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Von Wagnerplatz bis Lutherstraße: Berliner Antisemitismusforscher sieht 290 Straßennamen kritisch

Bei 290 Namen von Straßen oder Plätzen in Berlin gibt es laut einer neuen Studie antisemitische Bezüge. Der Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn verlangt daher eine gesellschaftliche Debatte in der Hauptstadt – und fordert Umbenennungen.
Von Wagnerplatz bis Lutherstraße: Berliner Antisemitismusforscher sieht 290 Straßennamen kritischQuelle: www.globallookpress.com © Christoph Soeder

290 Straßen- und Platznamen in Berlin haben antisemitische Bezüge – das behauptet eine Studie, die der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn beauftragt hat, wie der RBB berichtet, der die Studie auch verlinkt hat. Salzborn meint:

"Wir wollten eine systematische Grundlage für eine wichtige gesellschaftliche Diskussion schaffen."

Straßennamen stellen eine hohe Form der Ehrung dar. Die Hauptstadt sei gut beraten, diese Ehrung immer wieder "kritisch" zu prüfen. Der wenig bekannte Autor der Studie "Straßen- und Platznamen mit antisemitischen Bezügen in Berlin", Felix Sassmannshausen aus Leipzig, der unter anderem für die Zeitung Jungle World schreibt, empfahl am Montag in Berlin eine gesellschaftliche Debatte und in einer Vielzahl der Fälle auch eine Umbenennung.

Zu den betroffenen Straßennamen gehörten laut des Papiers bereits diskutierte Straßennamen wie die Treitschkestraße in Berlin-Steglitz und die Pacelliallee in Berlin-Dahlem, aber auch alle Martin-Luther-Straßen, die Otto-Dibelius-Straße in Charlottenburg oder der Pastor-Niemöller-Platz in Pankow. Nicht nur der Richard-Wagner Platz, sondern auch die nach den Opern des Komponisten benannten Tannhäuser- und Rienzistraße sollen aus dem kulturellen Gedächtnis des Stadtbildes getilgt werden.

In anderen Fällen wie der Thomas-Mann-Straße, der Rudolf-Harbig-Straße, dem Kaiserdamm (benannt nach Wilhelm II.), dem Hoffmann-von-Fallersleben-Platz oder dem Adenauerplatz plädierte der Gutachter für weitere Forschungen und eine digitale Kontextualisierung. Bei Adenauer heißt es:

"Es gibt verschiedene Hinweise auf antisemitische Ressentiments im Denken Adenauers, die sich auf ein Interview aus dem Jahr 1965 und auf Äußerungen Adenauers bei einem Treffen im Jahr 1954 beziehen. Während der antisemitischen 'Schmierwelle' Ende der 1950-er Jahre bagatellisierte Adenauer den Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft."

Der Studienautor schlägt vier verschiedene Eingriffsempfehlungen vor: Als niedrigste Stufe empfiehlt er einen Forschungs- oder Rechercheauftrag zu einem strittigen Straßennamen. Weitere Maßnahmen seien eine digitale Kontextualisierung, die auf den jeweiligen Online-Straßenplänen ergänzt wird, das Anbringen einer Tafel vor Ort und eine Umbenennung als ultima ratio.

Salzborn appellierte an Bewohner betroffener Straßen, eine mögliche Umbenennung nicht als Last anzusehen, sondern als Prozess politischer Bildung. Auch Straßennamen unterlägen gesellschaftlichen Veränderungen, wie der Antisemitismusbeauftragte mitteilte.

Straßenbenennungen und -umbenennungen liegen in der Hauptstadt in der Verantwortung der zwölf Bezirke. Oft gehen Umbenennungen auf Anregungen von Initiativen und anderen Akteuren aus der Zivilgesellschaft zurück. Im vergangenen Jahr ist das Prozedere vereinfacht worden.

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