Deutschland

Vorsitzende des Marburger Bundes: Die Impfquote ist zu niedrig, um Maßnahmen aufzuheben

Die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund weist die Forderung nach einer Beendigung der Corona-Maßnahmen mit Verweis auf die zu niedrige Impfquote zurück. Im Sommer sprach sie von einer anzustrebenden Impfquote von mehr als 80 Prozent.
Vorsitzende des Marburger Bundes: Die Impfquote ist zu niedrig, um Maßnahmen aufzuhebenQuelle: www.globallookpress.com © Christian Charisius

Die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, hat den Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für seine Forderung kritisiert, die staatlich verordneten Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern zu beenden.

Johna ist ausgebildete Internistin und Gesundheitsökonomin. Neben ihrer Tätigkeit als Oberärztin für Krankenhaushygiene ist sie seit 2016 Mitglied im Bundesvorstand des Marburger Bundes. Seit 2016 sitzt Johna auch im Vorstand der Bundesärztekammer, in dem sie die Funktion als Pandemiebeauftragte ausübt.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Johna:

"Die Impf­quote ist viel zu niedrig, um beispiels­weise Maßnahmen wie die Masken­pflicht in Innen­räumen aufzuheben."

In der vergangenen Woche hatte sich der Vorstand der KBV unter anderem dafür ausgesprochen, den Bürgern zu einem baldigen Zeitpunkt die Impfentscheidung selbst zu überlassen.

Wenn eine Impfpflicht von der Politik nicht gewollt sei, müsse sie die staatlich veranlassten Einschränkungen aufheben, hatte Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandschef der KBV, auf der Vertretersammlung mitgeteilt.

Keine Alternativen im Infektionsgeschehen

Für den Herbst geht Johna von einer steigenden Infektionszahl aus und warnte vor einer Überbelastung der Krankenhäuser. Als Ärztin sei es ihre Pflicht, sagte sie, Krankheiten zu vermeiden.

Im Juli mahnte Johna, die Maskenpflicht in Innenräumen nicht aufzuheben. Die Maske schütze nämlich nicht nur vor dem Coronavirus, sondern auch vor Grippeviren. Das habe der Ausfall der Grippewelle 2020 gezeigt.

Bereits im November 2020 hatte Johna dargelegt, dass sie den Aufgabenbereich von Ärzten im präventiven Eingriff in die Gesundheit begreift. In diesem Sinn hält die Vorsitzende des Marburger Bunds das Tragen von Masken für ein geeignetes Mittel mit einem "eindämmenden Effekt".

Im Mai 2021 hatte Johna ihre Perspektive zum Impfen veranschaulicht. In einem Gespräch mit Daniel Bahr (FDP), ehemaliger Bundesgesundheitsminister, Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung und "Young Global Leader" des Weltwirtschaftsforums, antwortete sie auf die Frage, ob sie Alternativen zum Impfen sehe:

"Nein. Die Menschen, die sich in den letzten Wochen infiziert haben, die hatten ein halbes Jahr Zeit, sich die erste Impfung geben zu lassen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Infektion eine gute Idee ist."

Für Johna war die Frage nur, ab wann man Kinder und Jugendliche impfen werde. Im Mai war die Impfung nur für Jugendliche über 16 Jahren zugelassen. Bereits damals ging Johna davon aus, dass der Impfstoff bald auch für Jugendliche über zwölf Jahren zugelassen werden würde. Nur für Kinder unter zwölf Jahren müsse genau geprüft werden, ob der Nutzen der Impfung den potenziellen Schaden überwiegt.

Um eine Herdenimmunität zu erreichen – die Chance ist Johna zufolge in Deutschland da –, bräuchte man mehr als 80 Prozent Geimpfte.

Vollständige Normalität ab März 2022

Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), sprach sich gegen die Forderung der KBV aus. Den sogenannten "Freedom Day" schloss Rüddel für dieses Jahr aus. Erst müsste die Impfung für Kinder ab fünf Jahren zugelassen werden. Um die Krankenhäuser nicht zu überlasten, seien die 2G- bzw. 3G-Regel der richtige Weg, um weitere Einschränkungen für Herbst und Winter zu vermeiden.

Danach könnten die Einschränkungen für die Bürger, die sich geimpft haben lassen und "die ihren Solidaritätsbeitrag erbracht haben", aufgehoben werden. Im Gespräch mit dem RND deutete Rüddel an:

"Ich rechne mit vollständiger Normalität ab März 2022. Bis dahin müssen die Ungeimpften abwägen, was ihnen wichtig ist."

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