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"Pandemie des Misstrauens" besiegen: Rotkreuz-Vertreter warnen vor mangelnder Impfbereitschaft

Der Präsident der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC) warnt, dass Fehlinformationen und Misstrauen die weltweite Verteilung eines Coronavirus-Impfstoffs behindern könnten. Soziale Medien sollten 'die richtige Information' über Impfstoffe fördern, so sein Kollege.
"Pandemie des Misstrauens" besiegen: Rotkreuz-Vertreter warnen vor mangelnder ImpfbereitschaftQuelle: www.globallookpress.com © Cosimo Martemucci/Keystone Press Agency

Die ersten Impfstoff-Chargen gegen COVID-19 sind bald verfügbar. Francesco Rocca, Präsident der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC), hat jüngst davor gewarnt, dass eine "zweite Pandemie" von Fehlinformationen vermieden werden muss.

Falschnachrichten über Impfstoffe könnten die Öffentlichkeit davon abhalten, die Impfung zu erhalten. In seiner Rede auf einer virtuellen Pressekonferenz im Vorfeld einer Tagung der Vereinten Nationen betonte Rocca, dass seit Beginn der Pandemie ein hohes Maß an Misstrauen gegenüber den Gesundheitsbehörden "die Übertragung des Virus auf allen Ebenen deutlich erleichtert" habe. Rocca kritisierte außerdem den "Impfstoff-Nationalismus" reicher Länder, die in Exklusivverträgen mit Pharmaunternehmen riesige Mengen an Impfstoffen aufkauften. Er rief alle Staaten dazu auf, sich an der globalen Impfkampagne namens Covax zu beteiligen.
"Wir glauben, dass die massiven koordinierten Anstrengungen, die erforderlich sein werden, um den COVID-Impfstoff auf gerechte Weise einzuführen, mit ebenso massiven Anstrengungen einhergehen müssen, um proaktiv Vertrauen aufzubauen und zu schützen", so Rocca. "Um diese Pandemie zu besiegen, müssen wir auch die parallele Pandemie des Misstrauens besiegen."

Ob aus der Besorgnis über langfristige Nebenwirkungen, der Skepsis über ihren raschen Entwicklungsprozess oder auf der Basis von Verschwörungstheorien, Coronavirus-Impfstoffe konnten bisher kein weit verbreitetes Vertrauen erwecken. In einem Viertel der von Roccas Organisations befragten Länder lag die Akzeptanz von Impfstoffen bei rund 50 Prozent. Fast die Hälfte der Erwachsenen in den USA sagt, dass sie definitiv oder wahrscheinlich keine Impfung gegen Corona wollen, während mehr als ein Drittel der Menschen in Großbritannien die Impfung ablehnt.

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Emanuele Capobianco, Leiter des Bereichs Gesundheit und Pflege bei der IFRC, führte den mehr als verhaltenen Enthusiasmus der Öffentlichkeit auf gefälschte Nachrichten aus der "Anti-Impf-Bewegung" zurück. Laut Capobianco müssten Regierungen und Wissenschaftler daran arbeiten, "Fehlinformationen zu korrigieren" und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Impfstoffe "wirksam und sicher" seien. Auf Anfrage von RT erklärte er, dass er damit keine Zensur fordere, sondern auf positive Veränderungen dränge.

Capobianco dementierte, dass er vorschlug, Menschen zur Einnahme eines Impfstoffs zu zwingen, und er forderte auch kein Verbot von Impfstoff-skeptischen Inhalten im Internet. Stattdessen sagte er, dass Regierungen und soziale Medienunternehmen sich darauf konzentrieren sollten, "die richtigen Informationen so weit wie möglich zu verbreiten". Er hob hervor, dass Technologieunternehmen das Potenzial hätten, Vertreter positiver Veränderungen zu sein.

Dennoch haben diese Unternehmen Impfstoff-skeptische Inhalte ausdrücklich verboten. YouTube, Facebook und Twitter haben sich mit Regierungen zusammengetan, um "die Welle falscher Behauptungen" rund um das Virus zu bekämpfen, wobei sowohl Facebook als auch YouTube vermeintliche Fehlinformationen über die Krankheit und über Impfstoffe entfernen. Doch jeder Versuch, die Verbreitung vorgeblicher Fehlinformationen über Impfstoffe einzudämmen, läuft Gefahr, spektakulär nach hinten loszugehen. YouTube und Facebook erfuhren dies aus erster Hand, als sie im Mai den Verschwörungsdokumentarfilm "Plandemic" von ihren Plattformen entfernten. Das Verbot steigerte das Interesse an dem Film umso mehr und ein Buch zum Thema schoss auf Anhieb auf Platz drei der Bestsellerliste der New York Times.