Deutschland

Ermittlungen nach Anschlagsfahrt in Silvesternacht gehen weiter

Der 50-jährige Fahrer, der in der Silvesternacht im Ruhrgebiet sein Fahrzeug in mehrere Menschengruppen steuerte, sitzt in Untersuchungshaft. Acht Menschen wurden verletzt, darunter auch Kinder. Verbindungen zu rechtsradikalen Netzwerken habe der Mann vermutlich keine.
Ermittlungen nach Anschlagsfahrt in Silvesternacht gehen weiter Quelle: www.globallookpress.com © dpa/ Roland Weihrauch

Ersten Erkenntnissen nach handelte der 50-Jährige aus Fremdenhass. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen mehrfach versuchten Mordes erlassen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten. Er soll mit seinem Auto gezielt Jagd auf Ausländer gemacht haben. Im Internet kursieren Handy-Videos, die die Tat zeigen sollen: Als würde er nach etwas Ausschau halten steuert der Fahrer seinen silbernen Kombi über einen Platz mit feiernden Passanten. Dann gibt er Gas, obwohl oder weil dort Menschen im Weg sind.

Nach Erkenntnissen der Ermittler ist er an Schizophrenie erkrankt. Der Mann sei in der Vergangenheit mindestens einmal in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen worden. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Essen wollte sich am Mittwoch nicht zum Motiv und zu den Inhalten der Vernehmung äußern.

In Bottrop und in Essen fuhr der Mann gezielt Menschen mit seinem Pkw um. Unter den Opfern ist eine syrische Familie, eine afghanische Mutter und ihr 4-jähriger Sohn, ein 10-jähriges Mädchen aus Syrien und ein 34-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln. Die 46 Jahre alte syrische Mutter erlitt lebensgefährliche Verletzungen und musste notoperiert werden. Ihr Zustand ist wieder stabil. Auch ihr Ehemann und die beiden Töchter wurden verletzt. Ein Polizeisprecher sagte am Mittwoch, der Mann habe an Bushaltestellen gezielt seine Opfer ausgesucht. Ungeklärt bleibt, ob die Tat geplant oder eher spontan verübt wurde. Eine Polizeisprecherin in Münster: 

Aktuell gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass es von langer Hand geplant war.

Die erste registrierte Attacke ereignete sich in Bottrop um 23.45 Uhr – verletzt wurde niemand. An drei weiteren Tatorten soll er dann in Menschenansammlungen gefahren sein. Gut eine halbe Stunde später stellte die Polizei den Täter im benachbarten Essen. Schnell sprachen die Behörden von fremdenfeindlicher Gesinnung, aber auch davon, dass es Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Täters gebe.

Der Spiegel berichtet, der Mann habe in seiner Vernehmung gesagt, die vielen Ausländer seien ein Problem für Deutschland, das er lösen wolle.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach am Mittwochmorgen im Radiosender WDR5 von "ganz, ganz vielen offenen Fragen", unter anderem die, ob und wie solche Vorfälle verhindert werden können:

Es gibt in dieser Gesellschaft im Moment – und das bedrückt mich am meisten – zu viele, die von unterschiedlichen Motivlagen her meinen, sie hätte das Recht, Gewalt anzuwenden und damit Probleme zu lösen", sagte Reu.

Den noch unvollständigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge hatte der Mann keine Verbindungen in rechtsextreme Kreise. 

(rt deutsch/dpa)

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