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Russischer Botschafter in Bosnien und Herzegowina bei der Nationalversammlung der Republik Srpska

Mit Igor Kalabuchow, Botschafter der Russischen Föderation in Bosnien und Herzegowina, nahm zum ersten Mal ein russischer Diplomat an einer Sitzung der Nationalversammlung der Republika Srpska teil. Kalabuchow erinnerte dabei an die Rolle Russlands bei der Wahrung des Friedens in Bosnien und Herzegowina.
Russischer Botschafter in Bosnien und Herzegowina bei der Nationalversammlung der Republik SrpskaQuelle: RT

von Marinko Učur, Banja Luka

Am selben Tag, an dem die serbische Hauptstadt Belgrad als Gastgeber den russischen Außenminister Sergei Lawrow empfangen sollte, war ein weiterer russischer Diplomat, der Botschafter der Russischen Föderation in Bosnien und Herzegowina, Igor Kalabuchow, "Gast" des Parlaments der Republika Srpska in Banja Luka. Es war das erste Mal, dass ein russischer Diplomat an einer Sitzung der Nationalversammlung der Republika Srpska teilnahm. Er wohnte nicht nur bei, sondern als überzeugter Freund der Serben und aller in diesem Land lebenden Völker wandte er sich an die Parlamentsmitglieder, und sprach dabei perfekt Serbisch.

Mit wohl gewählten Worten und einem versöhnlichen Ton erinnerte Kalabuchow an die Rolle Russlands bei der Wahrung des Friedens in Bosnien und Herzegowina, einem Staat, der durch das auch von seinem Land unterzeichneten Daytoner Friedensabkommen geschaffen wurde. Es scheint, dass der russische Diplomat zusätzlich jene Position Russlands hervorhob, welches Land sich der Einhaltung des Völkerrechts verpflichtet fühlt und alle Lösungen akzeptiert, zu denen Vertreter aller drei in der ehemaligen jugoslawischen Republik lebenden Nationen durch einem Konsens kommen.

Das ist auch bedeutend, weil ein Großteil der bosniakischen und kroatischen Öffentlichkeit die Washingtoner und Brüsseler Floskel über den "bösartigen Einfluss Russlands auf dem Balkan" akzeptiert hat. Er bestritt nicht nur einen solchen Einfluss Russlands, sondern hob auch die Position des Kremls zur Achtung der territorialen Integrität eines Landes hervor, das aus zwei gleichberechtigten Einheiten besteht – nämlich der Republika Srpska und der Föderation Bosnien und Herzegowina. Nur der Böswillige könnte in Kalabuchows Ansichten mehr finden:

"Die gesamte Propaganda aus dem Westen, die ihm zur Verfügung stehende Propaganda-Maschinerie verdreht heuchlerisch und schamlos das Ziel des russischen militärischen Spezialeinsatzes in der Ukraine. Wie der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin betonte, werden die gesetzten Ziele zweifellos erreicht. Wir glauben, dass die Beziehungen zwischen Russland und Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska ein großes Potenzial haben. Wir werden weiterhin nach neuen Kooperationsfeldern suchen, Perspektiven dafür eröffnen sich aufgrund der Turbulenzen auf der internationalen Bühne. Wir erinnern uns an die Tatsache, dass sich BIH in den letzten Jahren geweigert hat, sich den westlichen Wirtschaftssanktionen anzuschließen, was einen erheblichen Anstieg der Exporte von Agrarprodukten nach Russland ermöglicht hat. Wir sind davon überzeugt, dass es derzeit ähnliche Möglichkeiten gibt. Trotz Andeutungen über die angebliche Beteiligung Bosniens und Herzegowinas an den neuen antirussischen Sanktionen der Europäischen Union können Aktionen einiger bosnischer Diplomaten nicht als ein wahres Bild der gefestigten Position von ganz Bosnien und Herzegowina angesehen werden. Deshalb stuft Russland Bosnien und Herzegowina als befreundetes Land ein. Nur ein Beispiel: die Verlängerung des Gasliefervertrags zu gleichen Konditionen …"

"Die Tatsache, dass Kalabuchow als einziger ausländischer Botschafter an einer Sitzung des Parlaments der Republika Srpska beiwohnte, bedeutet nicht, dass andere, insbesondere westliche Diplomaten, nicht wünschenswert wären", bestätigte mir ein Abgeordneter mit der Bitte, seinen Namen nicht preiszugeben. Es liegt auf der Hand, dass man davon ausgeht, dass das Parlament der Republika Srpska aufgrund der aktuellen Ukraine-Krise und der russischen Sondermilitäroperation von möglichen Unannehmlichkeiten und Erpressungen verschont bleiben sollte, zu denen die westlichen Botschafter angeblich bereit waren.

Mit anderen Worten, der Grundsatz "entweder die oder wir" war keine Option, und die Republika Srpska war auch nicht bereit, ihre Absicht aufzugeben, einen russischen Diplomaten zu empfangen. In äußerst guter Absicht erinnerte Igor Kalabuchow an die Falle namens "NATO-Integration von Bosnien und Herzegowina", die von Bosniaken und Kroaten herbeigesehnt, aber von der Republika Srpska energisch bekämpft wird, und an die antiserbische Rolle der Nordatlantischen Allianz im Bürgerkrieg der 1990er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Gewisse russophobe und böswillige Elemente aus Sarajevo fanden in Kalabuchows friedlichen Botschaften vom Rednerpult des Parlaments natürlich Gründe für ihre Frustration, wie etwa der Vorsitzende von "Unsere Partei", Predrag Kojović:

"Wir sind und wollen nicht auf der Seite Russlands sein, wir wollen hier keinen russischen Einfluss. Herr Kalabuchow hätte eine Lehre aus der Tatsache ziehen müssen, dass sein Chef, Sergei Lawrow, heute nicht in Belgrad anreisen konnte. Russland wird immer mehr isoliert und der Kontakt zu ihm wird immer seltener. Wir sind nicht sicher, ob es gut für Herrn Kalabuchow ist. Er soll darüber nachdenken, nach Hause zu gehen, solange er noch kann, bis die Zeit der annullierten Flüge von Russland nach hier und von hier nach Russland kommt", so Kojović, der sich nicht bewusst ist, dass für den kleinen, national gespaltenen Staat auf dem Balkan es am besten ist, eine neutrale Haltung gegenüber wichtigen internationalen Fragen beizubehalten, und das Interesse von Bosnien und Herzegowina ist die Rechtsstaatlichkeit, die Pflege Werte der liberalen Demokratie, der wirtschaftlichen und militärischen Sicherheit. Dies war aus der Rede des Chefs der russischen diplomatischen Vertretung in Sarajevo zu hören.

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