wieder abschalten, bevor die Konsequenzen eintreffen. Dabei haben jeder der Dutzenden US-amerikanischen brutalen, unprovozierten und völkerrechtswidrigen Angriffskriege und jede der militärischen Regime-Change-Operationen gezeigt, dass das nicht stimmt, sondern in der Regel das Gegenteil der Fall ist. Dennoch wird in der aktuellen US-geschaffenen Krise mit Iran von den Falken in Washington wieder dieselbe Illusion wie der Wahrheit letzter Schluss gefeiert.

Nur wenige bekannte Persönlichkeiten stellen sich den US-Kriegstreibern öffentlich so entschlossen entgegen wie der Ex‑US‑Army‑Oberst Lawrence Wilkerson. Kaum jemand entlarvt diese brandgefährliche Illusion des außenpolitischen Establishments der USA deutlicher als Ex-Oberst Wilkerson, der unter anderem der Stabschef des schwarzen US-Außenministers und Ex-Generals Powell war. Aus dieser Zeit hat er noch viele Fäden in den außerpolitischen Apparat der US-Regierung und ist entsprechend gut informiert.

In seiner Analyse der jüngsten Spannungen mit Iran legt er die gefährliche Fantasie offen, die der US-Strategie zugrunde liegt – der erneute Irrglaube, ein US-Krieg mit Iran könnte kurz, kontrolliert und für Trump politisch gewinnbringend sein. In einem Gespräch mit dem norwegischen Professor Glenn Diesen erläutert Wilkerson:

"Diese Idee, dass wir Iran einen Tag hart treffen und dann den Sieg erklären und nach Hause gehen können, ist sehr seltsam."

Das liege nicht nur an der Annahme selbst, sondern daran, wie selbstverständlich dies im amerikanischen politischen Diskurs akzeptiert wird, insbesondere bei Republikanern, die bei seinem Amtsantritt noch etwas ganz anderes von Donald Trumps Außenpolitik erwartet hätten.

Laut Wilkerson wünscht sich Trump einen Krieg ohne Folgen:

"Diesen netten kurzen Feldzug am Vormittag, ein wenig bombardieren. Iran schlägt nicht zurück. Am Nachmittag sagt er dann: 'Na gut, hören wir hier auf. Wir gehen nach Hause und verkünden den Sieg.'"

Das Problem sei aber, dass Iran sich weigere, bei diesem Drehbuch mitzuspielen.

Irans rote Linie: keine symbolischen Kriege

Im Gegensatz zu Venezuela, das Wilkerson als unwillig und als militärisch unfähig beschreibt, einen Konflikt gegen das US-Militär im amerikanischen Hinterhof zu eskalieren, nimmt Iran eine ganz andere strategische Position ein. Es ist keine fragile Macht, die Aufmerksamkeit vermeiden will. Es ist eine Regionalmacht mit beachtlichen Fähigkeiten und entschiedener Entschlossenheit.

"Die Iraner haben klar gemacht", sagt Wilkerson, "dass eine iranische Zurückhaltung auf eine Aggression die USA und Israel nur dazu ermutigen würde, immer wieder so weiterzumachen." Daher sei nicht zu erwarten, dass Irans Antwort weder symbolisch noch zurückhaltend sein werde. Tatsächlich hat Iran an die USA gerichtet wiederholt erklärt: "Wir schlagen mit allem zurück, was wir haben." Und zudem gewarnt: "Selbst bei einem kleinen Angriff … wird es einen großen regionalen Krieg geben", nämlich gegen US-Ziele in der Region (Schiffe und US-Militärbasen) und vor allem strategische Ziele in Israel.

Damit steckt Trump in einem Dilemma. Er hat sich selbst in eine Ecke gemalt, aus der er ohne Schaden zu nehmen nur schwer herauskommt. Eskaliert er, riskiert er einen Krieg, der sich seiner Kontrolle entzieht. Zieht er sich ohne Ergebnis zurück, untergräbt er sein sorgfältig aufgebautes und gepflegtes Image des "starken Mannes".

