Deutschland

Eis nach "Kiewer Art"? Edeka benennt traditionelles russisches Speiseeis um

Das "Canceln" der russischen Kultur und des russischen Lebensstils nimmt in Deutschland immer bizzarere Formen an. Nun hat die Einzelhändlerkette Edeka ihr Waffeleis umbenannt. Hieß es zuvor "Sandwich Moskauer Art", so soll es nach dem Willen der Verantwortlichen nun plötzlich von "Kiewer Art" sein. Wir erinnern an die Geschichte eines sowjetischen Produkts mit Kultstatus.
Eis nach "Kiewer Art"? Edeka benennt traditionelles russisches Speiseeis um© Eigene Aufnahme

Vor vier Monaten fragte RT DE angesichts einer Vielzahl russophober Aktionen in deutschen Supermarktketten: "Wo kann ein Russlanddeutscher noch einkaufen?" Edeka war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht sonderlich negativ mit antirussischem Aktionismus aufgefallen, holt nun aber mit einer besonderen Absurdität auf. 

Das traditionelle russische Waffeleis, das bisher auf den in EDEKA angebotenen Verpackungen den Zusatz "Moskauer Art" trug, wurde ausgerechnet in der heißesten Sommerzeit kurzerhand umbenannt und heißt nun "Eis Snack Sandwich Kiewer Art". 

Nun hat genau die betroffene Eissorte mit Kiew nur zu tun, dass seinerzeit in der Sowjetunion alle Eissorten landesweit verteilt überall hergestellt und verkauft wurden, in Moskau wie in Kiew, in Taschkent wie in Archangelsk. 

Das von der offenbar politisch motivierten Umbenennungsaktion bei Edeka betroffene Waffeleis ist auf dem Bild unten links dargestellt und heißt, wie auch die gleiche in Waffelbechern verkaufte Sorte, in Russland seit jeher "Plombir". Die Rezeptur ist ohnehin (Psst, bitte nicht den Edeka-Chefs verraten!) französischen Ursprungs. Der Name leitet sich nämlich von der Stadt Plombières-les-Bains in Frankreich ab, und das leckere Sahneeis soll dort bereits seit dem 17. Jahrhundert hergestellt worden sein. 

Der Legende nach kam die Rezeptur in Gefolge von Napoleons "Grande Armée" 1812 erstmals nach Russland, erste urkundliche Erwähnungen datieren auf das Jahr 1815. Mit der Zeit entfernte sich die russische Rezeptur etwas vom französischen Original. Produziert und gegessen wurde es vor der Revolution bereits in den besten Häusern Sankt Petersburgs und Moskaus. Erwähnungen aus der Kiewer Provinz vor 1940 sind nicht bekannt. 

Der großen Masse zugänglich und Teil des russischen Lebensstils wurde das Plombir-Eis erst nach der Revolution, als nämlich 1937 die erste Eisfabrik in Moskau die Produktion aufnahm. Der Reihe nach folgten Eisfabriken in Leningrad, Odessa, Sewastopol und Charkow. Die Kiewer Dependance nahm 1940 ihre Produktion auf. Bis Ende der 1950er Jahre war dann tatsächlich jede größere Stadt des Riesenlandes mit einer Eisfabrik ausgestattet, und "Plombir" und "Eskimo" wurden allen zugängliche Kultmarken. Jährlich wurden bis zu zwei Milliarden Portionen "Plombir" hergestellt und verkauft, der gesamte Eiskonsum eines Jahres erreichte in der Sowjetunion schon in den 1960er Jahren etwa 2,5 Kilogramm pro Kopf. Die damaligen GOST-Normen gelten für das in Russland produzierte Eis bis heute. So weit die Geschichte des russischen Eises, die Edeka nun umzuschreiben versucht.

In sozialen Netzwerken stieß die Umbenennungsaktion indes auf geteilte Reaktionen. Immerhin freut sich ein "Antifant" auf Twitter und schreibt:

"Edeka ist und bleibt einfach stabil. Dicken Dank für eure Haltung." 

Dem entgegnet eine andere Nutzerin: 

"Wem genau soll denn diese Symbolpolitik/ Virtue Signaling was bringen? Ich würde es ja begrüßen, wenn Edeka mit seinem Verkaufserlös vom "Eis Moskauer Art" die Flüchtlingshilfe unterstützt, aber so???"

Brigitte Berg alias "Herr Puppke" kommentiert den Vorgang sarkastisch: 

"Edeka hat sein Eis umbenannt. Gott sei Dank ... die Ukraine ist gerettet."

Drastischer formuliert es "Conny":

"Erst kommt die Verblödung mit Gendern, jetzt kommt Nr.2 Edeka nennt das Eis Moskauer Art in Kiewer Art um. Verblödung total und die Welt lacht nur noch über uns."

Nach Informationen von rtl news herrschen auch unter Edeka-Mitarbeitern gemischte Gefühle und Irritation. Der Leiter des Edeka-Marktes in Lubmin, Volker Kieckhefen, wird von der Ostsee-Zeitung zitiert: „Ich bezweifle, ob die Umbenennung überhaupt eine Wirkung erzielt." Lubmin ist der Ort, in dem auch die beiden Stränge der fertigen, aber ungenutzten Gaspipeline Nord Stream 2 an Land münden, die von der gegenwärtigen Sanktionspolitik auf besondere Art betroffen ist. Nach internen Informationen überwiegt nicht nur in Lubmin die Kritik unter Mitarbeitern und Kundschaft. Es wird sich zeigen, ob Edeka auf den Vorteil, bislang von den Kunden als eher rational und unpolitisch wahrgenommen worden zu sein, verzichtet und auf der seltsamen Umbenennung beharrt. 

Ein Service-Tweet empfiehlt für die Zwischenzeit:

"Original Moskauer Eis gibt es in russischen Läden. Wirklich lecker."

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