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WWF Österreich: Pandemie verschärft das Problem der Lebensmittelverschwendung

In Österreich werden Lebensmittel im Umfang von etwa einer Million Tonnen pro Jahr vergeudet. Die Pandemie vergrößert das Problem noch drastisch, hat der WWF in einer Befragung festgestellt und fordert, die Lehren zu ziehen und für Nachhaltigkeit zu nutzen.
WWF Österreich: Pandemie verschärft das Problem der LebensmittelverschwendungQuelle: www.globallookpress.com © TOBIAS STEINMAURER via www.imago/www.imago-images.de

Die Umweltschutzorganisation WWF in Österreich hat zum "Tag der Lebensmittelrettung", dem 2. Mai, einen qualitativen Bericht vorgestellt. Darin wird die Vergeudung von Lebensmitteln unter den Bedingungen der Corona-Pandemie untersucht. Das veränderte Konsumverhalten und die mangelnde Planbarkeit seien die wichtigsten Ursachenkomplexe für das Anwachsen der Lebensmittelabfälle.

Olivia Herzog, Programm-Managerin für nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich, fasst zusammen: "Komplexe Lieferketten sind eine gefährliche Achillesferse – wir müssen daher stärker auf regionale Versorgung und umweltschonende Produktion setzen, um krisensicher zu sein. Der Neustart nach der Coronakrise kann nur gelingen, wenn wir ressourcenschonender wirtschaften."

Der Bericht beruht auf qualitativen Befragungen in den Branchen, die an Erzeugung, Verteilung und Verbrauch von Lebensmitteln beteiligt sind. Die wenigen quantitativen Angaben beziehen sich auf das Land Österreich. Allein im Handel hat sich die Verschwendung im Jahr 2020 vervierfacht. In privaten Haushalten sind bis zu 30 Prozent mehr Abfälle bestenfalls in den Biotonnen gelandet. 

Der WWF hat im März 2021 mit neun Teilnehmern die qualitativen Befragungen durchgeführt, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit der Problembeschreibung zu erheben. Die stetigen Veränderungen im Jahr der Pandemie können auch gar nicht exakt beziffert werden. Wichtig sei dennoch, dass aus den Beschreibungen Lehren für die Zukunft gezogen werden können. Der WWF fordert einen nationalen Aktionsplan zur Eindämmung der Verschwendung von der Regierung.

Nach Ansicht der Organisation seien weitere wissenschaftliche Erhebungen notwendig, um die Effekte der Pandemie auf die Versorgung zu bestimmen. Eine der befragten Institutionen war das Institut für Abfallwirtschaft der Universität für Bodenkultur. Dessen Vertreterin Gudrun Obersteiner sagte:

"Die Pandemie hat gezeigt, wie empfindlich unser System ist und wie sehr die einzelnen Bereiche der Wertschöpfungskette miteinander vernetzt sind. Die Vermeidung von Lebensmittelabfall geht uns alle an, und nur gemeinsam können wir es schaffen, das von den UN formulierte Ziel zu erreichen, bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung im Einzelhandel und im Verbrauch zu halbieren. Auch jeder noch so kleine Beitrag zählt zum großen Ganzen!"

Weltweit geht etwa ein Drittel der Lebensmittel auf dem Weg vom Acker auf den Teller verloren. In Österreich können für einige Branchen sogar genauere Angaben gemacht werden. So gehen im Großhandel 10.300 Tonnen pro Jahr verloren, im Einzelhandel knapp 80.000. Die industrielle Produktion verzeichnet 121.800 Tonnen pro Jahr an Verlusten und die Außerhaus-Verpflegung 175.000 Tonnen. Insgesamt wird die Abfallmenge sogar auf etwa eine Million Tonnen jährlich geschätzt.

Konkrete Beispiele für die Verschwendung im Jahr der Pandemie sind der Verbrauch von Speisekartoffeln in Biogasanlagen sowie die gesteigerte Nachfrage nach Trockenprodukten an Lebensmitteln. Wegen der Schließung von Restaurants und Gaststätten blieben die geplanten Lieferungen von Speiseresten an Biogasanlagen aus. Um Letztere jedoch überhaupt weiter betreiben zu können, wurden Kartoffeln direkt vom Feld in den Biogasanlagen "verwertet".

Der WWF Österreich unterstützt Organisationen, die in Zusammenarbeit mit dem Handel und der Außer-Haus-Versorgung ungenutzte Lebensmittel sammeln und verteilen, die sonst keine Verwendung mehr finden würden. Er setzt sich auch dafür ein, die Kriminalisierung des "Containern", also des Einsammelns bereits weggeworfener Lebensmittel endlich zu überdenken.

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