"Entweder er löst einen großen Krieg aus, oder er steht mit leeren Händen da."

Ist ein US-Angriff gegen Iran vermeidbar?

Aus diesen Gründen hielt Wilkerson bis vor kurzem militärische US-Schläge gegen Iran für unvermeidbar. Doch im Gespräch mit Professor Diesen am 2. Februar sah er einen Hoffnungsschimmer. Etwas hätte sich in den vergangenen 48 Stunden geändert, sagte er. Es habe eine unerwartete Wendung gegeben, berichtet er unter Bezugnahme "auf mehrere Quellen in Iran, in der Region und in den USA". Er habe erfahren, dass ernsthafte Gespräche im Gange seien, die möglicherweise indirekt und über einen Vermittler wie Oman geführt würden und womöglich zu ernsthaften Verhandlungen führen könnten.

Das könnte die Möglichkeit für Trump bieten, ohne Gesichtsverlust aus seinem Dilemma, bzw. aus der Ecke herauszukommen, in die er sich selbst manövriert hat. Laut seinem Wissensstand meinte Wilkerson, wäre die iranische Seite – unter Bedingungen – womöglich bereit, die bereits unter Präsident Obama erreichte JCPOA-Formel zur Kontrolle der Urananreicherung durch die Internationale Atomenergieagentur als Kompromisslösung zu akzeptieren. Dies könnte jedoch nur unter der Bedingung geschehen, dass Washington keine anderen Forderungen auf das nukleare Paket packt, welche Irans Staatlichkeit und Souveränität, Nationalstolz und Würde" antasten, so Wilkerson. Aber genau das täte Washington.

Die iranisch-amerikanische Wackelpartie in Oman

Inzwischen fand am 6. Februar 2026 ein indirektes Treffen in Muscat statt, das von der Regierung von Oman vermittelt worden war. Beide Parteien haben nicht an einem Tisch, sondern in separaten Zimmern gesessen, und omanische Vermittler sind mit den jeweiligen Vorschlägen hin und her gegangen. Am Ende zeigten sich beide Seiten vorsichtig positiv, obwohl es keine konkreten Durchbrüche gab. Allerdings wurde eine Vereinbarung zur Fortsetzung der Gespräche getroffen, wobei der Termin für die nächste Runde offenblieb. Seither hat der "größte US-Friedenspräsident aller Zeiten" bereits den Termin für seinen nächsten Krieg öffentlich genannt, nämlich Mitte Juni, wenn bis dahin Iran die US-Forderungen nicht erfüllt habe.

Berichten aus Oman zufolge lag der Fokus des Treffens auf Irans Nuklearprogramm. Iran habe Flexibilität signalisiert, etwa die Verdünnung seines höher angereicherten Urans, im Gegenzug für Sanktionserleichterungen. Den vollständigen Verzicht auf Anreicherung, also auch für gängige zivile und medizinische Zwecke, was eine alte israelische Forderung ist, die sich Netanjahus Laufbursche Trump zu eigen gemacht hat, lehnte Teheran kategorisch ab, weil dies das verbriefte Recht eines jeden Staates ist, der den Nicht-Weiterverbreitungsvertrag unterzeichnet hat.

Ebenso hat Teheran die US-Forderung als indiskutabel abgelehnt, dass es seine einzige effiziente Waffe zur Abschreckung feindlicher Aggressionen, nämlich seine überaus erfolgreichen Mittelstreckenraketen, verschrottet und das entsprechende Bauprogramm einstampft. Auch auf dieser Forderung bestehen die USA, vor allem aber Israel, das sich mit Schrecken an die Wirkung dieser Waffen erinnert, mit denen Iran auf den heimtückischen, brutalen, völkerrechtswidrigen israelischen Angriffskrieg reagiert und strategisch bedeutende Ziele in Israel zerstört hat. Diese zweite US-Forderung auf dem Tisch in Oman war genauso irreal wie die dritte, nämlich dass Iran nicht nur seine Unterstützung für die Hamas stoppt, sondern auch für schiitische Minderheiten in der Region, wie zum Beispiel im Irak und in Syrien, sowie für die Hisbollah im Libanon.

