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Interview: Warum gibt es in der Pandemie keine offene Diskussion über den Nutzen von PCR-Tests?

RT DE führte mit der Humanbiologin Frau Prof. Dr. Ulrike Kämmerer, die als molekularbiologische Expertin im April 2021 für das Familiengericht Weimar ein Gutachten erstellt hatte, ein Interview. Darin beschreibt sie die mangelhafte Aussagekraft von PCR-Tests hinsichtlich der Infektiosität einzelner Getesteter und der Feststellung einer weltweiten Pandemie.
Interview: Warum gibt es in der Pandemie keine offene Diskussion über den Nutzen von PCR-Tests?Quelle: Gettyimages.ru © Cavan Images

Frau Dr. Kämmerer, aktuell existieren unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die Existenz des Coronavirus SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde. Wie erklären Sie unseren Lesern diese Kontroverse?

Ulrike Kämmerer: "Das Virus wurde eindeutig von vielen Arbeitsgruppen nachgewiesen, in Zellkultur isoliert, mit dem Elektronenmikroskop dargestellt und molekular charakterisiert. Man kann die Viren als infektiöse Isolate sogar bei mehreren Institutionen käuflich erwerben – sofern die Berechtigung dafür vorliegt."

Auf welcher wissenschaftlichen Arbeit beruht die Entdeckung des neuen Coronavirus? 
Welches sind die biologischen Merkmale und Eigenschaften, aus denen sich seine besondere Gefährlichkeit erklären lässt?

Ulrike Kämmerer: "Das Virus wird in der Arbeit von Li Li Ren 'Die Identifizierung eines neuen Coronavirus, das schwere Lungenentzündung bei Menschen verursacht: eine beschreibende Studie' im Magazin Chinese Medical Journal im Mai 2020 erstmals belegt. Der Artikel wurde am 25. Januar 2020 eingereicht. In dieser Arbeit waren die Viren bereits isoliert, komplett "durchsequenziert" und charakterisiert.

Wie alle respiratorischen Viren ist das Virus nicht besonders gefährlich, wenn es auf ein intaktes Immunsystem stößt. Vor allem haben im Schnitt 35 bis 50 Prozent der Menschen schon eine Kreuzimmunität dagegen und sind somit geschützt. Die Arbeit 'SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19' ('SARS-CoV-2-reaktive T-Zellen bei gesunden Spendern und Patienten mit COVID-19') mit der Beschreibung des Anteils an Kreuzimmunisierten wurde schon im April 2020 von Julian Braun unter anderem mit Beteiligung von Christian Drosten als Manuskript eingereicht und im Juli 2020 in Nature publiziert.

Das Virus ist deshalb 'schärfer' als herkömmliche Erkältungs-Coronaviren, weil hier mit hoher Sicherheit eine sogenannte Furin-Spaltstelle gentechnisch "einkloniert" wurde. Das Spike-Protein wird dadurch löslich. Bei einem mangelhaften Immunsystem kann es sich deshalb im ganzen Körper verteilen und vom Rachenraum aus in die Lungen und in den Kreislauf gelangen. Das erklärt die schweren Verläufe bei Menschen, die zum Beispiel stark übergewichtig sind, an Diabetes erkrankt sind oder Vitamin-D-Mangel haben.

Das Schadenspotential des Ursprungsvirus wird auch dadurch erhöht, dass es künstlich an den menschlichen ACE2-Rezeptor optimiert wurde, um da besonders gut zu binden. Aber diese 'Basteleien' regeln sich zum Glück im Laufe der Zeit durch Mutationen und verschwinden wieder aus den Viren. Somit werden die zirkulierenden Virus-Varianten immer weniger gefährlich. Dagegen ist es problematisch, dass allerdings die mRNA- und Vektor-Impfstoffe noch die ursprüngliche scharfe und aggressive Genvariante enthalten."


Vor 30 Jahren entwickelte der US-Wissenschaftler und Chemienobelpreisträger Dr. Kary Mullis das PCR-Verfahren. Damit konnte man ab Anfang der neunziger Jahre erstmals winzige Mengen von genetischen Sequenzen detektieren. Es wurde nun auch möglich, Bruchteile von Viren in einzelnen menschlichen Körpern und deren Verbreitung in einer Gesellschaft nachzuweisen.

Die Mehrzahl der Menschen erfuhr jedoch erst im Frühjahr 2020 vom PCR-Test. Seitdem wurde diese Testmethode zum einzigartigen Messinstrument für eine Pandemie von weltweitem Ausmaß verwendet. Auf den Ergebnissen dieses Messinstruments beruhen alle politischen Ausnahmeregeln, alle Lockdowns und Unternehmenspleiten, alle Schulschließungen, alle neuen Homeschooling- und Homeoffice-Regeln, alle zusätzlichen Risiken für Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, alle Einschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit und alle Impfnötigungen. Weltweit stützen sich alle Ausnahmeregeln auf die Ergebnisse der flächendeckenden PCR-Testmessungen.

