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Kiew: Haben bald US-Gefechtsfeldraketen mit 300 Kilometer Reichweite

Die Ukraine wird bald Munition mit größerer Reichweite für die Raketenartilleriesysteme HIMARS und MLRS erhalten, so ein ranghoher Kiewer Politiker. Es geht anscheinend um Gefechtsfeldraketen mit bis zu 300 Kilometern Reichweite – und damit um enorme Eskalationsgefahr.
Kiew: Haben bald US-Gefechtsfeldraketen mit 300 Kilometer ReichweiteQuelle: Sputnik © Sergei Stepanow

Die Ukraine wird schon bald Raketen mit größerer Reichweite als Munition für die Mehrfachraketenwerfersysteme HIMARS und MLRS erhalten. Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine Alexei Danilow kündigte dies am Dienstag während eines Fragemarathons live im Fernsehen an.

Es geht allem Anschein nach um die ballistischen Gefechtsfeldraketen der Serie ATACMS, deren Startcontainer statt der sechsfachen Raketengeschoss-Werferpakete auf die Plattformen HIMARS (ein Stück) oder MLRS (zwei Stück oder auch ein Stück in Kombination mit einem Mehrfachraketen-Werferpaket) im Feld geladen werden können. Denn für den Einsatz auf HIMARS und MLRS haben nur diese Gefechtsfeldraketen im Gegensatz zu "normalen" Raketengeschossen eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern.

Auf die explizite Frage, ob die Ukraine mit Langstreckengeschossen von bis zu 300 Kilometern Reichweite rechnen könne, antwortete Danilow nämlich Folgendes:

"Was HIMARS betrifft, so gibt es ein gewisses Verständnis darüber, dass wir bereits Geschosse empfangen, die viel weiter fliegen als das, was zu Beginn da war. Und wir wollen hoffen, dass das, was wir brauchen, in naher Zukunft auf dem Territorium unseres Landes auftauchen wird."

Am 13. Juli hatte Fjodor Wenislawski als Abgeordneter der Werchowna Rada und Mitglied des parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit, Verteidigung und Nachrichtendienste bekanntgegeben, dass die Ukraine "auf allen Ebenen" mit den USA über die Notwendigkeit verhandele, der Ukraine HIMARS- und MLRS-kompatible ballistische Gefechtsfeldraketen mit einer Reichweite von 300 km zu liefern. Der ukrainische Verteidigungsminister Alexei Resnikow erklärte seinerseits, dass derartige Ersuchen seit Langem gestellt worden seien – und "die Gespräche gehen weiter" –, betonte aber, dass die Rada-Abgeordneten nicht an den Verhandlungen beteiligt seien.

Am 1. Juni kündigten die US-Behörden an, dass sie der Ukraine ein neues Militärhilfepaket im Wert von 700 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen werden, welches auch die Werfersysteme HIMARS und Munition für diese Waffen umfasse. Für HIMARS wurden mehr als 20 verschiedene Munitionstypen entwickelt, deren Reichweite je nach Typ zwischen 30 und 80 (die Geschosse des Mehrfachraketenwerfers) und 300 oder mehr Kilometern (die ATACMS-Gefechtsfeldraketen) liegen kann. Die Letztgenannten waren offiziell zunächst nicht Teil der einen Monat später in der Ukraine eingetroffenen Lieferungen – dennoch stellen auch diese Lieferungen bereits eine Eskalation seitens der USA im Vergleich zu deren früheren Waffenlieferungen dar: Die mittels des Satelliten-Navigationssystems GPS der USA gelenkten und an die Ukraine gelieferten GMLRS-Raketengeschosse mit 60 bis 80 Kilometern Reichweite erfordern lediglich die Eingabe der Zielkoordinaten – die das ukrainische Militär nicht zuletzt unmittelbar aus den Aufklärungsdaten erhält, die von den USA bezogen aus Satellitenbildern, aber auch aus anderen Informationen, bereitgestellt werden.

Die Lieferung der ballistischen Gefechtsfeldraketen der ATACMS-Reihe von den USA oder deren "Verbündeten", die der hohe ukrainische Beamte ankündigt, wäre allerdings ein weiterer und weitaus heftigerer Eskalationsschritt: Denn bereits zuvor griff Kiew mit den verfügbaren Waffen – nicht zuletzt mit Gefechtsfeldraketen "Totschka-U" aus der Sowjetzeit mit einer Reichweite von 120 Kilometern – neben militärisch relevanten Zielen in russischen Grenzregionen auch Wohnhäuser an. Doch eine Steigerung der Reichweite der ukrainischen Raketentruppen bis zu 300 Kilometern würde ihnen Ziele deutlich tiefer im Inneren Russlands zugänglich machen:

Die Großstädte Kursk und Belgorod, Smolensk, Woronesch, Rostow am Don und natürlich die Halbinsel Krim samt Sewastopol, wo sie mit diesen Raketen ganz routiniert ausschließlich Orte mit einem hohen Aufkommen an Zivilisten oder katastrophengefährdete Objekte wie Chemiewerke angreifen könnten.

Denn ebenso griffen sie bereits zuvor mit ihren verfügbaren Artillerie- und Raketenwaffen zivile Infrastruktureinrichtungen wie Kliniken und Wohngebiete, auch mit mehrstöckigen Mehrfamilienwohnhäusern, in Ortschaften der Volksrepubliken Donezk und Lugansk an, wo sich ihnen keinerlei militärisch relevante Ziele boten. Darüber hinaus hätte Kiew die Option, den Krieg noch weiter zu eskalieren, wobei die ukrainischen Raketentruppen zum Beispiel Staudämme – oder auch Atomkraftwerke in der Nähe dieser Städte angreifen könnten. Dies wären die AKW Kursk, Nowy Woronesch, Smolensk, möglicherweise auch Rostow. Zwar ist dies die denkbar größte Eskalation (abgesehen von bislang glücklicherweise nur von Nonplusultra-Kriegstreibern in den USA in den Raum gestellten unmittelbaren Atomangriffen).

Doch die absolut ungebremste Gedankenlosigkeit, mit der die höchste politische Elite der Ukraine nach dem Maidan-Putsch öffentlich davon schwärmte, Atomwaffen zum Beispiel zur Erpressung von Drittstaaten zu verwenden, gibt Grund zu der Annahme: Kiew und seine "Freunde" im Westen fassen, eine andernfalls drohende Kriegsniederlage in Aussicht, auch diese Möglichkeiten der Eskalation ernsthaft ins Auge. Vor einer solchen Eskalation warnte Russlands Präsident Wladimir Putin die Partner im Westen jedoch mehrfach und ausdrücklich – wer verstehen wollte, hätte auch verstehen müssen.

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