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"Negro" – Schiri soll Co-Trainer von Istanbul-Club während Champions League-Partie beleidigt haben

Im Gruppenspiel der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und Istanbul Başakşehir FK soll ein Mitglied des Schiedsrichtergespanns den schwarzen Co-Trainer des Istanbul-Clubs rassistisch beleidigt haben – die Spieler beider Clubs brachen die Partie daraufhin ab.
"Negro" – Schiri soll Co-Trainer von Istanbul-Club während Champions League-Partie beleidigt habenQuelle: AFP © Frank Fife

Die Szene ereignete sich kurz nach einem Foul des Pariser Spielers Kimpembe an Istanbuls Gulbrandsen in der 13. Spielminute. An der Seitenlinie kam es danach bei den Betreuern von Başakşehir FK zu einiger Aufregung – vor allem Istanbuls aus Kamerun stammender Co-Trainer Pierre Webó soll sich vehement über das Foul von Kimpembe beschwert haben. Der sogenannte "Vierte Offizielle" an der Seitenlinie, der den Hauptschiedsrichter und die Schiedsrichterassistenten während des Spiels unterstützt, soll daraufhin den Hauptschiedsrichter auf das Verhalten von Webó aufmerksam gemacht, und eine Rote Karte gefordert haben. Dabei soll der Vierte Offizielle zur Identifizierung von Webó den Ausdruck "Neger" gebraucht haben – so lautet jedenfalls der Vorwurf.

Bei dem Vierten Offiziellen handelt es sich um Sebastian Colţescu, der wie die anderen Schiedsrichter an diesem Abend aus Rumänien stammt. Der Hauptschiedsrichter war Ovidiu Hategan. Es kam anschließend zu heftigen Diskussionen zwischen Spielern und dem Schiedsrichtergespann auf dem Spielfeld, an denen Spieler beider Mannschaften beteiligt waren. In Videosequenzen im Internet ist zu hören, wie der bei Istanbul unter Vertrag stehende französisch-senegalesische Spieler Demba Ba zu Colţescu sagt:

"Du bezeichnest doch auch keinen weißen Spieler als weißen Spieler, wenn du ihm eine Karte gibst!"

Colţescu soll sich mit dem Hinweis verteidigt haben, dass er das Wort "Negru", benutzt habe, was in der rumänischen Sprache "Schwarzer" bedeute. Die Partie wurde schließlich beim Stand von 0:0 abgebrochen, nachdem beide Teams demonstrativ das Spielfeld verließen, und soll an diesem Mittwoch (ab 18.55 Uhr) fortgesetzt werden. Die Europäische Fußball-Union teilte am späten Dienstagabend mit, dass das komplette Schiedsrichter-Team ausgetauscht werde. Der Dachverband kündigte eine "gründliche Untersuchung" an.

Erdoğan schaltet sich ein

Der Vorfall sorgte umgehend für Reaktionen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan verurteilte "die rassistische Aussage gegenüber Pierre Webó" und teilte via Twitter mit: "Wir sind bedingungslos gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport und in allen Lebensbereichen."

Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu lobte das Verhalten der Profis beider Teams. "Heute Abend haben Sportler, Athleten eine historische Entscheidung getroffen gegenüber einer Einstellung, die sie als inakzeptabel beurteilt haben", schrieb die Ministerin am späten Dienstagabend bei Twitter. Sie warte die Ergebnisse der Untersuchung ab. "Aber ich kann die starke Symbolik ihrer Geste und ihrer Solidarität nur begrüßen."

Hauptschiedsrichter Ovidiu Hategan war schon einmal mit Rassismus-Erscheinungen in einem Spiel der Champions League konfrontiert. Vor sieben Jahren leitete er die Partie von Manchester City bei ZSKA Moskau. Während des Spiels soll es gegenüber dem von der Elfenbeinküste stammenden Manchester-Spieler Yaya Touré zu rassistischen Schmähungen gekommen sein. Hategan hatte den Vorfall zwar in seinen Spielbericht aufgenommen, aber ansonsten keine weiteren Maßnahmen eingeleitet. Allerdings musste ZSKA in der Folge im Heimspiel gegen den FC Bayern München auf einen Teil der Anhänger als Zuschauer verzichten.

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