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Lauterbach legt nach: UEFA "übernimmt die Verantwortung für zahlreiche Todesfälle"

Nach dem Spiel der deutschen Nationalmanschaft gegen die englische Auswahl gab Lauterbach zu Protokoll, dass die UEFA "für den Tod vieler Menschen" verantwortlich sei. Nun legte der SPD-Politiker und Mediziner nach. Derweil weist die UEFA die Kritik an ihrer Zuschauerpolitik zurück.
Lauterbach legt nach: UEFA "übernimmt die Verantwortung für zahlreiche Todesfälle"Quelle: www.globallookpress.com

Am Mittwoch sorgte eine Einlassung des Politikers und Mediziners Karl Lauterbach für Aufregung – auch auf dessen bevorzugtem Kommunikationskanal Twitter. Der Gesundheitsökonom warf der Union der Europäischen Fußballverbände (UEFA) in einem Tweet vor, "für den Tod von vielen Menschen" verantwortlich zu sein.

Hintergrund war die nicht nur von Lauterbach geäußerte Kritik an den Zuschauerzahlen während der Fußballeuropameisterschaft in etlichen Ländern Europas. So brachte am Donnerstag auch Bundesinnenminister Horst Seehofer seinen Unmut zum Ausdruck. Er halte "die Position der UEFA für absolut verantwortungslos", erklärte der CSU-Politiker.

Nun legte Lauterbach auf Twitter nach. Die UEFA lasse es zu, "dass die Delta-Variante über volle Stadien weiter zunimmt." Der SPD-Politiker ist sich sicher:

"Damit übernimmt sie die Verantwortung für zahlreiche Todesfälle. Eine Schande für den Sport."

Derweil hat die UEFA die Verantwortung für zahlreiche Todesfälle nach aktuellen Kenntnisstand zwar nicht übernommen, doch was Lauterbach erneut zum Ausdruck bringen will, ist an Deutlichkeit kaum zu übertreffen.

Bereits nach dem Achtelfinalspiel der deutschen Elf gegen die Auswahl Englands hatte Lauterbach getwittert: "Es haben sich sicherlich Hunderte infiziert und diese infizieren jetzt wiederum Tausende."

"Die UEFA ist für den Tod von vielen Menschen verantwortlich."

Beim Spiel, dass für die deutsche Mannschaft 2:0 verloren ging, waren gut 40.000 Fußballanhänger im insgesamt 90.000 Menschen fassenden Wembley-Stadion anwesend. Für die Halbfinalspiele und das Finale selbst sollen es dann 60.000 Zuschauer sein, die sich die Spiele im Stadion ansehen dürfen.

Nun meldete sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Wort. So seien die EM-Spiele mitverantwortlich für eine schnellere Verbreitung der Delta-Variante. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland zitiert den WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge. Dieser erklärte demzufolge am Donnerstag, dass man "natürlich (…) eindeutig besorgt" sei.

Derweil sollen sich knapp 2.000 Corona-Fälle in Schottland nach offiziellen Angaben in Verbindung mit Spielen der Fußball-Europameisterschaft bringen lassen. Wie die Gesundheitsbehörde Public Health Scotland am Mittwoch mitteilte, seien zwei Drittel von 1991 positiv Getesteten Fans, die entgegen der Ratschläge nach London gereist seien. Am 18. Juni hatten die Schotten in London gegen England gespielt. Knapp 400 Infizierte aus Schottland sollen im Stadion gewesen sein, während in der Innenstadt Tausende weitere Fans Straßen und Plätze bevölkerten.

Wie die dpa berichtet, beziehen sich "die Infektionszahlen (...) auf positiv Getestete, die während ihrer ansteckenden Phase EM-Spiele oder Fan-Events besucht haben – und zwar zwischen dem 11. und dem 28. Juni".

Drei Viertel der Infizierten waren der Behörde zufolge zwischen 20 und 39 Jahre alt. Bei neun von zehn habe es sich um Männer gehandelt.

Derweil weist die UEFA die zum Teil massiven Vorwürfe zurück. So seien die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie an jedem Spielort vollständig mit den Regularien der zuständigen lokalen Gesundheitsbehörden abgestimmt, teilte die UEFA am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die finale Entscheidung über die Anzahl der zugelassenen Zuschauer bei den Spielen und die Einreisebestimmungen lägen im Verantwortungsbereich der lokalen Behörden – die UEFA folge diesen. Der medizinische Berater des Verbandes, Daniel Koch, erklärte:

"Es ist nicht völlig auszuschließen, dass Veranstaltungen und Versammlungen letztlich zu einer lokalen Erhöhung der Fallzahlen führen könnten."

Dies würde jedoch keinesfalls nur für Fußballspiele gelten, sondern auch "für alle Situationen, die nun im Rahmen der von den zuständigen örtlichen Behörden beschlossenen Lockerungsmaßnahmen erlaubt" sind.

Zudem würden die europaweiten Impfkampagnen und Grenzkontrollen "dazu beitragen, dass in Europa keine neue große Welle startet und die jeweiligen Gesundheitssysteme unter Druck setzt, wie dies bei den vorherigen Infektionswellen der Fall war".

Die BBC verwies vor wenigen Tagen auf die Regeln zum Besuch der Wembley-Spiele. Demzufolge müssten Fußballfans, die die Spiele im Wembley-Stadion besuchen, eine "Reihe strenger Einreisebedingungen erfüllen".

"Dazu gehört ein negativer COVID-19-Test oder der Nachweis eines vollständigen Impfschutzes, d. h. zwei Impfdosen, 14 Tage vor dem Spiel, das sie besuchen wollen."

Laut dem britischen Kulturminister Oliver Dowden habe man sehr eng mit der UEFA und dem Fußballverband zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die öffentliche Gesundheit während der Spiele durch strenge Maßnahmen sichergestellt, während man gleichzeitig mehr Fans die Möglichkeit gebe, das Stadion zu besuchen.

"Das Finale verspricht, ein unvergesslicher Moment bei unserem nationalen Bemühen zu werden, die Pandemie zu überwinden."

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