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Raub, Mord und Ausgrenzung bis heute – Präsident Mexikos bittet Maya um Verzeihung

Zahlreiche Dokumentationen widmen sich der sagenumwobenen Maya-Hochkultur. Durch die spanische "Eroberung" fanden Millionen Indigener den Tod. Deren aktuelles Dasein als nach wie vor Verfolgte und Vertriebene im eigenen Land findet selten Eingang in die Berichterstattung.
Raub, Mord und Ausgrenzung bis heute – Präsident Mexikos bittet Maya um VerzeihungQuelle: www.globallookpress.com

Nicht allein die sogenannten und fast gänzlich ausgerotteten nordamerikanischen "Indianer" zählen zu den amerikanischen Ureinwohnern. Auch das sagenumwobene Volk der Maya lebt bereits seit Jahrtausenden in (Mittel-)Amerika und führt dort heute längst ein ähnlich marginalisiertes Dasein wie ihre nordamerikanischen Leidensgenossen. Doch das war nicht immer so.

Jenseits und fernab der europäischen Kulturen entwickelten die Maya mitten im tropischen Regenwald ihre eigene Hochkultur und Zivilisation, die ihre Blütezeit vor mehr als tausend Jahren erlebte.

Auf ihrer permanenten Suche nach Gold und andere Edelmetallen folgte nach Kolumbus jedoch der Raubzug der spanischen Krone und läutete damit die Vernichtung der Maya-Hochkultur ein. Im Jahre 1517 betraten erstmals Spanier unter Führung von Hernán Cortés mexikanischen Boden.

Der spanischen Eroberung großer Teile vor allem Mittel- und Südamerikas fielen durch Mord, Gewalt und Krankheiten Millionen indigener Stämme zum Opfer. Der Blutrausch der Europäer wütete besonders in der Region vom heutigen Mexiko über die Halbinsel Yucatán und das heutige Guatemala bis hin zur peruanischen Andenregion. Bis heute sind die Indígenas der Verfolgung und Vertreibung in ihrer Heimat ausgesetzt.

Nun bat die mexikanische Regierung das Volk der Maya für die Verbrechen der Vergangenheit erstmals offiziell um Entschuldigung. Anlässlich des 500. Jahrestages der spanischen Invasion erklärte der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador bei einer Rede im Bundesstaat Quintana Roo:

"Wir bitten das Volk der Mayas um Verzeihung für die schrecklichen Misshandlungen durch Einzelpersonen und nationale wie ausländische Behörden während der Eroberung, während der drei Jahrhunderte kolonialer Herrschaft und während der zwei Jahrhunderte seit der Unabhängigkeit Mexikos."

Laut der mexikanischen Innenministerin Olga Sánchez-Cordero gelte die Entschuldigung auch für den noch immer grassierenden Rassismus und die Marginalisierung, unter der die verbliebenen Maya noch immer zu leiden hätten.

Die spanische Regierung sieht dagegen keinen Anlass, sich heute bei den Maya für vergangene Verbrechen zu entschuldigen. Bereits 2019 forderte Obrador die spanische Regierung dazu auf, sich anlässlich des bevorstehenden 500. Jahrestags der gewaltsamen Kolonisierung bei den Maya, aber auch den Azteken zu entschuldigen. "Die sogenannte Eroberung erfolgte mit dem Schwert und dem Kreuz" erklärte der mexikanische Präsident an die Adresse Madrids gerichtet. Die spanische Regierung unter dem Ministerpräsidenten Pedro Sánchez wies jedoch die Forderung "mit aller Entschiedenheit" zurück und gab zu Protokoll:

"Unsere Brudervölker haben es immer verstanden, unsere gemeinsame Geschichte ohne Zorn und mit einer konstruktiven Perspektive zu lesen, als freie Völker mit einem gemeinsamen Erbe und einer außerordentlichen Projektion."

Carlos Martínez Shaw, Universitätsprofessor und Mitglied der spanischen Akademie der Geschichte, drückte es 2019 noch etwas klarer aus:

"Die Entschuldigung eines Staatsoberhaupts für Handlungen zu fordern, die vor 500 Jahren verübt wurden, (…) ist unangebracht und anachronistisch."

Anlässlich der aktuellen Gedenkveranstaltung war auch Obradors Amtskollege aus Guatemala, Alejandro Giammattei, zugegen. Auch in diesem Land hörte die Verfolgung der Ureinwohner nie auf. Im Jahr 2013 kam es zu einem aufsehenerregenden Prozess, bei dem der damalige Präsident Guatemalas José Efraín Ríos Montt, zusammen mit seinem ehemaligen Geheimdienstchef Mauricio Rodríguez, des Völkermordes angeklagt wurde.

Es ging um die Ermordung von 1.771 Mitgliedern der Ixil (einer Maya-Ethnie), die bei "Anti-Guerilla-Operationen" der Armee ermordet worden waren. Bei der Exhumierung der Toten wurden ausschließlich Gebeine von Kindern und Alten gefunden. Im Jahr 2013 wurde Montt zu 80 Jahren Haft verurteilt.

Heute kritisieren in Mexiko indigene Aktivisten den Bau der sogenannten "Maya-Eisenbahn" (Tren Maya). Der Bau soll demzufolge nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wünsche und Bedürfnisse der indigenen Gemeinschaften unberücksichtigt lassen. Mitte Mai 2020 gewann ein Konsortium aus einem spanischen und zwei mexikanischen Bauunternehmen den Zuschlag für den Bau des dritten Abschnitts – von insgesamt fünf – der vermutlich 8 Milliarden US-Dollar teuren Maya-Eisenbahn.

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