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Biden verteidigt Afghanistan-Abzug: Machtübernahme der Taliban "nicht unausweichlich"

US-Präsident Joe Biden hält am US-Truppenabzug aus Afghanistan fest. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag bestritt er jegliche Parallelen zum Vietnamkrieg und zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierung in Kabul die Taliban mit weiterer Hilfe aus Washington in Schach halten könne.

Biden hat gegenüber Reportern im Weißen Haus argumentiert, dass die US-Truppen nicht in Afghanistan bleiben sollten, weil die Taliban so stark seien wie seit 20 Jahren nicht mehr. Da die Kräfte der von den USA unterstützten afghanischen Armee die der Islamisten aber deutlich überlegen seien, sei eine Machtübernahme durch die Taliban "nicht unausweichlich", sagte er. Während die afghanischen Truppen mittlerweile rund 300.000 Soldaten zählten, würden die Taliban Biden zufolge lediglich 75.000 Kämpfer verzeichnen.

Auf die Frage eines Journalisten, ob das US-Staatsoberhaupt der Terrorvereinigung vertraue, erwiderte Biden vehement:

"Traue ich den Taliban? Nein. Aber ich vertraue auf die Fähigkeiten des afghanischen Militärs, das besser ausgebildet, besser ausgerüstet und kompetenter in der Kriegsführung ist."

Biden wies auch die Behauptungen zurück, die US-Geheimdienste seien zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung in Kabul zusammenbrechen würde. Das sei "nicht wahr". Die Regierung habe die Kapazität, die Kräfte und die Ausrüstung, um zu kämpfen, aber sie müsse sich zusammenraufen und zu einem einheitlichen Ziel kommen, erklärte er.

Die USA werden "nicht weggehen", fügte er hinzu und deutete damit an, dass Washington das afghanische Militär weiterhin finanzieren wird, so wie es das seit Jahren getan hat. Der US-Präsident argumentierte ferner:

"Keine Nation hat jemals Afghanistan geeint."

Er deutete an, dass das Land am Ende auf irgendeine Weise zwischen Kabul und den Taliban aufgeteilt werden könnte.

Der US-Präsident wehrte sich außerdem gegen jegliche Vergleiche mit der US-Niederlage im Vietnamkrieg. Die Taliban seien in ihren Fähigkeiten mit der nordvietnamesischen Armee "nicht im Entferntesten vergleichbar". Es werde keine Fotos wie die aus Saigon 1975 geben, wo die US-Amerikaner und verbündete Vietnamesen mit Hubschraubern vom Dach der US-Botschaft ausgeflogen wurden, sagte er den Reportern. Seine Abzugspläne verteidigte Biden vor allem mit dem Wunsch, die künftigen Generationen der US-Amerikaner vor den Schrecken des Krieges zu bewahren:

"Ich werde nicht noch eine weitere Generation der US-Amerikaner in den Krieg nach Afghanistan schicken."

Seit Beginn des Einsatzes im Oktober 2001 wurden bei den Anschlägen oder Gefechten in Afghanistan mehr als 2.000 US-Soldaten getötet, mehr als 20.000 weitere wurden verwundet.

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung, laut der der Einsatz am 11. September beendet werden sollte, wurde diese Frist inzwischen sogar schon auf den 31. August verschoben. Der 11. September ist der 20. Jahrestag der Terrorangriffe des Terrornetzes al-Qaida in den USA, in deren Folge der Einsatz begonnen hatte. Trotz der bedrohlichen Lage wollte Biden kein Scheitern der US-Mission einräumen. Er sagte, der Einsatz habe zwei Ziele gehabt: al-Qaida-Chef Osama bin Laden "zu den Pforten der Hölle zu bringen" und dem Terrornetz die Fähigkeit zu nehmen, von Afghanistan aus die USA anzugreifen. Diese beiden Ziele seien erreicht worden, schlussfolgerte Biden.

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