Deutschland

Geisterfahrer beim Zweiten? Wie das ZDF mit Desinformation "Fake News" von RT DE aufdecken wollte

Auch das ZDF-Nachrichtenformat "heute" widmete sich der Löschung der YouTube-Kanäle von RT DE. Um ebenfalls zu unterstreichen, dass bei RT DE Desinformation verbreitet werde, suchte man sich zwei Artikel aus dem Jahr 2020 heraus. Doch der Schuss ging nach hinten los.
Geisterfahrer beim Zweiten? Wie das ZDF mit Desinformation "Fake News" von RT DE aufdecken wollte

Am Mittwoch widmete sich das ZDF-Nachrichtenformat heute der ausgebrochenen Debatte um die Schließung der YouTube-Kanäle von RT DE. Eines vorweg: In seinen Leitlinien ist von "gemeinsamen Werten" die Rede, zu denen auch "unabhängiger Journalismus" zähle.

Das ZDF sei seinem "Fernsehpublikum verpflichtet", heißt es, und begegne den eigenen Zuschauern nicht nur respektvoll, sondern biete "ihnen Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit". "Seine Programme sind den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness verpflichtet."

Als Beispiele dafür, dass RT DE zu Recht"von Pandemiebeginn an" für "Desinformation" kritisiert werde, präsentiert das Nachrichten-Aushängeschild des ZDF Überschriften zweier Artikel von RT DE aus dem vergangenen Jahr.

"Bitte Gürtel enger schnallen – das hat Bundespräsident Steinmeier nie gesagt."

Daher handele es sich um eine Falschbehauptung. Das Problem ist nur: Es wurde nicht nur nie gesagt, sondern im entsprechenden Meinungsartikel vom Mai 2020 auch nie behauptet. Es handelt sich tatsächlich nicht um ein Zitat des Bundespräsidenten und ist daher auch nicht als solches gekennzeichnet.

In keinem Satz des Artikels werden dem Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland die entsprechenden Worte in den Mund gelegt. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass der SPD-Politiker in seiner Videobotschaft vom 22. April 2020 die Bevölkerung auf einen "abnehmenden Wohlstand" eingestimmt habe. Und dann findet sich doch ein Zitat Steinmeiers:

"Wahr ist, die Zeit wird nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wir werden einiges von dem gemeinsam erarbeiteten Wohlstand preisgeben."

Doch damit ist die Beweisaufnahme im Bericht von ZDF heute in Sachen vermeintlicher Desinformation noch nicht abgeschlossen. Als zweites Beispiel wird auf einen Artikel vom 23. November 2020 verwiesen.

"Auch Karl Lauterbachs angeblicher Satz 'könnten Sport komplett verbieten' ist falsch."

Konnte RT DE zumindest im zweiten Fall der Falschaussage überführt und das Handwerk gelegt werden? Zumindest handelt es sich auch hier um Desinformation, allerdings des ZDF. Eine wenige Sekunden kostende Google-Recherche macht dies offensichtlich.

"Geisterfahrer Lauterbach? 'Könnten Sport komplett verbieten'", lautete der Titel des entsprechenden Artikels. In diesem wird auf eine Aussage des SPD-Politikers und Mediziners vom November 2020 verwiesen: "Sollten sich die Fallzahlen nicht gut entwickeln, 'dann könnte ich mir gut vorstellen, dass wir den Freizeitsport und auch den Profisport, zumindest den Hallensport, komplett verbieten'."

Man fragt sich ungläubig, welcher Praktikant in der ZDF-Redaktion diesen Artikel von RT DE auserkor, um dann dem Titel, der die von Lauterbach genutzten Worte "Freizeitsport", "Profisport" und "Hallensport" zu "Sport" zusammenfasst, den Stempel "falsch" aufzudrücken. Zumal es sich um ein Zitat aus einem Lauterbach-Interview handelt.

Etliche als Qualitätsmedien bezeichnete Medienerzeugnisse griffen die von RT DE zitierte Passage ebenfalls auf. Aus dem Hause Axel Springer veröffentlichte etwa die Welt unter dem Titel: "Könnte mir vorstellen, dass wir den Freizeitsport komplett verbieten" das gesamte Interview der Deutschen-Presse-Agentur. Dort heißt es:

"Frage: Falls sich die Fallzahlen nicht gut entwickeln, was dann? Lauterbach: Dann könnte ich mir gut vorstellen, dass wir den Freizeitsport und auch den Profisport, zumindest den Hallensport, komplett verbieten. Selbst beim Profi-Fußball bin ich nicht sicher, wie lange wir das noch durchhalten."

Bei t-online hieß es kurzum: "Lauterbach: Sport könnte verboten werden". Focus Online griff zu einem etwas düstereren Wortwahl: "Lauterbachs düstere Prognose: 'Könnte mir vorstellen, dass wir Freizeitsport komplett verbieten'".

Richtig zur Sache ging es aufgrund der Einlassungen Lauterbachs auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Aufgrund der Worte des SPD-Politikers war sich etwa Welt-Autor Ulf Poschardt sicher:

"Wer endlich noch mehr Verbote will, wählt SPD."

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