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UN-Chef fordert mehr Multilateralismus und weniger Ungerechtigkeit

Der UN-Generalsekretär Guterres fordert – unter anderem auch angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise – einen "neuen globalen Deal". Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Staaten bei der Verteilung von Macht und Ressourcen müssen verringert werden.
UN-Chef fordert mehr Multilateralismus und weniger UngerechtigkeitQuelle: www.globallookpress.com © Michael Sohn/dpa

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) António Guterres hat am Sonntag eine neue Art von Multilateralismus gefordert, um globale Herausforderungen anzugehen. Er betonte die Notwendigkeit, Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu verringern, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

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In einer virtuellen Rede zum Gedenken an den 75. Jahrestag der ersten Sitzung der UN-Generalversammlung stellte Guterres fest, dass 97 Prozent der Befragten einer von den Vereinten Nationen gesponserten globalen Umfrage eine verbesserte globale Zusammenarbeit forderten, um multilaterale Lösungen für die globalen Herausforderungen von heute zu finden. Er erklärte:

"Während der Bedarf an internationaler Zusammenarbeit weiter besteht, müssen wir unsere Vorstellung davon, was das bedeutet, erweitern."

"In unserer vernetzten Welt brauchen wir einen vernetzten Multilateralismus, damit globale und regionale Organisationen miteinander kommunizieren und auf gemeinsame Ziele hinarbeiten. Und wir brauchen einen inklusiven Multilateralismus, der auf der gleichberechtigten Vertretung von Frauen basiert und junge Menschen, die Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Technologie, Städte und Regionen, Wissenschaft und Akademiker mit einbezieht."

In seiner Rede lobte Guterres die Errungenschaften der Generalversammlung und beklagte deren Versäumnisse.

"Die Generalversammlung, in der sich die Staaten seit 75 Jahren versammeln, um die wichtigsten Fragen unserer Zeit zu diskutieren, hat viele historische Momente erlebt. Und ihre tägliche Arbeit hat eine enorme Rolle bei der Formulierung und Aufrechterhaltung von Gesetzen zu wichtigen globalen Gütern gespielt, von Menschenrechten und Umweltschutz bis hin zu Rüstungskontrolle und Kriegsverbrechen."

Die Arbeit der Generalversammlung habe dazu beigetragen, die globale Gesundheit, die Alphabetisierung und den Lebensstandard zu verbessern sowie die Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern, sagte er.

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Es sei nicht zu einem Dritten Weltkrieg gekommen. Seit der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 auf der Asche des Zweiten Weltkriegs habe die Welt die längste Periode in der aufgezeichneten Geschichte ohne eine militärische Konfrontation zwischen Großmächten erlebt. Das sei an sich schon eine große Errungenschaft, auf die die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedsstaaten zu Recht stolz sein könnten, erklärte er. Er mahnte dabei:

"Während wir auf unsere kollektiven Errungenschaften stolz sind, sind wir uns auch unserer Misserfolge bewusst."

Die globale Reaktion auf den Klimanotstand sei völlig unzureichend gewesen. Das vergangene Jahrzehnt sei das wärmste in der Geschichte der Menschheit. Der Kohlendioxidgehalt sei auf einem Rekordhoch. Apokalyptische Brände und Überschwemmungen, Wirbelstürme und Hurrikane würden zur neuen Normalität werden. Die Artenvielfalt kollabiere, sagte er.

"Dies ist ein Krieg gegen die Natur – und ein Krieg ohne Gewinner."

Guterres zufolge werden konventionelle Kriege immer hartnäckiger und schwieriger zu lösen. Die geopolitischen Spannungen würden eskalieren. Die Bedrohung durch die Weiterverbreitung von Atomwaffen und die Konfrontation mit ihnen sei zurückgekehrt. Die Ungleichheit nehme zu. Der Hunger sei auf dem Vormarsch, stellte er fest.

Der technologische Wandel habe große neue Möglichkeiten eröffnet, aber auch neue Bedrohungen, von der Cyberkriegsführung bis zur grassierenden Desinformation, von Hassreden bis zu politischer Subversion und Massenüberwachung, sagte er.

Die COVID-19-Pandemie habe die tiefen Schwachstellen der Weltordnung offenbart. Um diese Anfälligkeiten zu bekämpfen, sei es notwendig, Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu reduzieren und die Bande der gegenseitigen Unterstützung und des Vertrauens zu stärken.

"Auf internationaler Ebene habe ich zu einem neuen globalen Deal aufgerufen. Macht, Ressourcen und Chancen müssen besser verwaltet und gerechter verteilt werden. Die Entwicklungsländer müssen eine angemessene Rolle und mehr Relevanz in den globalen Institutionen haben. Auf nationaler Ebene habe ich einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen den Menschen, den Regierungen, dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft und mehr gefordert, um die Wurzeln der Ungleichheit mit einer gerechten Besteuerung von Einkommen und Vermögen, universellen Leistungen und Chancen für alle anzugehen."

Guterres betonte die Bedeutung von qualitativ hochwertiger Bildung für alle und des Zugangs zu digitaler Technologie als mächtige Gleichmacher und Befähiger.

Die Investitionen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise müssten Wirtschaft und Gesellschaft auf ein stärkeres Fundament stellen: Menschenrechte und Würde, friedliche Zusammenarbeit, Respekt für andere Arten, für unseren Planeten und seine Grenzen, fügte er hinzu.

Die Pandemie sei eine menschliche Tragödie. Aber sie könne auch eine Chance sein. Die Blaupause dafür gebe es bereits: das Pariser Abkommen und die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung, sagte Guterres.

"Wir brauchen jetzt mehr Ehrgeiz und Taten, um die Ziele zu erreichen – angefangen bei der Klimapandemie."

Die erste Sitzung der UN-Generalversammlung wurde am 10. Januar 1946 in London einberufen. Die virtuelle Veranstaltung am Sonntag, auf der der UN-Generalsekretär sprach, wurde von der britischen Regierung organisiert.

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