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Exklusiv-Interview mit 9/11-Augenzeugen: New York war nach den Anschlägen nicht mehr dieselbe Stadt

Exklusiv für RT DE lässt John Burns den schrecklichsten Tag seines Lebens noch mal Revue passieren. Es sei schwer gewesen zu glauben, dass es diese Wolkenkratzer nicht mehr gebe. Nach diesem Tag sei überall Polizei gewesen. "Es war zu diesem Zeitpunkt wirklich so, als würde man unter Militärherrschaft leben."

Am 20. Jahrestag des Terroranschlags vom 11. September 2001 sprach RT DE mit einem Augenzeugen. John Burns fuhr am Tag des Anschlags mit seinen Inlineskates durch New York und filmte das Geschehen. Die Aufnahmen lagen 20 Jahre lang ungesehen in einer Kiste.

"Der Tag begann, ich lag im Bett. Meine Ex-Frau kam zu mir, weckte mich und sagte, dass ein Flugzeug mit dem World Trade Center kollidiert war. Ich stand auf und sah mir das im Fernsehen an. Ich dachte mir damals zuerst, dass es ein Unfall sei. Ich legte mich wieder hin. Plötzlich kam meine Frau zum zweiten Mal ans Bett und sagte, dass ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm geflogen sei."

Burns wollte dann nicht mehr zu Hause bleiben und beschloss, seine Kamera einzupacken und hinauszugehen. Inzwischen sei einer der Türme schon eingestürzt gewesen. "Das Erste, woran ich mich erinnere, war ein Zivilflugzeug über uns, und alle begannen zu schreien. Sie hatten Angst, es würde auch stürzen."

Burns machte sich mit seiner Kamera auf den Weg ins Stadtzentrum, und je näher er kam, desto mehr Menschen sah er, die in Panik davonliefen. "Man wusste, dass es viele Opfer im Word Trade Center gegeben haben musste." Es seien überall Feuerwehrautos gewesen. "Alle eilten zum WTC, die Polizei, die Feuerwehr."

"Aber es gab auch Leute, die davonliefen, verwirrt und voller Asche. Ich war fassungslos."

Burns machte zwar Videos, aber er konnte sie sich später nicht ansehen. Er sperrte sie in einer Kiste und legte sie weg. "Wissen Sie, man will diese Gefühle verdrängen." Es sei ihm sogar schwergefallen, mit seinen Freunden darüber zu sprechen, sagte Burns RT DE.

"Der öffentliche Verkehr war gestoppt. Niemand konnte nach Hause kommen. Alle Straßen waren gesperrt. Es wimmelte von Menschen, die aus dem Stadtzentrum wegwollten. Sie gingen zu Fuß zur Brücke."

Es sei schwer gewesen zu glauben, dass es diese Wolkenkratzer nicht mehr gebe. Nach diesem Tag sei überall Polizei gewesen. "Sie sperrte die ganze Gegend unterhalb der 14. Straße ab. Man durfte weder rein noch raus." Vor dem Angriff sei New York ein ziemlich freier Ort gewesen. Aber nach den Anschlägen sei es so gewesen, "als ob wir im Grunde unter Kriegsrecht lebten". Alle wurden überprüft, so Burns. Rucksäcke wurden zum Beispiel kontrolliert, wenn man zur U-Bahn wollte. 

"Es war zu diesem Zeitpunkt wirklich so, als würde man unter Militärherrschaft leben." 

Burns zog kurze Zeit nach dem Terroranschlag aus New York weg, um alles zu vergessen. New York sei danach nie mehr dieselbe Stadt gewesen. Es sei kein schöner Ort mehr gewesen. RT DE schnitt eine Minute seiner eigenen Aufnahmen heraus, die Burns zum ersten Mal im RT-Studio sah. 

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