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Brasilianische Forscher: "Die Hälfte unserer COVID-19-Toten war vermeidbar!"

Der Verlauf der Pandemie in Brasilien hätte nach Auffassung vieler Wissenschaftler nicht so schrecklich sein müssen. Sie werfen der Regierung Leugnung und Desinformation vor. Bisher fielen 389.000 Menschen dem Coronavirus zum Opfer oder starben im Zusammenhang mit dem Virus.
Brasilianische Forscher: "Die Hälfte unserer COVID-19-Toten war vermeidbar!"Quelle: Reuters © REUTERS/Ueslei Marcelino

Seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie starben bislang rund 400.000 Menschen in Brasilien mit oder an dem Coronavirus. Das sind 13 Prozent der Todesopfer weltweit, obwohl Brasilien nur drei Prozent der Weltbevölkerung stellt. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature am Dienstag.

Nature gibt die Einschätzung vieler Forscher im Land wieder, wonach die Ursachen für die Schärfe der Krise im Land an der Spitze des Staates zu suchen sind. Die Regierung weigere sich, bei ihren Maßnahmen wissenschaftsbasierten Leitlinien zu folgen. Und Präsident Jair Bolsonaro habe die öffentliche Akzeptanz der Wissenschaften untergraben. Es gäbe Desinformation im großen Stil.

"In Brasilien Wissenschaftler zu sein ist schrecklich und frustrierend," sagt der Epidemiologe Jesem Orellana von der Oswaldo Cruz Foundation in Manaus. "Die Hälfte unserer Toten war vermeidbar. Es ist ein Desaster!" Er führt die hohe Zahl an Opfern auf das Fehlen eines nationalen Lockdowns zurück.

Seit Amtsantritt im Jahr 2019 hätte Bolsonaro die Ausgaben für Forschung und für das Bildungswesen drastisch gekürzt. Er hätte der satellitengestützten Überprüfung von Waldbränden am Amazonas Fälschung vorgeworfen. "Und doch – sein Umgang mit COVID-19 kam als Schock!" Natalia Pasternak, Mikrobiologin und Präsidentin eines Institutes in São Paulo, setzt fort: "Ich glaube nicht, dass wir voraussehen konnten, wie gefährlich das werden konnte."

Regionale Lockdowns mit strikten Regeln zum Tragen von Gesichtsmasken führten zu deutlich weniger Sterbefällen als in vergleichbaren Regionen. Das ergab eine Studie, die von Februar bis Oktober des vergangenen Jahres durchgeführt wurde. "Doch diese regionalen Maßnahmen konnten sich im nationalen Maßstab kaum auswirken", schätzt Marcia Castro vom Bundesministerium für Gesundheit ein.

Die Regierung leugne die Pandemie, sagt Gabriela Lotta von der Getulio Vargas-Stiftung für Verwaltung und Regierungsführung. "Sie leugnet, dass es ernst ist, sie leugnet, dass es eingreifender Maßnahmen bedarf, und sie leugnet die Fähigkeit der Wissenschaften, der Pandemie zu begegnen."

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