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Irans Außenminister im Interview: Kein Vertrauen in Corona-Impfstoffe aus USA und Großbritannien

Der iranische Außenminister erklärte in einem Interview mit RT, Iran werde ausschließlich russische, chinesische, indische und sobald vorhanden auch eigene Impfstoffe gegen COVID-19 verwenden. Zu britischen und US-Produkten fehle in doppelter Hinsicht das Vertrauen.
Irans Außenminister im Interview: Kein Vertrauen in Corona-Impfstoffe aus USA und GroßbritannienQuelle: Reuters © Russian Foreign Ministry

Auf Corona-Impfstoffe aus Großbritannien und den USA wird Iran nicht zurückgreifen. Man habe nicht nur politische Einwände, sondern auch Bedenken bezüglich der öffentlichen Gesundheit. Stattdessen werde man sich auf Vakzine aus der Herstellung von Partnern und aus eigener Produktion verlassen, kündigte Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif gegenüber RT an.

In dem Interview, welches am Donnerstag ausgestrahlt werden soll, erklärte Sarif, dass der russische Impfstoff gegen das Coronavirus in Zukunft im Iran "sowohl verwendet als auch hergestellt" werden soll. Am Dienstag ließ Iran als weiteres Land den russischen Impfstoff Sputnik V zu. Der iranische Chefdiplomat, der derzeit zu einem offiziellen Besuch in Moskau weilt, listete die Partner seines Landes in Bezug auf eine Corona-Immunisierung auf:

"Wir werden den russischen Impfstoff bekommen, wir werden den chinesischen Impfstoff bekommen und wir stehen in engem Kontakt mit ihnen allen. Wir werden auch den indischen Impfstoff bekommen."

Sarif fügte an, der Impfstoff aus iranischer Herstellung habe unterdessen die Phase 1 der klinischen Studien am Menschen durchlaufen. Man gehe davon aus, dass das Vakzin im kommenden Juni in die Impfkampagne des Landes aufgenommen wird.

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Indes lehnt Teheran die in den USA hergestellten Impfstoffe der Konzerne Pfizer und Moderna ab, die zur bevorzugten Wahl der US-Verbündeten geworden sind. Sarif erklärte hierzu:

"Ich denke, Sache war hier ein Problem der öffentlichen Gesundheit nebst einigen politischen Überlegungen über die Absichten der USA – und einem Mangel an Vertrauen, was sehr klar ist."

Er erinnerte daran, dass sich die Zusammenarbeit mit westlichen Ländern auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit für Teheran in der Vergangenheit als nicht förderlich erwies:

"Sie wissen, dass wir eine sehr schlechte Erfahrung mit einem anderen westlichen Land gemacht haben, das ich nicht beim Namen nennen möchte. Von dort wurden Blutkonserven in den Iran verschickt, die Viren enthielten."

Viele Patienten, die Bluttransfusionen benötigten, wurden hierdurch infiziert, so der Außenminister. Obwohl Sarif es ablehnte, den Namen des Landes zu nennen, bezog er sich wahrscheinlich auf HIV-verseuchten Blutkonserven, die in den 1980er- und 1990er-Jahren aus Frankreich geliefert wurden. Damals wurde berichtet, dass sich etwa 300 Iraner an dem verseuchten Blut infiziert hatten, was zu einem internationalen Skandal führte.

Ähnliche Bedenken wurden kürzlich von Irans Obersten Führer Ali Khamenei geäußert, der Anfang des Monats die Einfuhr von US-amerikanischen und britischen Coronavirus-Impfstoffen verbot und und diese als unzuverlässig bezeichnete.

Im Gespräch mit RT beklagte Sarif, dass die Pandemie bisher nicht zu einem einigenden Faktor für die Welt werden und die internationalen Beziehungen humanisieren konnte. Dieses Versäumnis habe Iran zu spüren bekommen, so der Diplomat. Er erklärte:

"Die USA haben ihren Druck auf Iran nicht verringert. Sie haben uns nicht erlaubt, finanzielle Transaktionen zu tätigen."

Dies, obwohl Iran mit fast 1,4 Millionen bestätigten COVID-19-Fällen und mehr als 57.500 Todesfällen das von der Pandemie am stärksten betroffene Land im Nahen Osten ist.

Im vergangenen Jahr habe Teheran bei drei verschiedenen Gelegenheiten versucht, Zahlungen zu leisten, um dem globalen Impfstoffverteilungsprogramm der Weltgesundheitsorganisation COVAX beizutreten. Alle Versuche wurden jedoch durch die US-Sanktionskampagne vereitelt, so Sarif weiter.

Andererseits haben die US-Sanktionen Iran während der Pandemie einen Vorteil verschafft, indem sie das Land zwangen, eine eigene Pharmaindustrie aufzubauen. Unverzichtbare Medikamente, Coronavirus-Testkits und Gesichtsmasken, die Teheran aufgrund der Restriktionen nicht einkaufen konnte, "haben wir im Iran produziert", hob Sarif hervor:

"Die Sanktionen haben uns tatsächlich auf die Beine geholfen. Wir wollen zwar eine Zusammenarbeit mit der Welt, aber wir wollen nicht von ihr abhängig sein."

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