Der Erfinder Kary Mullis stellte in den neunziger Jahren allerdings fest, dass mit diesem Test keine Infektionen nachgewiesen werden können. Was hat sich seither geändert? Können aus Ihrer Sicht mit der PCR-Methode mittlerweile Infektionen nachgewiesen werden? Wie funktioniert überhaupt ein PCR –Test?

Ulrike Kämmerer: "Generell weist eine PCR nur das gesuchte Genomfragment nach. Die Technik entspricht einer Art molekularem Kopieren eines gesuchten Genschnipsels. Für den Test muss eingangs das genetische Material durch komplettes Zerlegen der Probe in Einzelteile vorbereitet werden. Bereits ab diesem Schritt lässt sich keine Aussage mehr treffen, ob sich in der Probe lebendes (oder vermehrungsfähiges) Material befunden hat oder nur abgestorbene Zellen/Mikroorganismen – oder sogar nur noch Restfragmente des gesuchten Genoms. So, als wenn man eine Seite eines großen Buches kopiert und dazu vorher das Buch komplett zerlegen muss. Da kann man aus der Kopie der Buchseite auch nicht mehr schließen, ob am Anfang das Buch komplett gebunden vorlag oder nur eine einzelne kopierte Seite."

Lag Prof. Christian Drosten, dem Entwickler des für den Coronavirus kalibrierten PCR-Tests, eine genaue Definition oder ein Goldstandard für das neue Virus vor, auf den er seinen Test ausrichten konnte? Benötigt man ein isoliertes Virus, um den PCR-Test zu kalibrieren?

Ulrike Kämmerer: "Der Test ist nicht 'kalibriert'. Man braucht prinzipiell zur Entwicklung eines PCR-Nachweises nur die genaue Gensequenz des gesuchten Genabschnittes. Herr Drosten und seine Co-Autoren haben bereits in der ersten Veröffentlichung über die PCR bei der WHO am 13.01.2020 für den Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion sechs komplette Virussequenzen aus Wuhan zum Abgleich vorzuliegen gehabt.

Um die Tauglichkeit des jeweiligen PCR-Tests zu prüfen, braucht man dann allerdings eine reale und klar definierte Probe – eine sogenannte Eichprobe –, also das isolierte Originalvirus in bekannter Virusmenge von z.B. 1 Million Viren pro Mikroliter. Der PCR-Test ist nur dann valide, wenn er bei dieser Eichprobe positiv wird, nicht aber bei anderen Viren und Zellen.

Dieses als definierte Probe geeignete Virus gab es bereits seit dem Ausbruch in Wuhan, wie auch die Arbeit von Ren belegt. Demnach hatten die Chinesen die Viren bereits im Dezember 2019 aus Patientenproben isoliert und mit ihrer eigenen, noch vor Drosten entwickelten PCR nachgewiesen. Die PCR von Drosten hätte man überhaupt nicht benötigt.

Grundsätzlich kann man also mit der PCR das Vorhandensein von Gensequenzen eines definierten Virus nachweisen, wenn der Test positiv ist. Aber man kann damit nicht prüfen und nicht erkennen, ob komplette vermehrungsfähige Viren vorhanden sind oder nur Überreste von z.B. bereits erfolgreich bekämpften Viren.

Außerdem hat das RKI frühzeitig bestätigt, dass der Goldstandard zum Nachweis infektiöser Viren immer die Virusisolation in Zellkultur sein muss. Das heißt, dass von jeder PCR-getesteten Person mit einem Positiv-Ergebnis eine Viruszellkultur angezüchtet werden muss, um deren tatsächliche Infektiosität zu belegen. Das wird nicht gemacht.

Warum gibt es bis heute keinen Standard hinsichtlich der Anzahl der Wiederholungen der Polymerase-Kettenreaktionen, die beim Testprozess durchgeführt werden? In verschiedenen Laboren wird das Verfahren zwischen 20 und 40 Mal wiederholt, um das Testergebnis zu bestimmen.

Ulrike Kämmerer: "Gute Frage, eigentlich müsste jedes Labor immer eine sogenannte Standardreihe mit verdünnten Viren in bekannter Menge in der PCR mitführen und dann daraufhin den Ct-Wert der PCR anpassen. Der Ct-Wert gibt an, wie viele Replikationen durchgeführt werden müssen, bis die gesuchten Gensequenzen nachgewiesen werden können, wann also eine Reaktion die Schwelle des Hintergrundrauschens (threshold) überschreitet.
Als Faustregel hat sich herauskristallisiert, dass bei einer korrekten PCR 30 Kopierrunden (Zyklen) der Maximalwert sind, bis zu dem eine positive Probe bei einer Virusanzucht noch ein positives Ergebnis liefern würde.

Da aber die Labore unterschiedliche, bereits vorgefertigte PCR-Tests verwenden, müssten sie eigentlich vor Einsatz der Tests erstmal Standardreihen mit Eichmaterial durchführen, um festzustellen, ab wie vielen Replikationen die jeweiligen Tests positiv werden.

