Deutschland

Räumt Angela Merkel schon im März das Kanzleramt?

Ein Herausgeber des Tagesspiegel glaubt, dass der Abgang Angela Merkels aus dem Kanzleramt kurz bevorsteht – er tippt auf eine Machtübergabe an Annegret Kramp-Karrenber bereits im März. Ein derart schneller Wechsel ist aber noch längst nicht ausgemacht.
Räumt Angela Merkel schon im März das Kanzleramt?Quelle: AFP © John MacDougall

Stephan-Andreas Casdorff, Mit-Herausgeber des Tagesspiegel, hat in einem Meinungsbeitrag am Donnerstag einen baldigen Abgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorhergesagt. Es könne alles schneller gehen als gedacht.

Casdorff, dem als langjährigen Parlamentskorrespondenten gute Verbindungen zur Union unterstellt werden dürfen, hat einen günstigen Moment für derartige Manöver ausgemacht. Annegret Kramp-Karrenbauer, als Parteivorsitzende bereits Merkels Nachfolgerin, steht in den Umfragen überraschend gut da.

Ein baldiger Rückzug Merkels und die Übernahme des Kanzleramts durch Kramp-Karrenbauer könnte dieser Schwung für die Europawahl und die folgenden schwierigen Landtagswahlen verleihen. Als Zeitpunkt für eine solche Amtsübergabe stellt Casdorff den Monat März in den Raum.

Bild griff den Gedanken des Tagesspiegel-Herausgebers sofort auf, kaprizierte sich dabei aber gewohnheitsgemäß auf den im Ringen um den CDU-Vorsitz unterlegenen Friedrich Merz. "Merz schon im März Minister?" fragt Bild und hofft erkennbar, aus dieser Frage bald einen Satz mit Ausrufezeichen machen zu können.

Casdorffs Überlegungen wirken plausibel. Tatsächlich hätte eine baldige Machtübergabe sowohl für Merkel ihren Reiz, die sicher wenig Neigung verspürt, in einem schwieriger werdenden Umfeld noch lange als lahme Ente in der Regierungszentrale zu sitzen, als auch für Kramp-Karrenbauer, die mit Amtsbonus in die anstehenden Wahlen gehen und auch ihre Stellung in der Partei festigen könnte, unter Umständen tatsächlich durch eine Einbindung ihres ungeliebten Konkurrenten Merz in die Regierung.

Doch natürlich gibt es Risiken und Unwägbarkeiten. Mit dem momentanen Umfragehoch für Partei und Vorsitzende kann es schnell wieder vorbei sein. Und ob der sozialdemokratische Koalitionspartner der Union bei einem solchen Manöver mitziehen würde, ist offen. Klar ist: Alle Optionen werden derzeit im Kanzleramt intensiv durchgespielt. Dass Merkel tatsächlich, wie ursprünglich angekündigt, bis 2021 im Amt bleibt, muss mittlerweile als sehr unwahrscheinlich gelten.

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