Deutschland

Corona-Impfung bei Jugendlichen: 24 Fälle von Herzmuskelentzündungen in Deutschland

In Deutschland sind seit Ende Mai Corona-Impfungen für Zwölf- bis 17-Jährige rechtlich möglich. Bislang wurden dieser Altersgruppe mehr als 1,3 Millionen Dosen verabreicht. Aktuelle Daten zeigen, dass auch hierzulande Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkung auftraten.
Corona-Impfung bei Jugendlichen: 24 Fälle von Herzmuskelentzündungen in DeutschlandQuelle: AFP © Valerie Macon

Nach Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von BioNTech/Pfizer wurden bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren bis Ende Juli 24 Fälle einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) gemeldet. Dies geht aus aktuellen Daten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hervor, das für die Sicherheit von Impfstoffen in Deutschland zuständig ist. Der Bericht zu "Verdachtsfällen von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen" wurde am Freitag veröffentlicht.

Seit Ende Mai ist eine Immunisierung gegen SARS-CoV-2 für Kinder ab zwölf Jahren rechtlich möglich – nach ausführlicher ärztlicher Beratung. Zur Verfügung stand zunächst das Präparat von BioNTech/Pfizer, das seit 31. März 2021 auch für die Impfung von Zwölf- bis 15-Jährigen zugelassen wurde. Inzwischen ist seit Ende Juli auch der Impfstoff von Moderna ab zwölf Jahren zugelassen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Ständige Impfkommission (STIKO) nach wochenlanger Prüfung für das Vakzin gegen das Coronavirus auch bei allen zwischen zwölf und 17 Jahren ausgesprochen.

Bislang wurden dieser Altersgruppe mehr als 1,3 Millionen Dosen verabreicht. Mindestens 26 Prozent aller Zwölf- bis 17-Jährigen hierzulande wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bislang einmal geimpft, rund 17 Prozent gelten als vollständig geimpft, haben also beide Dosen verabreicht bekommen. 

Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts gab es bis zum 31. Juli 731 Meldungen über den Verdacht einer Nebenwirkung bei Jugendlichen, davon seien 116 Meldungen schwerwiegend gewesen. Gemeldet seien "zum größten Teil Lokalreaktionen und bekannte Allgemeinreaktionen". Von den schwerwiegenden Reaktionen sei am häufigsten über eine Myokarditis berichtet worden. Betroffen von der Herzmuskelentzündung seien 22 männliche und zwei weibliche Jugendliche gewesen. Die Reaktionen traten nach PEI-Angaben überwiegend nach der zweiten Impfung auf.

Die Daten wiesen darauf hin, dass mehr Fälle berichtet wurden, als statistisch zufällig zu erwarten sei. Laut Bericht seien "innerhalb von 14 Tagen ca. fünf Fälle einer Myokarditis in der Impfkohorte erwartet worden, tatsächlich gemeldet wurden 15 Fälle; innerhalb von 30 Tagen wären zehn Fälle erwartet worden, gemeldet wurden 24". Das Nutzen-Risiko-Verhältnis der mRNA-Impfstoffe wie dem von BioNTech/Pfizer bewertet das PEI unter anderem wegen der Seltenheit der Berichte dennoch weiter positiv.

Am zweithäufigsten seien in Deutschland anaphylaktische Reaktionen bei sieben weiblichen Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren berichtet worden. Zudem seien sechs Krampfanfälle bei drei männlichen und drei weiblichen Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren gemeldet worden, davon zwei Fälle bei bekannter Epilepsie.

185 Nebenwirkungsmeldungen betrafen laut PEI-Bericht Jugendliche bis 15 Jahre. In zehn Fällen seien die Reaktionen bei den Jugendlichen im Alter von zwölf bis 15 Jahren schwerwiegend gewesen. Ein Todesfall wurde berichtet – der eines 15 Jahre alten Jungen mit schweren Vorerkrankungen. Im Bericht heißt es dazu: "Der Junge verstarb zwei Tage nach der Impfung. Als Reaktion wurde Fieber mitgeteilt. Der ursächliche Zusammenhang mit der Impfung ist aufgrund fehlender Informationen nicht zu beurteilen."

In der wissenschaftlichen Begründung der STIKO zu ihrer Impfempfehlung für Zwölf- bis 17-Jährige wird auch darauf hingewiesen, dass bisher Herzmuskelentzündungen als "gesicherte, aber sehr seltene unerwünschte" Impfnebenwirkung bekannt seien. Jene könnten bei Jungen häufiger als bei Mädchen auftreten. Die Erkrankung verläuft laut STIKO unter stationärer Behandlung meist mild. Über mögliche Langzeitfolgen lägen noch keine Erkenntnisse vor. Zugleich verweist die STIKO darauf, dass COVID-19 "in der Regel bei Kindern und Jugendlichen keine schwere Erkrankung" sei. Die Mehrzahl der SARS-CoV-2-Infektionen verlaufe asymptomatisch oder mit milden Symptomen. Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen ohne Vorerkrankungen seien eine absolute Seltenheit, heißt es weiter.

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