Deutschland

Trumps LSD-Shop im Herzen Berlins und die Frage: "Was läuft hier eigentlich alles falsch?"

Im Zentrum Berlins verkauft Carl Philip Trump, der nach eigener Aussage entfernt verwandt mit den ehemaligen US-Präsidenten ist, LSD in großen Mengen online – und das ganz legal. Dabei vertritt Trump auch eine interessante Philosophie im Umgang mit der Droge.
Autor: RT DE

In Berlin vertreibt Carl Philip Trump LSD in großen Mengen – und das auf legalem Wege.

Wie er selbst mit der Droge in Kontakt kam, beschreibt er unverblümt:

"Ich war schwerst depressiv, nachdem ich sehr viel Bitcoin verloren hatte, dann hat sich noch meine Freundin von mir getrennt, und ich habe mich aus eigenem Interesse dafür entschieden, einmal LSD auszuprobieren - zur Behandlung. Es faszinierte mich, und ich beschloss, ein Geschäft zu eröffnen, wo ich es verkaufe."

Seit der Eröffnung im März nutzt Trump legale Schlupflöcher aus, indem er ein LSD-Analogon namens 1CP-LSD verkauft – eine kürzlich entwickelte Substanz, die die meisten Regierungen noch nicht verboten haben und die als "Forschungschemikalie" bezeichnet wird. Wenn es vorrätig ist, gehen normalerweise jeden Tag Scharen von Kunden ein und aus, die Mikro-, Mini-, Voll- oder "Extra-Dosierungs"-Tabs in Chargen von fünf bis 100 Stück kaufen – doch Trumpf will den Publikumsverkehr einstellen. Er hat ganz andere Pläne mit seiner Firma:

"Wir wollen das Amazon des LSD werden – und in alle Länder, in denen es legal ist, die Ware verschicken. Dazu Festivals, Clubs, Spätkaufs, CBD-Läden beliefern und eine Art Massenbewegung in Gang setzen."

Trump hat eine ganz spezifische Sicht auf die Droge – die er auf gar keinen Fall verharmlosen will:

"Man muss mit sehr viel Respekt rangehen. Es ist keine Droge, die man mal schnell ausprobiert." 

Interessant ist auf jeden Fall die Erklärung der staatlichen Drogenpolitik durch den in seinen frühen Dreißigern befindlichen Geschäftsmann:

"Ich glaube, dass der Staat ganz bewusst verschiedene Drogen verbietet – weil sie sonst gewisse politische Effekte hätten. Wie z. B. MDMA – [das dazu führt,] dass die Leute sich verbunden fühlen, dass sie sich lieben und einander verbünden – ist eben eine sehr politische Kraft – und das will der Staat nicht."

Und daraus schließt er: "Deswegen sind bestimmt Drogen erlaubt – und andere eben nicht. [...] So führt Alkohol zu keiner revolutionären Tendenz – sondern macht die Leute zu."

LSD dagegen sei eine Substanz, "bei der Leute schon einmal grundlegend nachdenken und sich vielleicht mal überlegen: Was läuft hier eigentlich alles falsch? Vielleicht wollen wir doch mal eine andere Gesellschaft machen – in der nicht so viel Stress herrscht? In der die Leute abgesicherter leben – ohne Hungertote, Obdachlose, Armut? Damit würden die Leute also eher revolutionäres Gedankengut entwickeln als mit Alkohol."

Doch nun expandiert Trump erst einmal – mit größeren Räumen, Angestellten und noch "lauterer" Öffentlichkeitsarbeit. 

Experte nimmt Stellung zu 1CP-LSD

Um das Gesagte aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten und besser einordnen zu können, hat RT DE bei Dr. Henrik Jungaberle von der MIND Foundation gGmbH etwas über die neuesten Erkenntnisse zu psychotropischen Substanzen sowie zu deren Risiken in Erfahrung gebracht. Er meint:

"Wir treten prinzipiell für eine gesetzliche Regulierung beim Verkauf rekreationaler Drogen (wie Alkohol, Tabak, Cannabis und anderer psychoaktiver Substanzen) ein und selbstverständlich auch von Arzneimitteln. Es ist absolut nicht hinnehmbar, dass Risikosubstanzen oder Arzneimittel wie Gemüse oder Mentholtabletten verkauft werden und dabei zusätzlich noch unhaltbare Heilsversprechungen gemacht werden (deren Quelle die seriöse klinische Forschung ist und nicht der rekreationale Gebrauch). Hier versagen BTM (Betäubungsmittelgesetz) und NPS (Neue Psychoaktive Substanzen Gesetz). Das Bundesgesundheitsministerium hat allerdings angekündigt, dass 1CP-LSD bald im BTM/NPS-Ausschuss des BfArM (Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte) behandelt und vermutlich neu eingestuft werden wird.

Das Thema 1CP-LSD wird gerade von vielen Zeitungen und TV-Stationen behandelt, wir möchten es von unserer Seite nicht vertiefen. Ich persönlich habe auch Anfragen von Bild und anderen abgelehnt, da hier das Sensationalistische in den Mittelpunkt gerückt werden sollte.

Es ist wichtig, dass in Zeitungsberichten der Unterschied zwischen einem rekreationalen Gebrauch und der therapeutischen Anwendung deutlich herausgestellt wird (wie etwa auch bei den Opiaten, die unverzichtbare Schmerzmittel für schwerkranke Menschen sind, aber im nicht-klinischen Gebrauch auch schwere Abhängigkeitserkrankungen erzeugen können).

Selbstmedikation ist ein zweischneidiges Schwert – oft suchen verzweifelte, oft behandlungsresistente oder auch nur neugierige Menschen eine Verbesserung ihrer Lage, erreichen über Selbstmedikation aber nicht die gewünschte Veränderung, oder sie fördern ihr Vermeiden aversiver, schmerzvoller Zustände. Die Konfrontation mit solchen Zuständen ist ein wesentliches Element psychotherapeutischer Behandlung im professionellen Kontext."

Jungaberles abschließendes Fazit: "Was Sie hingegen am Phänomen des offenen 1CP-LSD-Verkaufs beschreiben können, ist Geldmacherei mit der Neugier und in Ausschnitten auch der Verzweiflung von Menschen, die alternative Behandlungsansätze suchen. Der drogenpolitische Diskurs um 1CP-LSD herum, den der selbst recht labil wirkende und fanatisierte Protagonist und vor allem einige linke Gruppen mit reformpolitischen Ideen betreiben, ist aus unserer Sicht zu einem großen Teil nicht gut überlegt und häufig auch von eigenen Interessen bestimmt (dem Wunsch nach der Verfügbarkeit und dem Konsum von LSD). Das ist eine andere, eine drogenpolitische Debatte, die von dem spezifischen Fall, den Sie behandeln wollen, getrennt betrachtet werden sollte."

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