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Frankreich: Fast 800 Vorfälle bei Schweigeminuten zur Ehrung von enthauptetem Lehrer

Nach der Enthauptung eines Lehrers in Frankreich durch einen Muslim soll es laut dem französischen Bildungsministerium in den vergangenen Monaten zu fast 800 Vorfällen gekommen sein, die von Drohungen bis hin zur völligen Rechtfertigung des terroristischen Aktes reichten.
Frankreich: Fast 800 Vorfälle bei Schweigeminuten zur Ehrung von enthauptetem LehrerQuelle: AFP © Thomas Coex

Der Mord an dem Lehrer Samuel Paty sendet weiterhin Schockwellen durch Frankreich. Die Enthauptung, die sich Mitte Oktober ereignete, hat den ganzen November über zu einer ganzen Reihe beunruhigender Vorfälle in verschiedenen französischen Bildungseinrichtungen geführt. Das stellte das französische Bildungsministerium in einem kürzlich veröffentlichten Bericht fest.

Fast 800 Mal wurden Schweigeminuten zu Ehren des Lehrers im November durch verschiedene Vorfälle gestört, heißt es in dem Bericht. Mehr als die Hälfte aller Fälle fand während der ersten Gedenktage am 2. und 3. November statt. Weitere Zwischenfälle ereigneten sich im Laufe des Monats.

Fast die Hälfte der registrierten Vorfälle ereignete sich in Hochschulen, während rund ein Viertel die Grundschulen betraf. Die überwiegende Mehrheit derartiger Taten wurde von Schülern begangen, während die Eltern in mehr als sieben Prozent aller Fälle involviert waren. Manchmal wurden die Zeremonien durch Dritte gestört, in einem Fall sogar durch einen Mitarbeiter einer Stadtverwaltung.

Ein Fünftel aller Fälle wurde vom Ministerium als Provokationen eingestuft. Bei weiteren 20 Prozent der Fälle störten Personen die Schweigeminuten durch Diskussionen. In zwölf Prozent der Fälle weigerten sich Studenten, an der Veranstaltung teilzunehmen. Mitunter waren die Vorfälle jedoch viel schwerwiegender, da 17 Prozent der Fälle eine offene Rechtfertigung des terroristischen Aktes und weitere fünf Prozent direkte Drohungen beinhalteten.

Infolgedessen wurden 286 Meldungen bei der Polizei und 136 Beschwerden bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Mehr als 130 Studenten wurden vorübergehend vom Studium suspendiert, 44 wurden endgültig exmatrikuliert.

Samuel Paty wurde von einem radikalisierten tschetschenischen Flüchtling geköpft, nachdem der Lehrer seiner Klasse im Rahmen einer Lektion über Redefreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Auf seine Ermordung folgte eine Reihe von Terroranschlägen in Frankreich und darüber hinaus. Fast zwei Wochen nach der Enthauptung wurden in Nizza bei einem Messerangriff drei Menschen getötet.

Nach der Ermordung des Lehrers und weiteren Vorfällen, die dem religiösen Extremismus zugeschrieben wurden, brachte die französische Regierung einen Plan zur Bekämpfung des religiösen Radikalismus auf den Weg. Eine Moschee, die aufgrund vermeintlicher Hasspredigten mit dem Fall Paty in Verbindung gebracht wird, wurde Ende Oktober geschlossen. Fast 80 weitere Moscheen in ganz Frankreich wurden als potenzielle Sicherheitsbedrohung identifiziert und stehen nun vor einer möglichen Schließung.

Die von der Regierung vorgeschlagene Gesetzgebung beinhaltet auch eine strengere Kontrolle der Bildung von Kindern. Den neuen Vorschriften zufolge würde jedes Kind in Frankreich eine Identifikationsnummer erhalten, mit der sichergestellt werden soll, dass es die Schule besucht. Eltern, die ihre Kinder am Besuch von Bildungseinrichtungen hindern, könnten Geld- oder Gefängnisstrafen erhalten. Die Maßnahmen sollen für alle Kinder gleichermaßen gelten, unabhängig von ihrem religiösen oder familiären Hintergrund. Kommende Woche wird der Gesetzentwurf der französischen Regierung vorgelegt.

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