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Medienbericht: Willy Brandt wurde vier Jahre vom US-Militärgeheimdienst CIC als Informant geführt

Der ehemalige Kanzler Willy Brandt wurde vom US-Militärgeheimdienst CIC als Informant geführt. Geheimdokumente belegen: Mehr als 200 Mal traf er sich zwischen 1948 und 1952 mit Agenten. Dabei gab er insbesondere Informationen über die SED und die Sowjetischen Streitkräfte in der SBZ und später in der DDR weiter.
Medienbericht: Willy Brandt wurde vier Jahre vom US-Militärgeheimdienst CIC als Informant geführtQuelle: www.globallookpress.com © dpa

Wie der Spiegel berichtet, ist jetzt eine Liste des US-Militärgeheimdienstes Counter Intelligence Corps (CIC) vom 1. Juni 1952 aufgetaucht. Sie führt die Namen deutscher und österreichischer Informanten. Das Dokument ist alphabetisch geordnet und enthält Geburtsdaten, Staatsangehörigkeiten und Adressen der Quellen sowie die Zeitpunkte, zu denen die jeweiligen Kooperationen endeten. 

Auf einer Zeile steht "Brandt, Willy", wohnhaft in Berlin-Schlachtensee. Ende der Zusammenarbeit: 17. März 1952. Am Ende ist eine Fünf vermerkt, was nach CIC-Einstufung bedeutete, dass entweder der CIC oder Brandt das Interesse an der Zusammenarbeit verloren hatte.

Die Akte ist Teil eines ansonsten geheimen Konvoluts des CIC zu Brandt, das nun der Deutsch-Amerikaner Thomas Boghardt begutachten durfte. Der Historiker Boghardt ist leitender Wissenschaftler am Zentrum für Militärgeschichte der U.S. Army in Washington, D.C. Demnächst erscheint sein Buch über die Geschichte der US-Geheimdienste in der BRD.

Demnach verfasste Brandt seit 1948 Berichte an den CIC. Der Kalte Krieg zwischen US-Amerikanern und Sowjets war bereits im Gange und die Spaltung Deutschlands stand bevor. Als SPD-Funktionär und später als Bundestagsabgeordneter berichtete Brandt vor allem über die Sowjetische Besatzungszone (SBZ), die 1949 zur DDR werden sollte. Die Originalberichte wurden vermutlich vernichtet, doch konnte Boghardt Zugriff auf sogenannte Kontrollblätter, also Kopien, erhalten. Konkret gab Brandt Informationen über die SED und deren Funktionäre, die FDJ, politische Häftlinge im "Gelben Elend" in Bautzen sowie diverse Kombinate und Infrastrukturelemente, aber auch über die Telefonausstattung der Roten Armee in der SBZ weiter.

Die SPD-Zentrale befand sich damals in Hannover und suchte fähige Nachwuchspolitiker. Brandt verließ den norwegischen Staatsdienst – nach Skandinavien war er vor den Nazis geflüchtet – und wurde Anfang 1948 Vertreter des SPD-Parteivorstands in Westberlin und eine Art Botschafter der Sozialdemokraten beim Alliierten Kontrollrat, wie Biograf Peter Merseburger berichtet. Er nahm wieder die deutsche Staatsbürgerschaft an. Die Beziehungen zu den Siegermächten zählten fortan zu seinen Aufgaben, so auch mit dem CIC. In der Folge vermittelte er den US-Amerikanern mindestens einen Termin bei SPD-Chef Kurt Schumacher.

Der CIC entpuppte sich als eine Mischung aus Polizei und Geheimdienst. Auch der aus dem fränkischen Fürth stammende US-Außenminister Henry Kissinger diente dort als junger Mann. Im besetzten Deutschland hatte der Geheimdienst eine enorme Machtfülle: Er konnte "Verdächtige" festnehmen, Briefe öffnen, Telefone abhören. Zunächst verfolgten die US-Amerikaner NS-Verbrecher, mit dem Aufkommen des Ost-West-Konflikts wandten sie sich gegen die Sowjetunion und die SBZ bzw. DDR. Der Spiegel charakterisiert den späteren Bundeskanzler um 1950 mit folgenden Worten:

"Brandt, später als Entspannungspolitiker verehrt, war damals ein kalter Krieger, der die amerikanische Eindämmungspolitik gegenüber den Sowjets begrüßte."

Er sei ein Freund der Westmächte gewesen, der "wie ein wahrer Sozialist den Kommunismus hasst".

Der Historiker Boghardt behauptet, Brandt habe hinter dem Rücken seiner Genossen gehandelt. Dafür sprechen die Treffen zwischen Brandt und den US-Agenten im Geheimen, die Bezahlung und seine CIC-Registrierung mit der Nummer "O-35-VIII". Solche Kennziffern mit einem O wurden laut Boghardt an Akteure vergeben, die Informationen aus Organisationen weitergaben, zu denen sie aufgrund ihrer Stellung besonderen Zugang hatten, im Falle Brandts war es das Ostbüro der Berliner SPD.

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