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"Kultureller Völkermord": Überreste von 215 Kindern in ehemaligem kanadischem Internat entdeckt

Auf dem Grundstück eines früheren Internats wurden die Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner entdeckt. Das katholische Heim war vor über 100 Jahren eröffnet worden, um Kinder zwangsweise in die Gesellschaft der europäischen Einwanderer zu integrieren.
"Kultureller Völkermord": Überreste von 215 Kindern in ehemaligem kanadischem Internat entdecktQuelle: Reuters © Library and Archives Canada

Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner sind auf einem Grundstück einer sogenannten Residential School in Kanada entdeckt worden. Die Gebeine seien bei Radaruntersuchungen des Grundstücks in der Nähe der Stadt Kamloops im Westen Kanadas gefunden worden, teilte Rosanne Casimir, Chefin der dort lebenden Ureinwohner-Gruppe, mit. "Unseres Wissens nach handelt es sich um nicht dokumentierte Todesfälle. Manche waren nur drei Jahre alt."

Das katholische Heim nahe der Kleinstadt Kamloops war vor über 100 Jahren eröffnet worden, um Kinder von Ureinwohnern zwangsweise zu christianisieren und sie in die Gesellschaft der europäischen Einwanderer zu integrieren, berichtet die Tagesschau. Der Tod der Kinder sei von der damaligen Schulleitung nie dokumentiert worden, obwohl ihr Verschwinden von Mitgliedern der Gemeinde gemeldet worden sei. 

Wie die Kinder ums Leben kamen, ist noch unklar. Nach Angaben der indigenen Gemeinde beschwerte sich der Schulleiter des Heims in Kamloops im Jahr 1910 darüber, dass die Regierung nicht genug Geld zur Verfügung stelle, um "die Schüler angemessen zu ernähren".

Die Nachricht breche ihm das Herz, teilte Premierminister Justin Trudeau am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mit. "Es ist eine schmerzhafte Erinnerung an dieses dunkle und schamvolle Kapitel in der Geschichte unseres Landes."

Trudeau hatte sich bei den indigenen Völkern des Landes entschuldigt, und Kanada arbeitet an Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Trotzdem gibt es immer noch Diskriminierung und Ungleichheit.

Die kanadische Ministerin für die Beziehung zu indigenen Einwohnern Carolyn Bennett schrieb auf Twitter, Residential Schools waren Teil einer Kolonialpolitik, die indigene Kinder aus ihren Gemeinden entführten. "Tausende von Kindern wurden in diese Schulen geschickt und kehrten nie zu ihren Familien zurück. Der Verlust von Kindern, die diese Schulen besucht haben, ist undenkbar."

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Inuit und anderen indigenen Gruppen von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und unter Zwang in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Kanadas Residential Schools, die indigene Kinder gewaltsam von ihren Familien trennten, stellten offenbar einen "kulturellen Völkermord" dar, berichtet Reuters.

Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Mindestens 3.200 starben, die meisten an Tuberkulose. In einer Erklärung bezeichnete der Regionalchef der British Columbia Assembly of First Nations, Terry Teegee, die Suche nach solchen Grabstätten als "dringende Arbeit", die "die Trauer und den Verlust für alle First Nations in British Columbia auffrischt". 2008 hatte sich die kanadische Regierung offiziell für dieses Schulsystem entschuldigt.

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