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Wirksamkeit von AstraZeneca-Impfstoff auf 76 Prozent gesenkt

Eine aktualisierte Überprüfung des COVID-19-Impfstoffs von AstraZeneca hat ergeben, dass die Impfung zu 76 Prozent gegen die Krankheit wirksam ist. Damit wurde die Wirksamkeit von 79 Prozent herabgestuft.
Wirksamkeit von AstraZeneca-Impfstoff auf 76 Prozent gesenktQuelle: Reuters © Dado Ruvic

Das britische Pharmaunternehmen AstraZeneca veröffentlichte am Donnerstag die Ergebnisse seiner US-Studie mit 32.000 Personen und teilte mit, dass sein Impfstoff insgesamt 76 Prozent wirksam ist und zu 100 Prozent wirksam bei der Abwehr von "kritischen Erkrankungen und Krankenhausaufenthalten" durch COVID-19. Bei Erwachsenen über 65 Jahren schätzt das Unternehmen die Wirksamkeit auf 85 Prozent.

Die neuen Ergebnisse wurden publik, nachdem US-Gesundheitsbehörden AstraZeneca öffentlich dafür gerügt haben, dass Anfang der Woche gemeldete Studienergebnisse auf "veralteten Informationen" beruhen und das Unternehmen möglicherweise eine "unvollständige Sicht auf die Wirksamkeitsdaten" präsentiert hat. Das US National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) forderte AstraZeneca auf, mit den Aufsichtsbehörden zusammenzuarbeiten, um die Ergebnisse zu überprüfen und "sicherzustellen, dass die genauesten aktuellsten Wirksamkeitsdaten so schnell wie möglich veröffentlicht werden".

Während die am Donnerstag veröffentlichte Überprüfung ergab, dass "der Impfstoff gut verträglich ist und keine Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Impfstoff identifiziert wurden", folgte eine Flut von Berichten über unerwünschte Reaktionen bei Empfängern der Vakzine. Vermehrt war es unter anderem zu Blutgerinnseln gekommen. Mindestens 17 Länder setzten aufgrund dieser Berichte die Einführung des Impfstoffs von AstraZeneca aus. Mehrere Länder nahmen die Einführung jedoch wieder auf, nachdem die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erklärt hatte, dass der Impfstoff "sicher und effektiv" sei und nicht mit den Blutgerinnseln zusammenhänge, die in einigen Fällen tödlich verliefen.

Ein Forscherteam der Universitätsklinik Greifswald behauptete vergangene Woche jedoch, einen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und Blutgerinnseln, die auch als Venenthrombosen bekannt sind, gefunden zu haben. Die Forscher sagten, dass eine Immunreaktion auf die Impfung zur Bildung von Antikörpern führen könnte. Diese würden normalerweise stimuliert, wenn ein Organismus eine Wunde durch Blutgerinnung heilen muss, wodurch möglicherweise Blutgerinnsel entstehen könnten, insbesondere im Gehirn.

Etwa zur gleichen Zeit erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass noch nicht bekannt sei, ob der Impfstoff von AstraZeneca "sehr seltene und einzigartige thromboembolische Ereignisse" verursachen könne. Man stellte fest, dass ein klarer "kausaler Zusammenhang" noch nicht nachgewiesen sei. Die WHO kam dennoch zu dem Schluss, dass der Impfstoff ein positives Nutzen-Risiko-Profil aufweise.

Da der Impfstoff von AstraZeneca in den USA noch auf eine Notfallzulassung wartet, könnten die neuen, etwas weniger vielversprechenden Daten, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, einen Rückschlag für das Unternehmen bedeuten. Vor allem angesichts wochenlanger negativer Presseberichte in Europa.

Zu einer weiteren Kontroverse kam es diese Woche in der EU, nachdem Frankreich AstraZeneca vorgeworfen hatte, seine Lieferverpflichtungen für den Impfstoff nicht einzuhalten. Der französische Regierungssprecher Gabriel Attal bezeichnete die Situation als völlig inakzeptabel. AstraZeneca entgegnete, man werde alle Verpflichtungen erfüllen und dass die Vereinbarung mit der EU lediglich erfordert, die "besten angemessenen Anstrengungen" zu unternehmen, um die Immunisierung zu verbreiten.

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