Deutschland

Kanzlerin Merkel auf Pressekonferenz: Afghanistan-Einsatz "nicht so geglückt" wie gedacht

Die Bundeskanzlerin sprach von einer bitteren Entwicklung für die Afghanen, aber auch für Deutschland und seine NATO-Bündnispartner. Die Bundeswehr und zivile Organisationen hätten innerhalb von 20 Jahren Wichtiges geleistet. Bei künftigen Einsätzen müsse man sich aber kleinere Ziele setzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Montagabend zur Machtübernahme der Taliban in Afghanistan geäußert. "Bitter, dramatisch und furchtbar ist diese Entwicklung natürlich ganz besonders für die Menschen in Afghanistan, diesem Land, das in seiner Geschichte immer wieder so geschunden wurde", sagte Merkel auf einer Pressekonferenz. Die Taliban hätten Afghanistan in "atemberaubender Geschwindigkeit" unter ihre Kontrolle gebracht.

"Die Entwicklung ist furchtbar für die Millionen Afghanen, die sich für eine freiere Gesellschaft eingesetzt haben und die mit Unterstützung der westlichen Staatengemeinschaft auf Demokratie, auf Bildung auf Frauenrechte gesetzt und dabei auch wichtige Fortschritte erreicht haben."

Bitter sei die Rückeroberung Afghanistans durch die Taliban auch für Deutschland, die USA und die NATO, die 20 Jahre gegen den Terrorismus und freiere Strukturen gekämpft hätten. Die Bundeswehr und zivile Organisationen hätten in dieser Zeit Wichtiges geleistet. Die Verletzten und die 59 Verstorbenen Soldaten der Bundeswehr dürften nie vergessen werden.

Priorität habe weiterhin, die übrigen Mitarbeiter der deutschen Botschaft und die Mitarbeiter deutscher Organisationen auszufliegen. Auch die sogenannten Ortskräfte, Afghanen, die mit der Bundeswehr oder der Bundespolizei zusammengearbeitet hatten, wolle man nach Möglichkeit bei der Ausreise helfen.

Von 2.500 betroffenen Personen zuzüglich ihrer Familien befänden sich bereits 1.900 in Deutschland. Auch Mitarbeitern von NGO oder deutscher Organisationen für Entwicklungshilfe wolle man nach Kräften bei der Ausreise helfen.

"Die Bedingungen in Kabul sind extrem schwierig. Es ist deshalb unabdingbar, dass die deutschen Bemühungen in die internationalen eingebunden werden."

Die Ansprechpartner auf dem Flughafen in Kabul seien vor allem die USA und die Türkei. Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, mit dem Merkel am Montag gesprochen hatte, wolle man sich über die weitere Evakuierung und die künftige Entwicklung in Afghanistan abstimmen.

In Bezug auf künftige Flüchtlingsströme sagte Merkel, dass man anders als früher stärker Nachbarstaaten wie Pakistan unterstützen und Kontakt zum Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen aufnehmen wolle.

Auf die Frage, ob das Konzept des "state building" (Staatenbildung) des Westens nach Afghanistan als gescheitert gelten müsse, antwortete Merkel, dass der Kampf gegen al-Qaida erfolgreich gewesen sei. In Bezug auf Erfolge humanitärer Ziele räumte die Kanzlerin aber ein:

"Auf jeden Fall dauert es zeitlich sehr, sehr viel länger, als wir uns das gedacht haben. Wir waren immerhin fast 20 Jahre in Afghanistan. In dieser Zeit ist es nicht gelungen. Insofern muss man sagen, dass es keine erfolgreiche Bemühung war und dass man daraus Lehren ziehen muss – und seine Ziele bei solchen Einsätzen auch kleiner fassen muss."

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