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"Data-Mining" durch Corona-Tests? Global tätiges chinesisches Genom-Unternehmen unter Verdacht

Die BGI Group aus China ist vor allem im Bereich der Gensequenzierung tätig ist. In den USA äußerte ein führender Geheimdienstler den Verdacht, das Konglomerat wolle durch Corona-Tests Gendaten von US-Bürgern sammeln. Pikant: Auch die Gates-Stiftung kooperiert mit BGI.
"Data-Mining" durch Corona-Tests? Global tätiges chinesisches Genom-Unternehmen unter VerdachtQuelle: www.globallookpress.com

Nein, die BGI Group ist nicht der Name des Firmenimperiums eines finsteren Hollywood-Schurken, der nach der Weltherrschaft strebt. Das 1999 als Beijing Genomics Institute gegründete Unternehmen beschreibt sich als weltweit führend im Bereich der Biowissenschaften und Genforschung. Weltumspannend ist es heute auf jeden Fall, denn in mehr als einhundert Ländern und Regionen der Welt betreibt die BGI Group bereits Niederlassungen, um der eigenen Mission gerecht werden zu können. Diese bestehe darin, "die Gentechnologie zum Wohle der Menschheit einzusetzen und im Zeitalter der Biowissenschaften führend zu sein".

Das demnach nunmehr wohl größte Genomforschungsunternehmen der Welt wurde in der Zeit des Humangenomprojektes (HGP) gegründet, an dem auch die Volksrepublik China mitarbeitete. Seitdem hat es sich von einem Forschungsinstitut, das unter anderem die Genome von Pandas und Reispflanzen entschlüsselte, zu einem ausgedehnten Konglomerat entwickelt, das auch im Klonen von Tieren, für Gesundheitstests und in anderer Auftragsforschung tätig ist.

Und auch zur Bekämpfung der ausgerufenen COVID-19-Pandemie wollte man dort einen Beitrag leisten. "Seit Beginn" sei man beim gemeinsamen Kampf mit an Bord und man sehe sich gut aufgestellt, um "den Forschern zu helfen, die molekulare Struktur von SARS-CoV-2 und die Pathogenese der Krankheit COVID-19 weiter zu verstehen".

Schenkt man sogenannten US-Offiziellen Glauben, besteht bei den entsprechenden Aktivitäten dieser Firma jedoch Grund zu größter Sorge. In diesem Zusammenhang verweist der US-Politreport 60 Minutes auf vermutete dubiose Machenschaften. Der Vorwurf: BGI betreibe sogenanntes "Data-Mining" und sammele durch die Bereitstellung von COVID-19-Tests und Infrastruktur genetische Daten – von US-Amerikanern.

Für William Evanina, einen CIA- und FBI-Veteranen und derzeit Direktor des US-amerikanischen "Nationalen Zentrums für Spionageabwehr und Sicherheit" (dieses NCSC untersteht dem Büro des Direktors Nationaler Nachrichtendienste (ODNI), also Avril Haines in der Biden-Administration), stelle die angebotene chinesische Biotechnologie ein "trojanisches Pferd" dar. Besonders pikant: BGI unterhalte sowohl zur chinesischen Regierung als auch zur chinesischen Armee Verbindungen. Das will auch die Nachrichtenagentur Reuters anhand der Überprüfung von Forschungsdaten, Patentanmeldungen und anderen Dokumenten herausgefunden haben.

US-Medien berichten, dass es BGI unter der ehemaligen Obama-Administration und durch das Committee on Foreign Investment in the U.S. (CFIUS) gelungen sei, in den USA Fuß zu fassen. So sei es dem mächtigen Genom-Unternehmen etwa gelungen, im März 2013 die in Kalifornien ansässige Firma Complete Genomics zu übernehmen.

Zugleich trat die Stiftung des Silicon-Valley-Gurus Bill Gates auf den Plan. Bereits im September 2012 unterzeichnete die Gates-Stiftung ein "Memorandum of Understanding (MoU) zur Zusammenarbeit in den Bereichen globale Gesundheit und landwirtschaftliche Entwicklung" mit dem Ziel, gemeinsame Projekte in den Bereichen Gesundheit und landwirtschaftliche Entwicklung zu entwickeln. Nach Unterzeichnung des Abkommens machte der Vorsitzende und BGI-Mitbegründer Dr. Yang Huanming keinen Hehl aus seiner Freude:

"BGI begrüßt die Möglichkeit, mit der Bill & Melinda Gates Foundation zusammenzuarbeiten, um den Nutzen der Genomforschung in unsere globale Gesellschaft zu bringen."

Man sei zuversichtlich, so Yang weiter, dass die Kombination der jeweiligen Expertise zu wichtigen Durchbrüchen in den Bereichen der Human-, Pflanzen- und tierischen Genomforschung führen werde. All das diene dem Ziel, die nachhaltige Gesundheit und landwirtschaftliche Entwicklung insbesondere in den sogenannten Entwicklungsländern zu fördern.

Im Jahr 2010 hatte sich Bill Gates persönlich mit dem Leiter der China-Abteilung der Gates-Stiftung, Ray Yip, auf den Weg gemacht in die BGI-Zentrale in Shenzhen, um einer genetischen Sequenzierung beizuwohnen. Die Financial Times schrieb:

"Drinnen analysierten mehr als 150 hochmoderne Gensequenzierungsmaschinen das Äquivalent von Tausenden von menschlichen Genomen pro Tag. Das Unternehmen arbeitet auf das Ziel hin, eine riesige Bibliothek aufzubauen, die auf der DNA von vielen Millionen Menschen basiert."

Yip pries den "offenen und liberalen" Geist, den man in den Hallen des Unternehmens vorgefunden habe:

"Sie spielen in ihrer eigenen Liga – offen und liberal. Die meisten Leute sehen sich nur als Dienstleister für DNA-Analysen. Dabei ist es die Datenbank, die sie aufbauen, die sie überragend machen wird."

Und längst machen sich die engen Bande und die Kooperation auch auf personeller Ebene bemerkbar. So ist der ehemalige Präsident des globalen Gesundheitsprogramms der Bill und Melinda-Gates-Stiftung, Dr. Tadataka Yamada, mittlerweile der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats von BGI.

Im Gegenzug eröffnete dann BGI im US-Bundesstaat Washington – dem Stammsitz der Gates-Stiftung – eine neue Niederlassung. 60 Minutes  wiederum verweist auf den Umstand, dass es im März vergangenen Jahres im US-Bundesstaat Washington zum ersten großen Corona-Ausbruch in den USA gekommen sei.

"Als die COVID-Raten und der Bedarf an Tests in die Höhe schnellten, trat die BGI Group, das größte Biotech-Unternehmen der Welt – ein globaler Gigant mit Sitz in China, mit einem verlockenden Angebot an den Bundesstaat Washington heran."

In einem auffallend persönlich gehaltenen Brief an den Gouverneur des Bundesstaates habe BGI anschließend vorgeschlagen, vor Ort hochmoderne COVID-Testlabore zu bauen und zu betreiben. Der Geheimdienstler Evanina sei derart besorgt gewesen, dass er eine ebenso autorisierte wie seltene öffentliche Warnung herausgegeben habe.

"Fremde Staaten können biometrische Informationen aus COVID-Tests sammeln, speichern und verwerten."

Letztendlich sei das BGI-Angebot dann aufgrund der gemutmaßten Verbindungen zur Regierung in Peking jedoch abgelehnt worden.

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