Neuer Gipfelrekord westlicher Heuchelei

Als irre Realsatire in Oman haben die Amerikaner, die den israelischen Genozid im Gazastreifen mit Waffen, Geld und politischem Wohlwollen unterstützen, dann auch noch Iran beschuldigt, bei der Niederschlagung der von israelischen und westlichen Geheimdiensten organisierten und medial choreografierten, gewaltintensiven Demonstrationen die Menschenrechte missachtet zu haben. Das ist zweifellos ein neuer Gipfelrekord westlicher Heuchelei, zumal sich Mitglieder der Trump-Regierung in aller Öffentlichkeit damit rühmen, die Krise in Iran absichtlich herbeigeführt zu haben, offensichtlich mit der Absicht eines Regimewechsels durch einen gewaltsamen Umsturz.

Vor dem Bankenausschuss des Senats erklärte US-Finanzminister Scott Bessent am Donnerstag letzter Woche ausdrücklich, dass die USA absichtlich eine Finanzkrise in Iran verursacht hätten, um Unruhen im Land zu schüren. Auf die Frage von Senatorin Katie Britt, was die USA noch tun könnten, um Druck auf den Ayatollah und Iran auszuüben, erklärte Bessent, dass das Finanzministerium eine "Strategie" umgesetzt habe, die darauf abziele, die iranische Währung zu untergraben. Eine Strategie, die die Wirtschaft zum Absturz gebracht und die gewalttätigsten Proteste ausgelöst habe, die wir je in dem Land gesehen haben.

"Eine Sache, die wir im Finanzministerium tun konnten und die wir getan haben, ist, eine Dollarknappheit im Land zu schaffen. Bei einer Rede im Wirtschaftsclub im (vergangenen) März habe ich die Strategie skizziert. Es kam zu einem schnellen und ich würde sagen großartigen Höhepunkt im Dezember, als eine der größten Banken in Iran unterging. Es gab einen Run auf die Bank, die Zentralbank musste Geld drucken, die iranische Währung ging in den freien Fall, die Inflation explodierte, und daher haben wir das iranische Volk auf der Straße gesehen."

Aus dem Regimechange in Teheran ist nichts geworden. Aber was ist aus der erklärten Absicht des Regimewechsels geworden? Ist Diplomatie wieder möglich, wenn die Amerikaner bewusst auf Nichtforderungen bestehen, die Iran nicht erfüllen kann und wird, weil dadurch Irans Staatlichkeit und Souveränität, sowie der Nationalstolz und die Würde der Iraner in den Dreck getreten würden?

Will Trump mit seiner Verschiebung des Kriegsbeginns auf Mitte Juni nur Zeit gewinnen für einen weiteren militärischen Aufmarsch? Der US-Aufmarsch gegen Irak hat Monate gedauert, und damals stand dem Pentagon das Territorium der arabischen Golfstaaten und der Türkei zur Verfügung, was heute nicht der Fall ist.

Dabei hätte es Trump jetzt in der Hand, aus der Ecke herauszukommen, in die er sich selbst gemalt hat: Er entfernt die nicht verhandelbaren Punkte und konzentriert sich auf das nukleare Anreicherungspaket, bezüglich dessen Iran Entgegenkommen zeigt. Dort kommt es schnell zu einer Einigung, er erklärt sich zum Sieger, der Druck auf Iran habe geholfen. Die Iraner sagen kein Wort und alle sind zufrieden, auch die Russen und Chinesen, auch die Saudis und die anderen Golfstaaten, mit Ausnahme der rechtsradikalen, zionistischen Massen- und Kindermörder in Israel.

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