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Medienbericht: USA und Israel führen Geheimgespräche über "Plan B" zu Irans Atomprogramm

Israel drängte unlängst darauf, einen "Plan B" zu Irans Atomprogramm zu entwickeln, da Teheran angeblich nur noch wenige Monate davon entfernt sei, die Entwicklung nuklearer Waffen erreicht zu haben. Nun führen offenbar die USA und Israel Geheimgespräche über einen möglichen "Plan B", falls die Atomgespräche nicht wieder aufgenommen werden.
Medienbericht: USA und Israel führen Geheimgespräche über "Plan B" zu Irans AtomprogrammQuelle: AFP © Satellite image ©2021 Maxar Technologies

Die USA und Israel sollen letzte Woche Geheimgespräche Iran betreffend geführt haben, um einen möglichen "Plan B" zu diskutieren, falls die Atomgespräche (JCPOA) nicht wieder aufgenommen werden, berichtet Axios unter Berufung auf zwei hochrangige israelische Beamte.

Die Verständigung sei letzte Woche über eine "sichere" Videokonferenzschaltung erfolgt und wurde vom nationalen US-Sicherheitsberater Jake Sullivan und seinem israelischen Amtskollegen Eyal Hulata geleitet.

Diese Videokonferenz war das erste Treffen seit dem Amtsantritt der neuen israelischen Regierung im Juni, bei dem eine "streng geheime strategische Arbeitsgruppe" der USA und Israels zum Thema Iran zusammenkam. 

Die israelische Seite unterstrich die Notwendigkeit, einen "Plan B" in Bezug auf Teheran aufgrund der ins Stocken geratenen Atomgespräche sowie wegen der Beschleunigung der Uran-Anreicherung Irans voranzutreiben. Die US-amerikanische Seite betonte, dass sie wegen der Pattsituation bei den Atomgesprächen mit Iran ebenfalls besorgt sei und erklärte, die USA würden zusätzliche Sanktionen gegen Iran verhängen, wenn die Gespräche nicht bald wieder aufgenommen werden.

Die im April nach langer Unterbrechung wieder aufgenommenen Verhandlungen in Wien über die Wiederbelebung des Atomabkommens mit Iran wurden nach der dortigen Präsidentschaftswahl im Juni und dem folgenden Regierungswechsel in Teheran zunächst unterbrochen.

Irans neuer Präsident Ebrahim Raisi verknüpfte kürzlich die Gespräche über das iranische Atomprogramm mit der Forderung nach Aufhebung aller Sanktionen gegen das Land, wie es schon im Atomdeal 2015 vorgesehen war. "Die Islamische Republik hält Gespräche für sinnvoll, deren letztendliches Ergebnis die Aufhebung aller unterdrückenden Sanktionen ist", erklärte Raisi am Dienstag in einer Video-Botschaft auch anlässlich der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York.

Der Oberste Führer Irans Ali Chamenei betonte mehrfach, dass Iran erst dann zu seinen Verpflichtungen im Rahmen des JCPOA zurückkehren werde, wenn das Land feststellen könne, dass die Sanktionen nicht nur in Worten, sondern in der Tat aufgehoben worden seien. 

Die deutsche Zeitung des Springer-Konzerns Die Welt kommentiert dies damit, dass Iran mit seiner "Zermürbungstaktik" das Kernwaffenmonopol Israels in der Region herausfordern wolle: 

"Nichts einfacher als das, suggeriert Teheran. Bringt die USA dazu, wieder dem Atomabkommen beizutreten. Dann wird an Israels Grenzen wieder Ruhe herrschen. Doch in Israel weiß man, dass diese Ruhe lediglich eine taktische Pause wäre. Denn solange Teheran an seinem politischen Ziel einer Zerstörung Israels festhält, würde eine Erneuerung der JCPOA-Übereinkunft Iran derzeit eingefrorene Gelder in Milliardenhöhe bescheren. Mit ihrer Hilfe würde es sein ballistisches Trägerprogramm beschleunigen und die dazugehörigen Atomwaffen produzieren. Auf diese Weise verlöre Israel sein Kernwaffenmonopol in der Region."

Im August veröffentlichten die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs Großbritannien eine gemeinsame Stellungnahme über ihre "große Besorgnis" angesichts der letzten Berichte der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA, wonach Iran zum ersten Mal Uran mit einem auf bis zu 20 Prozent angereicherten Anteil von waffenfähigem Uran-235 hergestellt – und seine Produktionskapazitäten für auf bis zu 60 Prozent U-235 angereichertes Uran wesentlich ausgebaut habe.

Was Israel bislang daran hindert, einen Militärschlag gegen Irans Atomanlagen durchführen, ist die befürchtete Reaktion von Iran selbst auf solch einen Angriff, insbesondere die Gefahr, die nördlich von Israel, nämlich vom Raketen-Arsenal der Hisbollah ausgeht. Iran sieht im Grunde das Raketen-Arsenal der Hisbollah nicht in erster Linie als offensive Waffen, sondern als einen Kontrollmechanismus, der es Iran ermöglicht, sein Atomprogramm ohne Angst vor einen israelischen Militärschlag auszubauen, so meint der US-amerikanisch-israelische Kommunikationsstratege Joel C. Rosenberg.

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