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Was der Kauf von Gas in Rubel für Russland und den Westen bedeutet

Russlands Präsident Putin reagiert auf die beispiellosen Sanktionen gegen Moskau: Er will Gas nur noch gegen Zahlungen in Rubel liefern. Für die Importeure im Westen wirft das eine ganze Reihe von Problemen auf. Der Rubel legte unmittelbar nach Putins Anweisung zu.
Was der Kauf von Gas in Rubel für Russland und den Westen bedeutetQuelle: Legion-media.ru

Knapp einen Monat nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat Kremlchef Wladimir Putin im Westen mit einem Schachzug für neue Unruhe gesorgt. Seine Ankündigung, für Gaslieferungen aus Russland müssten "unfreundliche Staaten" wie Deutschland und die übrigen EU-Mitglieder in Rubel bezahlen, verschärft Ängste vor einer Krise am Energiemarkt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum der Wechsel zum Rubel?

Die USA und ihre Verbündeten haben beispiellose Sanktionen gegen Russland verhängt, die sich gegen das Finanzsystem des Landes richten. Präsident Putin erklärte, dass die unrechtmäßigen Beschlüsse einiger westlicher Länder, Russlands Vermögenswerte einzufrieren, jegliches Vertrauen in ihre Währungen zerstört haben. Russlands Energieexporte sind bisher noch nicht den westlichen Beschränkungen zum Opfer gefallen, aber fast alle Gasbezugsverträge lauten auf Euro oder US-Dollar, was sie zu einem potenziellen Ziel macht. Wenn Russland jedoch in Rubel bezahlt wird, könnte es die Sanktionen umgehen.

Welche Länder sind davon betroffen?

Der vorgeschlagene Schritt betrifft sogenannte "unfreundliche Länder", die wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland verhängt haben. Dazu gehören die USA, Kanada, Australien, Japan, Südkorea und die meisten EU-Staaten.

Was passiert, wenn Käufer sich weigern, in Rubel zu zahlen?

In diesem Fall könnten sie kein russisches Gas kaufen, da jede andere Währung nicht akzeptiert würde. Dies wäre ein schwerer Schlag für Europa, das mehr als 40 Prozent seiner Gaseinfuhren aus Russland bezieht.

Wie können Rubelzahlungen abgewickelt werden?

Die russische Zentralbank kann Rubel an die Gaskäufer verkaufen, oder aber sie kaufen die Währung auf dem freien Markt. Nach Ansicht von Analysten könnte es auch sinnvoll sein, dass die Regierungen Rubel in ihren Zentralbanken halten.

Wie wird sich die Änderung auf die Käufer auswirken?

Erdgas wird für eine Vielzahl von Zwecken verwendet, vom Heizen und Kochen bis hin zur Energieversorgung von Industrieunternehmen. Wenn man weniger Gas aus Russland bezieht, muss man auf dem freien Markt mehr für den Rohstoff bezahlen. Dies führt zu höheren Kosten für Industrie und Haushalte, steigenden Preisen für alle Konsumgüter und einer Rezession.

Was bedeutet das für den Dollar und den Euro?

Die Dominanz des Dollars als globale Reservewährung könnte infrage gestellt werden. Seine Stärke beruht darauf, dass er an den weltweiten Handel mit Öl und anderen Rohstoffen gekoppelt ist. Der Euro steht in geringerem Maße vor einer ähnlichen Herausforderung, aber eine geringere Nachfrage nach der Währung bedeutet eine schwächere Position im globalen Korb der Reservewährungen.

Was bedeutet das für den Rubel?

Eine größere Rolle des Rubels im internationalen Handel würde die Währung stärken, da sie durch Russlands enorme natürliche Ressourcen gestützt würde. Mit dieser Rückendeckung und aufgrund der gestiegenen Nachfrage könnte der Rubel eines Tages zu einer wichtigen Weltwährung werden. Die Ankündigung der Umstellung auf Rubel hat die Währung auf ein Drei-Wochen-Hoch getrieben.

Wie reagieren deutsche Gashändler auf Putins Schritt?

Große Unternehmen wollen sich dazu nicht äußern. Aus Kreisen der Energiehandelsbranche hieß es, dass die Anweisung Putins derzeit nicht als problematisch angesehen werde. Es würden weiter Zahlungen geleistet, auch in Rubel. Anders reagiert der österreichische Energiekonzern OMV: Er will seine Zahlungen für russisches Gas vorerst nicht von Euro auf Rubel umstellen.

Was bedeutet Putins Schritt für die Gasversorgung in Deutschland?

Die Gaslieferungen laufen nach russischen Angaben weiter. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert die Bundesregierung aber auf, die Frühwarnstufe im nationalen Notfallplan Gas auszurufen. "Es liegen konkrete und ernstzunehmende Hinweise vor, dass wir in eine Verschlechterung der Gasversorgungslage kommen", sagte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. Seitens der Bundesnetzagentur müssten Kriterien dafür entwickelt werden, welche Industrien und Sektoren weiter mit Gas versorgt werden, selbst wenn es zu einer Mangellage kommen sollte.

"Die Haushaltskunden sind qua existierender Regelung geschützt."

Das Bundeswirtschaftsministerium sagte, derzeit gebe es keine Engpasslage und daher auch keine Notwendigkeit für eine Frühwarnstufe.

Was sind mögliche weitere Auswirkungen?

In seiner Ankündigung deutete Putin an, dass Erdgas nur der erste russische Rohstoff ist, der in Rubel verkauft wird. Anfang dieser Woche sagte der russische Staatschef:

"Ich habe beschlossen, in kürzester Zeit eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahlungen für – ja, fangen wir damit an – für unser Erdgas, das an die so genannten unfreundlichen Länder geliefert wird, auf russische Rubel umzustellen."

Seine Wortwahl lässt vermuten, dass andere russische Exportgüter folgen könnten, darunter Öl, Metalle und Getreide. Dies würde den Rubel weiter stärken, und den Dollar und den Euro schwächen.

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