Deutschland

Krankenhausgesellschaften erneut in Sorge vor Überbelastung der Kliniken

Angesichts der steigenden Zahl an positiv auf Corona getesteten Personen befürchten einige Vertreter der Krankenhausgesellschaften erneut eine zunehmende Auslastung der Intensivstationen. Die Auslastung ist aktuell jedoch bei Weitem nicht so hoch wie während der dritten Welle.
Krankenhausgesellschaften erneut in Sorge vor Überbelastung der KlinikenQuelle: www.globallookpress.com © Marcus Brandt/dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, erklärte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dass man "sich in einer kritischen Situation der Pandemie" befinde, da die Zahl der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Personen in der letzten Woche deutlich gestiegen sei. Auf den Normalstationen seien 40 Prozent mehr positiv auf Corona getestete Personen, auf der Intensivstation seien es 15 Prozent:

"Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3.000 Patienten auf Intensivstation."

Gaß räumte ein, dass die Krankenhäuser auch die Behandlung von 3.000 Patienten gewährleisten könnten. Dazu müsse man jedoch den Regelbetrieb einschränken und weniger dringende, planbare Behandlungen verschieben. Derzeit werden über 1.700 Patienten mit einem positiven Corona-Test auf den Intensivstationen der Krankenhäuser behandelt. Am "Höhepunkt" der Coronakrise im Januar 2021 betrug die Zahl der Patienten auf der Intensivstation über 5.700 – die Belastungsgrenze der Krankenhäuser ist also noch lange nicht erreicht. Die Hospitalisierungsrate liegt aktuell bei einem Wert von 3,07 und damit ebenfalls deutlich unter dem Wert von über 15, der während der dritten Welle zu verzeichnen war.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in letzter Zeit deutlich gestiegen. Sie liegt nun mit 130,2 beziehungsweise insgesamt 28.037 Corona-Verdachtsfällen deutlich über dem Wert vom letzten Jahr, als die Inzidenz etwa bei 100 lag und der "Lockdown light" beschlossen wurde. Ein wesentlicher Unterschied zum letzten Jahr besteht allerdings darin, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter den positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Personen derzeit deutlich höher ist. Aktuell sind fast 6.000 Kinder unter 15 Jahren positiv auf Corona getestet worden. Damit ist seit Beginn der Coronakrise ein Maximum erreicht.

Der Anstieg dürfte auch auf das Ferienende in mehreren Bundesländern zurückzuführen sein. Und auf die Tatsache, dass in Schulen wieder Präsenzunterricht mit regelmäßigen Tests stattfindet, während die Jungen und Mädchen das letzte Jahr zeitweise im Heimunterricht verbrachten. Eine COVID-19-Erkrankung verläuft bei Kindern in den meisten Fällen zwar mild. Aber dennoch plädiert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, für die baldige Corona-Impfung der Unter-12-Jährigen. Gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe erklärte er:

"Wir hoffen darauf, dass in den nächsten Wochen eine europäische Zulassung des BioNTech-Impfstoffs für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen kommt, die dann auch in Deutschland übernommen wird."

Den Worten Dötschs zufolge wären die Corona-Impfungen in dieser Altersgruppe auch ohne ausdrückliche Genehmigung der Ständigen Impfkommission (STIKO) "rechtlich abgesichert". Eine Empfehlung könne dann nach einer genauen Prüfung der Daten später erfolgen.

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