International

Lithium-Mine in Serbien sorgt für Unmut und Proteste – Regierung widerruft Abbau-Lizenz

Es sei ein "Kampf um saubere Flüsse, Land und Luft", erklärten Protestierende stets. Seit Monaten gibt es in Serbien Demonstrationen gegen eine Lithium-Mine des Weltkonzerns Rio Tinto Group. Politiker sprachen zunächst von einem großen Projekt mit vielen Arbeitsplätzen, doch nun legt die Regierung das Projekt auf Eis.
Lithium-Mine in Serbien sorgt für Unmut und Proteste – Regierung widerruft Abbau-Lizenz© Dusan Peric / EyeEm / Getty Images

Es ist ein Rückschlag für den britisch-australischen Konzern Rio Tinto Group. In Westserbien will das Unternehmen eigentlich eine Lithium-Mine ausbeuten. Doch bei weiten Teilen der Bevölkerung in ganz Serbien regte sich Widerstand gegen das Projekt. Proteste fanden statt, und sie wurden in den vergangenen Monaten immer größer.

Nun machte auch die serbische Regierung einen Rückzieher. Ministerpräsidentin Ana Brnabić kündigte Ende vergangener Woche an, dem Unternehmen würden die Abbaulizenzen wegen Umweltbedenken wieder entzogen.

In Westserbien wollte die Group Rio Tinto laut Ankündigungen ab 2027 rund 2,3 Millionen Tonnen an Lithiumkarbonat schürfen. Jährlich sollen es 58.000 Tonnen sein. Das britisch-australische Unternehmen wollte demnach mit diesem Bergwerk zum größten Produzenten von Lithium – einem wichtigen Rohstoff für E-Autobatterien – in Europa und einem der zehn größten weltweit aufsteigen. Der Konzern braucht für den Start der Mine demnach 600 Hektar Land. Bislang hat Rio Tinto laut Berichten serbischer Medien lediglich 140 Hektar von den Bauern der Gegend erwerben können. Erst Ende November wurde im Eilverfahren ein Enteignungsgesetz durchs serbische Parlament gebracht. Viele Dorfbewohner im Jadar-Tal, die ihre Häuser und Grundstücke bislang nicht freiwillig verkauft hatten, fürchteten nun Enteignung.

Die Mine läge im Tal des Flusses Jadar, einem rund 75 Kilometer langen Zufluss des bosnisch-serbischen Grenzstroms Drina. Auch die Angst vor enormer Verschmutzung von Wasser, Land und Luft ist vor allem in den Dörfern rund um die Stadt Loznica groß. Es wird befürchtet, dass nicht nur der Fluss Jadar verseucht werden könne, sondern das ganze Drina-Tal. Die Bauern vor Ort haben unter anderem Angst, dass durch die Verschmutzung von Wasser auch das Land unfruchtbar werden könne. Bereits vor Monaten hatten Professoren der Akademie der Wissenschaften Serbiens in einem offenen Brief an die Regierung vor "inakzeptablen Risiken" gewarnt. Der größte Widerstand gegen das Projekt entstand im Dorf Gornje Nedeljice im Jadar-Tal.

Ob die jüngste Entscheidung der serbischen Regierung endgültig ist oder lediglich vorläufig, um die Gemüter vor den anstehenden Wahlen zu beschwichtigen, wird sich erst noch zeigen. Umweltschützer bleiben vorsichtig und sprachen am Freitag von einem Etappensieg. Sie vermuteten ein taktisches Zugeständnis wenige Monate vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 3. April 2022. 

Der Bergbaukonzern seinerseits erklärte, er sei äußerst besorgt über den Beschluss der Regierung in Belgrad und werde dessen Rechtsgrundlage noch überprüfen. Der Konzern hatte bereits 450 Millionen Dollar für Machbarkeitsstudien und andere Untersuchungen für das Projekt investiert. Auch die Regierung Australiens meldete sich zu Wort. Man bedauere den Rückzug Serbiens. "Wir weisen auf die großen wirtschaftlichen Vorteile der beachtlichen Investition von Rio Tinto in Serbien hin."

Laut Schätzungen könnte im Jadar-Tal eines der größten Lithiumvorkommen der Welt liegen. Doch in den Umweltprüfungen seien nach Feststellung der Kritiker keinerlei Angaben über die Förder- und Abfallmengen des geplanten Bergbaus enthalten. Zudem würden auch Angaben darüber fehlen, wie viel Wasser aus den umliegenden Flüssen Jadar und Drina verbraucht würde. Die größte Sorge und lauteste Kritik der Bewohner drehte sich um die Gewinnung von Lithium aus den Erzen. In den Verfahren können nach Ansicht von Experten hohe Konzentrationen an giftigen Chemikalien wie Arsen und Schwefelsäure das Grundwasser verseuchen, und es werden ohnehin große Wassermengen benötigt.

Mehr zum Thema - Das E-Fahrzeug: Klimafreundlich, bis es brennt

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Liebe Leser und Kommentatoren,

wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.

Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen.

Ihr RT DE-Team