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Nach Anschlag auf iranische Nuklearanlage: US-Regierung sucht nach richtigem Umgangston mit Israel

Die US-Regierung sorgt sich vor Alleingängen Israels gegen Iran. Am Sonntag befasst sich das israelische Sicherheitskabinett mit der Explosion in der iranischen Atomkraftanlage Natanz. Drahtzieher soll Israel sein. Die Gespräche in Wien zur Wiederbelebung des Nuklearabkommens sind in Gefahr.
Nach Anschlag auf iranische Nuklearanlage: US-Regierung sucht nach richtigem Umgangston mit IsraelQuelle: www.globallookpress.com © Julia Mineeva/Thenews2

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat sich nach Berichten der israelischen N12-Nachrichten in den letzten Tagen mehrmals an die israelische Regierung gewandt. Grund ist die Explosion in der iranischen Atomkraftanlage Natanz. Zunächst hatte die iranische Regierung von einem Zwischenfall gesprochen, dann aber von einem "Nuklearterror". Ein ferngezündeter Sprengsatz soll die Explosion verursacht haben. Eine Gefahr für Mensch und Natur soll aber zu keinem Zeitpunkt bestanden haben. Die Anlage ist in Betrieb, jedoch nicht in vollem Umfang. Es kam zu einem Stromausfall und Zentrifugen wurden beschädigt. 

Nicht benannte Quellen verwiesen auf den israelischen Geheimdienst Mossad als Drahtzieher. Von Seiten Washingtons gab es auf einer Pressekonferenz eine kurze Erklärung, dass die US-amerikanische Regierung nichts mit dem Zwischenfall zu tun gehabt habe. 

Man sorgt sich in Washington angesichts der derzeitigen Verhandlungen mit iranischen Regierungsvertretern in Wien, dass die Möglichkeit für ein neues Nuklearabkommen behindert werden könnte. Biden hatte seinen Wählern versprochen, das Nuklearabkommen mit Iran wieder aufzunehmen. Iranische Politiker hatten den Außenminister der Islamischen Republik Dschawad Sarif aufgefordert, den Gesprächen fernzubleiben. Die Verhandlungen aber gehen bislang weiter.

Der stellvertretende iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte dazu: 

"Es gibt jetzt eine gemeinsame Sicht auf das Endziel zwischen allen Seiten und der Weg, der eingeschlagen werden muss, ist ein bisschen besser bekannt. Obwohl es kein einfacher Weg sein wird. Es gibt einige ernsthafte Differenzen, die gelöst werden müssen."

Iran kündigte an, die Urananreicherung auf 60 Prozent zu erhöhen. Die Anlage in Natanz steht unter Beobachtung der Internationalen Atomenergiebehörde. Laut JCPOA darf Iran Uran nicht mehr als 3,67 Prozent anreichern. Für Atomwaffen wird eine Anreicherung von 90 Prozent benötigt. 

Teheran betont immer wieder, nicht an Atomwaffen interessiert zu sein. Die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu will über Beweise verfügen, dass Iran heimlich ein Atomwaffenprogramm verfolgt. Iran will sich erst wieder an die Auflagen des Abkommens halten, wenn die Sanktionen zurückgenommen werden. Unterzeichnet wurde der "Joint Comprehensive Plan of Action" im Jahr 2015 von Iran, China, Russland, Deutschland, Frankreich, den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Die US-Regierung unter Donald Trump hatte das Abkommen im Jahr 2018 einseitig aufgekündigt und Sanktionen gegen Iran verhängt, die die Regierung in Teheran dazu veranlassten, von einem "Wirtschaftskrieg" gegen die Islamische Republik Iran zu sprechen. 

Iran nannte inzwischen einen Verdächtigen, der hinter dem Anschlag auf die Atomkraftanlage Natanz in der Provinz Isfahan stecken soll. Der mutmaßliche Drahtzieher ist ein 43 Jahre alter Mann namens Reza Karimi, der aus dem Land geflüchtet sein soll. Am Sonntag wird das israelische Sicherheitskabinett zusammenkommen und sich mit dem Thema Iran und Natanz beschäftigen. 

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