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Epidemiologe Michael Toole: Bei der Entscheidung über Zulassung von Impfstoffen geht es um Politik

In einem Interview mit RT sprach der australische Epidemiologe Michael Toole über die Bedenken von WHO und EU zu Sputnik V, darüber, warum er die Verwendung des russischen Impfstoffs befürwortet, und über die Wirksamkeit schneller, dafür kurzer Lockdowns.
Epidemiologe Michael Toole: Bei der Entscheidung über Zulassung von Impfstoffen geht es um PolitikQuelle: AFP © Joel Saget

Der australische Epidemiologe Michael Toole hat sich für die Verwendung des russischen Impfstoffs Sputnik V ausgesprochen. "Ich halte es für wichtig, dass die Menschen im Westen verstehen, dass es einen sehr guten Impfstoff gibt, der in Russland hergestellt wird", sagte Toole in einem Interview mit RT.

Toole ist Professor und technischer Berater des Know-C19 Hub am Burnet Institute im australischen Melbourne. Während seiner Tätigkeit in verschiedenen Bereichen des internationalen Gesundheitswesens beschäftigte sich Toole mit der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, der Gesundheit und Ernährung von Müttern und Kindern sowie der öffentlichen Gesundheit in Krisensituationen.

Bedenken zu Sputnik V

"Es ist nicht im Detail klar, warum die WHO für Sputnik V keine Notfallzulassung erteilt hat. Zwei chinesische Impfstoffe, CoronaVac und SinoPharm, haben sie dagegen erhalten."

Bezüglich der bisher nicht erteilten Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur glaubt Toole, dass es dort Bedenken hinsichtlich der angemessenen Beobachtung seltener Nebeneffekte gegeben habe. Der Grund hierfür könne darin liegen, dass die Technologie, den das Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie für Sputnik V nutze, der von AstraZeneca sowie Johnson & Johnson sehr ähnlich sei.

Beide Impfstoffe seien bereits in Verbindung mit sehr seltenen, aber ziemlich schwerwiegenden Vorfällen von Blutgerinnseln gebracht worden. Laut Toole geht es aber bei der Entscheidung über Zulassungen auch um Politik. Aus diesem Grund habe er mit australischen Journalisten über Sputnik V sprechen wollen.

"Ich halte es für wichtig, dass die Menschen im Westen verstehen, dass es einen sehr guten Impfstoff gibt, der in Russland hergestellt wird."

Das Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie, das Toole selbst im Jahr 1991 besucht habe, schätze er als eine herausragende Forschungseinrichtung.

Die Wirksamkeit von Sputnik V

Die Ergebnisse der klinischen Versuche zu Sputnik V, die in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden, hätten eine sehr hohe Wirksamkeit von fast 92 Prozent gegen COVID-19 gezeigt. In sogar hundert Prozent der Fälle habe der russische Impfstoff geholfen, schwerwiegende Krankheitsverläufe zu verhindern. Damit sei Sputnik V ein sehr guter Impfstoff.

Dass es bei Sputnik V nicht zu Blutgerinnseln gekommen sei, könne an den beigefügten, sogenannten Adenoviren liegen, die in der Regel nur eine Erkältung verursachten.

"Die Adenoviren nehmen die Proteinstämme von COVID-19 sozusagen Huckepack und sorgen so für Immunität."

Die Hersteller nutzten für die erste Dosis ein Adenovirus und für die zweite Dosis ein anderes. Das könnte das Merkmal sein, das Sputnik V von AstraZenica sowie Johnson & Johnson unterscheide.

Bis jetzt sechs Lockdowns in Melbourne

In Bezug auf Australien sagte Toole, dass in Anbetracht der ökonomischen Fähigkeiten des Landes der Zugang zu Impfstoffen nicht so gut sei, wie er es sein sollte. Die Regierung habe im letzten Jahr zu spät reagiert und nicht genug Impfstoffe bestellt. Momentan habe man zwei Impfstoffe: AstraZeneca, der Sputnik V ähnlich, aber weniger wirksam sei – und Pfizer. 

Aktuell sei man in der Situation, dass ungefähr 20 Prozent der Australier vollständig geimpft sind, während ungefähr 40 Prozent eine Dosis erhalten haben. Man bekämpfe die Ausbrüche der Delta-Variante, insbesondere in Sydney. 

"Sydney befindet sich im Lockdown, Melbourne ist im Lockdown. Melbourne berichtet von weniger Fällen, aber wir sind sehr vorsichtig in Australien."

In Melbourne habe man bis jetzt sechs Lockdowns überstanden. Eine Sache, die sich laut Toole letztes Jahr gezeigt hat, war die Wirksamkeit schneller Lockdowns. Die seien viel kürzer, als wenn man langsam reagiere wie in Sydney. Nun könne Sydney noch für Monate im Lockdown bleiben.

"Ich denke, dass es eine gesundheitliche und wirtschaftliche Logik gibt, hart und schnell in einen Lockdown zu gehen und diesen dann sehr schnell zu beenden."

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