Deutschland

Spott, Kritik, Morddrohungen: Social-Media-Impfkampagne der Bundesregierung geht daneben

Die Kampagne der deutschen Regierung, Influencer in den sozialen Medien zu engagieren, um die Menschen zu einer Corona-Impfung zu bewegen, ist auf scharfe Gegenreaktionen gestoßen. Es kam sogar zu Morddrohungen. Die US-Regierung hatte bereits eine ähnliche Kampagne gestartet.
Spott, Kritik, Morddrohungen: Social-Media-Impfkampagne der Bundesregierung geht daneben© Screenshot: Youtube / Siqnificant

Um die stagnierenden Impfzahlen in Deutschland zu erhöhen, hat die deutsche Bundesregierung im August eine Impfkampagne mit fünf sogenannten Social-Media-Influencern gestartet. Die Influencer treten in Videos auf, die von der Regierung gesponsert wurden. Diese sind etwa fünfzehn Sekunden lang und verwenden Anspielungen auf die Popkultur, um junge Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen.

Die Videos werden unter anderem auf Instagram, Snapchat, TikTok, Spotify und YouTube veröffentlicht und zeigen Influencer wie Alicia Awa, Diademlori, Inscope21, SelfieSandra und Twenty4Tim. Das Niveau der in den Clips verbreiteten Argumente lässt auf das anvisierte Publikum schließen. So sagt SelfieSandra in ihrem Video:

"Ich lass mich nicht impfen, weil ich Angst vor der Nadel hab! Hattest du auch Angst, als du dich botoxen lassen hast? Hahaha. Oder bei den Tattoos auf deinem Körper? Ich glaube nicht! Also lass dich impfen!"

Allerdings fielen die Reaktionen auf die Videos nicht so aus, wie es sich die Regierung offenbar erhofft hatte. Die Kommentare unter den Videos waren zu einem Großteil von Spott und scharfer Kritik bestimmt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, erhielt einer der Influencer sogar Morddrohungen. Die FAZ stellte fest, dass die Reaktionen insgesamt negativ gewesen seien, was die Bundesregierung selbst gegenüber der Zeitung zugegeben habe. Ein Sprecher der Regierung sagte:

"Wir haben natürlich die breite Kommentarlage wahrgenommen. Jeder und jede soll die eigene Meinung frei äußern ... Der den Testimonials teilweise entgegengebrachte Hass, die Beleidigungen und Gewaltandrohungen sind jedoch völlig inakzeptabel und überschreiten klar eine rote Linie."

Laut der FAZ wollte die Regierung die Kosten für die Kampagne nicht veröffentlichen. Allerdings stellte die Zeitung fest, dass "laut der Facebook-Werbedatenbank die Regierung auch niedrige vierstellige Beträge für die Platzierung der Videos gezahlt, die Werbung aber inzwischen eingestellt hat. Auch auf TikTok hat die Bundesregierung (...) die Kampagne zurückgezogen."

Die Anzahl der täglich in der Bundesrepublik verabreichten COVID-19-Impfdosen ist in den letzten Monaten kontinuierlich zurückgegangen – von gut 870.000 Mitte Juni auf nur noch gut 200.000 Anfang September.

Anfang August berichtete die New York Times, dass das Weiße Haus mit zwei Firmen, Village Marketing und Made to Save, zusammengearbeitet habe, um eine US-Kampagne zu starten, die den Zugang zu Impfstoffen gegen das Coronavirus fördern sollte, indem Influencer für die Verbreitung ihrer Botschaft eingesetzt wurden.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, hat die Strategie in früheren Pressegesprächen erörtert und gesagt, das Ziel sei es, "die Menschen dort zu treffen, wo sie sind", indem man Influencer einsetzt, um genaue Informationen an ein größeres Publikum zu verbreiten.

Psaki hat auch eingeräumt, dass Biden für manche Menschen nicht der beste Botschafter sei, um ihnen das Zögern in Bezug auf den Impfstoff zu nehmen, und dass andere vertrauenswürdige Stimmen helfen könnten, einige Menschen zu beruhigen. Jeder Trend, der in den USA seinen Anfang nimmt, kommt scheinbar auch in Deutschland an.

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