Erst dann könnte man feststellen, ob die Patientenprobe so viele Kopien von Genabschnitten des Virus enthält, dass sie einer infektiösen Dosis entsprechen würden, wenn die Viren nachweislich intakt und vermehrungsfähig wären. Da man aber genau dies nicht mit einer PCR nachweisen kann, ist die Frage der Infektiosität nicht mit der PCR zu klären. Das lässt sich nur aus dem klinischen Bild oder den Krankheitssymptomen schließen – oder aus einer positiven Zellkultur."

Welche Fragen und Widersprüchlichkeiten werden aktuell unter den Virologen und Mikrobiologen weltweit über den Virusnachweis und den PCR-Test diskutiert?

Ulrike Kämmerer: "Darüber gibt es keine offene Diskussion. Der Virusnachweis, also die Existenz des Virus SARS-CoV-2, wird aber nur von einigen wenigen außerhalb der Virologie – warum auch immer – angezweifelt. Es gibt aber auch keine Diskussion darüber, ob die PCR in der gegenwärtigen Situation das geeignete Instrument ist. Schließlich wird damit ja auch bei den Virologen an den Instituten richtig viel Geld verdient."

Schon seit Beginn der Erforschung von Keimen gab es unterschiedliche Auffassungen zu den Ursachen von Infektionskrankheiten. Auf der einen Seite wurden Bakterien und Viren für das Krankheitsgeschehen verantwortlich gemacht. Auf der anderen Seite gab es Wissenschaftler, die den Zustand des jeweiligen menschlichen Immunsystems auf das 'Milieu' der Mikroorganismen als Hauptursache für die Entwicklung von Infektionen bewerteten. Spielt diese Kontroverse heute noch eine Rolle in der Wissenschaft?

Ulrike Kämmerer: "Das ist im Prinzip die Theorie über den Erreger und das Milieu: Man braucht einen spezifischen Erreger, der die Krankheit verursachen kann. Aber die Krankheit bricht nur aus, wenn das Immunsystem den Erreger nicht in den Griff bekommt. Es gehört also beides zusammen, ein Auslöser für die Krankheit – Bakterien, Viren, Pilze, Mikroorganismen, Parasiten – und ein geschwächtes Immunsystem.

Jeder kennt das: Alle in der Umgebung werden krank, nur man selbst nicht. Dann hat das Immunsystem den Erreger aufgrund einer Vorerkrankung oder einer Impfung entweder schon gekannt und gleich über eine spezifische Immunantwort eliminiert oder man hat ein sehr gutes angeborenes Immunsystem. Ein gutes Immunsystem kann sich sofort zur Wehr setzen, sobald der Erreger die ersten Zellen befallen hat.

Übertragen auf die aktuelle COVID-19-Situation heißt das: Viele Menschen haben mit sehr nah verwandten Erkältungs-Coronaviren im Laufe der Jahre Kontakt gehabt und eine sogenannte Kreuzimmunität entwickelt. Dadurch werden SARS-CoV-2-Viren sofort erkannt und ausgeschaltet, bevor man richtig krank wird.

Sollte aber ein Mensch in den letzten Jahren allen Keimen aus dem Weg gegangen sein, kann dessen Immunsystem keine Vorerfahrung und Kreuzreaktivität haben. Wenn dann noch eine Schwäche des Immunsystems z.B. durch das Metabolische Syndrom, also Übergewicht und Diabetes, oder andere Erkrankungen dazu kommen, dann können die Erreger richtig krank machen."

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Prof. Dr. Ulrike Kämmerer hat als molekularbiologische Expertin im April 2021 für das Familiengericht Weimar ein Gutachten erstellt. Darin beschreibt sie die mangelnde Aussagekraft des PCR-Test hinsichtlich der Infektiösität einzelner Getesteter und hinsichtlich der Feststellung einer weltweiten Pandemie.

Das Interview führte Felicitas Rabe.

Information:

Das Virus SARS-CoV-2 löst laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Atemwegserkrankung COVID-19 aus. Am 11. März 2020 hat die WHO eine Pandemie ausgerufen. Grundlage dafür ist die weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und in der Regel auch mit schweren Krankheitsverläufen. Nach offizieller Einschätzung handelt es sich um ein gefährliches Virus sowie um eine Krankheit, die vor allem für sogenannte Risikogruppen tödlich ausgehen kann. Generell gilt, dass neben Impfungen Corona-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und die AHA+A+L-Regeln – Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alltag mit Maske, die Nutzung der Corona-Warn-App und regelmäßiges Lüften – essenziell sind. Auch die regelmäßige Verwendung von PCR-Tests, um potenziell infizierte Personen zu identifizieren, damit diese sich in Quarantäne begeben können, wird von den Behörden als sinnvoll erachtet, um die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Erregers zu identifizieren. Die Erklärungen der WHO und des für Deutschland zuständigen Robert-Koch-Institutes zum Virus und zur Pandemie finden Sie hier und hier.

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