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WSJ-Bericht über geheimes Bankensystem in Iran: Wie Russland harte Sanktionen umgehen kann

Das "Wall Street Journal" enthüllt, wie Iran die Sanktionen gegen das Land mit einem geheimen Finanz- und Bankensystem umgangen hat. Dieser Fall zeigt, wie es Russland gelingen könnte, seine Wirtschaft gegen westliche Sanktionen immun zu machen.
WSJ-Bericht über geheimes Bankensystem in Iran: Wie Russland harte Sanktionen umgehen kannQuelle: AFP © Atta Kenare

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat der Westen harte Sanktionen gegen Russland verhängt. Inzwischen spricht die Kremlführung sogar von einem "absolut beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen Russland". Der Westen setzte sich zum Ziel, Russland mit harten Sanktionen ebenso in die Knie zwingen, genauso wie Iran im Jahr 2018, als die USA unter der Trump-Regierung dieses Land mit massiven Wirtschaftssanktionen überzogen hatten. Kein Land der Welt ist mittlerweile stärker sanktioniert als Russland. Das Land löst Iran als Spitzenreiter der Staaten ab, gegen die die meisten Sanktionen verhängt wurden.

Nun zeigt ein Bericht des Wall Street Journal, wie die Islamische Republik Iran die Sanktionen gegen das Land mit einem geheimen Finanz- und Bankensystem umging. Iran richtete laut westlichen Diplomaten, Geheimdienstmitarbeitern und interne Dokumenten ein geheimes Finanzsystem ein, um den jährlichen Handel in Höhe von mehreren zehn Milliarden US-Dollar abzuwickeln – der aufgrund der Sanktionen grundsätzlich verboten ist. 

Dieses geheime Bankensystem ermöglicht es Teheran, die wirtschaftliche Belagerung zu überstehen und seine Position bei multilateralen Atomgesprächen im Wien zu stärken. "Das ist eine noch nie dagewesene staatliche Geldwäsche-Operation", zitiert das Wall Street Journal einen US-Regierungsbeamten.

Das geheime System in Iran bestehe aus Konten bei ausländischen Geschäftsbanken, Briefkastenfirmen außerhalb des Landes, Firmen zur Koordination der verbotenen Geschäfte sowie einem Clearinghaus innerhalb des Irans, so die US-Tageszeitung.

Iranische Banken arbeiteten mit Firmen zusammen, denen es aufgrund der Sanktionen gegen das Land eigentlich verboten sei, Güter in Iran zu exportieren oder von dort zu importieren. Die Banken stellten Kontakte zu Tochterunternehmen in Iran her, um den Handel um die Sanktionen herum zu organisieren. Diese Tochterunternehmen gründeten wiederum Firmen außerhalb des Landes, um das Embargo gegen Teheran zu umgehen.

Sie verkauften iranisches Öl und andere Produkte an ausländische Kunden oder kaufen Waren, die nach Iran importiert werden sollten. Die Transaktionen seien in US-Dollar oder Euro über Konten bei ausländischen Banken abgewickelt worden. Ein Teil des Geldes soll über das Netzwerk letztlich wieder in Iran gelandet sein. Teilweise werde es sogar in bar über die Grenze geschmuggelt, hieß es im Wall Street Journal. Der Großteil bleibe jedoch auf den von den Iranern im Ausland eröffneten Bankkonten und werde von dort aus verwendet.

Laut den Recherchen der Zeitung seien 61 Firmen und 28 Banken – darunter solche in China, Hongkong, Singapur, der Türkei und den Arabischen Emiraten – in das iranische geheime Netzwerk involviert. Westliche Beamte erklärten, dass das geheime System so gut funktioniert habe, dass iranische Behörden darauf abzielten, es zu einem dauerhaften Teil der Wirtschaft zu machen. Dies nicht nur, um Iran vor zukünftigen möglichen Sanktionskampagnen zu schützen, sondern auch, um dem Land zu ermöglichen, ohne Kontrolle aus dem Ausland Handel zu treiben.

Die iranische Mission bei den Vereinten Nationen reagierte nicht auf Anfragen nach Kommentaren zum geheimen Finanzsystem. Iranische Beamte beschrieben öffentlich ihre Bemühungen, das Sanktionsregime der USA durch die Entwicklung einer "Widerstandswirtschaft" zu vereiteln. Iran versuchte in den vergangenen Jahren mit dem Konzept "Widerstandswirtschaft", die iranische Wirtschaft gegen westliche Sanktionen immun zu machen, indem die Inlandsproduktion angekurbelt wurde. Demnach zielt Iran längst darauf ab, die Wirtschaft so umzugestalten, dass eine größtmögliche Unabhängigkeit von Importen erzielt und eine Planung auch für die Zeit nach dem Erdöl vorangetrieben wird.

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