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Offener Brief in The Lancet: Stigmatisierung Ungeimpfter ist nicht gerechtfertigt

Verschiedene Bundespolitiker redeten immer wieder davon, dass man in einer "Pandemie der Ungeimpften" lebe. Doch in einem offenen Brief in der Fachzeitschrift The Lancet erklärt ein Facharzt für Hygiene nun, warum die Stigmatisierung Ungeimpfter ungerechtfertigt ist.
Offener Brief in The Lancet: Stigmatisierung Ungeimpfter ist nicht gerechtfertigtQuelle: www.globallookpress.com © Christian Ohde

Immer wieder verkünden verschiedene Bundespolitiker, dass man in einer "Pandemie der Ungeimpften" lebe. Auch in den Mainstream-Medien wird mittlerweile offen dazu aufgerufen, Ungeimpfte auszugrenzen. Doch mittlerweile wenden sich auch immer mehr Mediziner gegen die "Impfapartheid": Jüngstes Beispiel ist Prof. Dr. Günther Kampf, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, der in einem offenen Brief in der Fachzeitschrift The Lancet erläutert, warum die Stigmatisierung Ungeimpfter ungerechtfertigt ist.

Zu Beginn weist Kampf darauf hin, dass sowohl in den USA als auch in Deutschland hochrangige Regierungsvertreter den Begriff "Pandemie der Ungeimpften" verwenden und damit suggerieren, dass Personen, die gegen COVID-19 geimpft wurden, für die Epidemiologie von COVID-19 nicht relevant sind. Diese Sichtweise ist laut Kampf jedoch viel zu einfach, denn es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass geimpfte Personen bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Im US-Bundesstaat Massachusetts wurden im Juli 2021 beispielsweise bei verschiedenen Veranstaltungen insgesamt 469 neue COVID-19-Fälle festgestellt. 346 (74 Prozent) dieser Fälle traten bei Personen auf, die ganz oder teilweise geimpft waren, 274 (79 Prozent) davon waren symptomatisch. Weiter sei der Zyklus-Schwellenwert der durchgeführten PCR-Tests sowohl bei vollständig geimpften Personen (Ct-Wert 21,8) als auch bei ungeimpften, nicht vollständig geimpften oder bei Personen mit unbekanntem Impfstatus ähnlich niedrig gewesen (Ct-Wert 21,5), was auf eine hohe Viruslast auch bei vollständig geimpften Personen hinweist. Weiter führt Kampf an:

"In den USA wurden bis zum 30. April 2021 insgesamt 10.262 COVID-19-Fälle bei geimpften Personen gemeldet, von denen 2.725 (26,6 Prozent) asymptomatisch waren, 995 (9,7 Prozent) ins Krankenhaus eingeliefert wurden und 160 (1,6 Prozent) starben. In Deutschland waren 55,4 Prozent der symptomatischen COVID-19-Fälle bei vollständig geimpften Personen im Alter von 60 Jahren oder älter zu verzeichnen, und dieser Anteil nimmt jede Woche zu."

In Münster traten neue Fälle von COVID-19 bei mindestens 85 (22 Prozent) von 380 Personen auf, die vollständig geimpft oder genesen waren und eine Diskothek besuchten, so Kampf. Abschließend führt er aus:

"Geimpfte Personen haben ein geringeres Risiko einer schweren Erkrankung, sind aber dennoch ein relevanter Teil der Pandemie. Es ist daher falsch und gefährlich, von einer Pandemie der Ungeimpften zu sprechen. In der Vergangenheit haben sowohl die USA als auch Deutschland negative Erfahrungen mit der Stigmatisierung von Teilen der Bevölkerung aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion gemacht. Ich fordere hochrangige Beamte und Wissenschaftler auf, die unangemessene Stigmatisierung von Ungeimpften, zu denen unsere Patienten, Kollegen und andere Mitbürger gehören, zu beenden und zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Gesellschaft zusammenzuführen."

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